Diese Seiten wurden archiviert. Eine steuerrechtliche Beratung finden Sie auf den Steuerrecht Seiten von frag-einen-anwalt.de
Frage geschrieben am 01.12.2014 18:34:38

Betreff: Verkauf eines Einzelunternehmens - Einkommensteuer?


Rechtsgebiet: Einkommenssteuer
Einsatz: € 45.00
Status: Beantwortet
Hallo,

ein Einzelunternehmen (Einnahmenüberschussrechnung) soll zum 31.12.2014 verkauft werden. Es handelt sich um ein Geschäft für Wohnaccessoires.

Das Unternehmen ist 3 Jahre alt und hat in 2012 und 2013 je EUR 15.000 Verlust gemacht.

In 2014 wurde ein Gewinn von EUR 500 erwirtschaftet.

Seit Gründung sind damit also Verluste von EUR 29.500 aufgelaufen.

Der Warenbestand zum 31.12.2014 hat einen Wert von EUR 10.000.

Der Kaufpreis beträgt EUR 30.000.

Fragen:

1.) Unterliegt der Kaufpreis und Gewinn 2014 - zusammen also EUR 30.500 - in voller Höhe der Einkommensteuer? Oder gibt es eine Steuersparmöglichkeit (Stichwort "Fünftelregelung des § 34 Abs. 1 EStG")?

2.) Gibt es in diesem Fall "Stille Reserven", die eine Rolle spielen?

3.) Unterliegt der Kaufpreis auch der Gewerbesteuer?

Vielen Dank!





Antwort geschrieben am 01.12.2014 19:43:37
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
Bewertungen: 67 5
RSS-Feed www.frag-einen-steuerprofi.de Antworten von Ingo Kneisel als RSS-Feed abonnieren!
Sehr geehrter Fragesteller,

im Rahmen einer Erstberatung und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Frage gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Die seit Gründung entstandenen Verluste konnten bisher mit positiven Einkünfte, soweit vorhanden, verrechnet werden.

Zu unterscheiden im Jahr 2014 ist einerseits der laufende Gewinn und der steuerbegünstigte Veräußerungsgewinn.

Der laufende Gewinn unterliegt möglicherweise der Einkommensteuer, abhängig von den anderen Einkünften des Jahres 2014. Er unterliegt nicht der Gewerbesteuer, da er nicht höher ist als 24.500 €.

Der Veräußerungsgewinn ist der Betrag, um den der Veräußerungspreis nach Abzug der Veräußerungskosten den Wert des Betriebsvermögens übersteigt. Dieser Wert ist für den Zeitpunkt der Veräußerung nach Bilanzierungsgrundsätzen zu ermitteln. Unterstellen wir einmal, dass nur der Warenbestand und keine Veräußerungskosten vorhanden waren, so beträgt der Veräußerungsgewinn 20.000,-- €.

Dieser Gewinn ist begünstigt und unterliegt nicht der Gewerbesteuer.

Sollten Sie das 55. Lebensjahr vollendet haben oder im sozialversicherungsrechtlichen Sinne dauernd berufsunfähig sein, so wird der Veräußerungsgewinn auf Antrag zur Einkommensteuer nur herangezogen, soweit er 45.000,-- Euro übersteigt. Dieser Freibetrag ist Ihnen nur einmal zu gewähren. Er ermäßigt sich um den Betrag, um den der Veräußerungsgewinn 136.000,-- Euro übersteigt.

D. h. Im Klartext, es fällt auf den Veräußerungsgewinn keine Steuer an, wenn Sie die o. g. Kriterien erfüllen.

Wenn nicht, gibt es für Sie die 1/5 Regelung des §34 des Einkommensteuergesetzes. Hierbei wird der Gewinn aus der Veräußerung eines Betriebs gem. § 16 EStG vom Finanzamt im Rahmen Ihrer Veranlagung einmal nach der Fünftelregelung und ein zweites Mal als laufender Gewinn besteuert. Es erfolgt danach eine Günstigerprüfung.

Bei der Fünftelregelung wird in einem ersten Schritt die Steuer auf das zu versteuernde Einkommen ohne den Veräußerungsgewinn ermittelt. Dann wird, die Steuer auf das zu versteuernde Einkommen, aber unter Einbeziehung eines Fünftels des Veräußerungsgewinns, nach dem allgemeinen Tarif ermittelt. Der sich aus dem Vergleich der sich hierbei ergebenden Steuerbeträge (Differenz) ergebende Unterschiedsbetrag wird verfünffacht und dem im ersten Schritt ermittelten Steuerbetrag aufgeschlagen. Diese besondere Form der Besteuerung soll zu einer Milderung der Progression führen.
Sehr geehrter Fragesteller,

im Rahmen einer Erstberatung und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Frage gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Die seit Gründung entstandenen Verluste konnten bisher mit positiven Einkünfte, soweit vorhanden, verrechnet werden.

Zu unterscheiden im Jahr 2014 ist einerseits der laufende Gewinn und der steuerbegünstigte Veräußerungsgewinn.

Der laufende Gewinn unterliegt möglicherweise der Einkommensteuer, abhängig von den anderen Einkünften des Jahres 2014. Er unterliegt nicht der Gewerbesteuer, da er nicht höher ist als 24.500 €.

Der Veräußerungsgewinn ist der Betrag, um den der Veräußerungspreis nach Abzug der Veräußerungskosten den Wert des Betriebsvermögens übersteigt.Dieser Wert ist für den Zeitpunkt der Veräußerung nach Bilanzierungsgrundsätzen zu ermitteln. Unterstellen wir einmal, dass nur der Warenbestand und keine Veräußerungskosten vorhanden waren, so beträgt der Veräußerungsgewinn 20.000,-- €.

Dieser Gewinn ist begünstigt und unterliegt nicht der Gewerbesteuer.

Sollten Sie das 55. Lebensjahr vollendet haben oder im sozialversicherungsrechtlichen Sinne dauernd berufsunfähig sein, so wird der Veräußerungsgewinn auf Antrag zur Einkommensteuer nur herangezogen, soweit er 45.000,-- Euro übersteigt. Dieser Freibetrag ist Ihnen nur einmal zu gewähren. Er ermäßigt sich um den Betrag, um den der Veräußerungsgewinn 136.000,-- Euro übersteigt.

D. h. Im Klartext, es fällt auf den Veräußerungsgewinn keine Steuer an, wenn Sie die i. g. Kriterien erfüllen.

Wenn nicht, gibt es für Sie die 1/5 Regelung des §34 desEinkommensteuergesetzes. Hierbei wird der Gewinn aus der Veräußerung eines Betriebs gem. § 16 EStG vom Finanzamt im Rahmen Ihrer Veranlagung einmal nach der Fünftelregelung und ein zweites Mal als laufender Gewinn besteuert. Es erfolgt danach eine Günstigerprüfung.
Bei der Fünftelregelung wird in einem ersten Schritt die Steuer auf das zu versteuernde Einkommen ohne den Veräußerungsgewinn ermittelt. Dann wird, die Steuer auf das zu versteuernde Einkommen, aber unter Einbeziehung eines Fünftels des Veräußerungsgewinns, nach dem allgemeinen Tarif ermittelt. Der sich aus dem Vergleich der sich hierbei ergebenden Steuerbeträge (Differenz) ergebende Unterschiedsbetrag wird verfünffacht und dem im ersten Schritt ermittelten Steuerbetrag aufgeschlagen. Diese besondere Form der Besteuerung soll zu einer Milderung der Progression führen. Klingt kompliziert, ist es auch. Es gibt Programme, die das rechnen. Besonders günstig ist diese Regelung nicht.

Bei Einkommen, bei denen der Tarif bereits den höchsten Steuersatz auslöst, hat die Fünftelregelung überhaupt keine Entlastungswirkung mehr.

Bei Beantwortung der Frage, in welches Jahr Sie den Veräußerungsgewinn legen sollten, dass können Sie ja besonders gut zum jetzigen Zeitpunkt selbst steuern, ist die Kenntnis Ihrer gesamten Einkommenssituation 2014 und der vorläufigen für 2015 zwingend erforderlich. Lassen Sie sich da bitte gut beraten.

Sollten Rückfragen bestehen, stehe ich selbstverständlich gerne noch einmal zu deren Beantwortung bereit.

Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld
Telefon (0521) 92420-0
E-mail: info@ingo-kneisel.de
Internet: www.ingo-kneisel.de