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Frage geschrieben am 16.11.2014 15:45:41

Betreff: kurszfristige Tätigkeit in der Schweiz, Hauptwohnsitz in Deutschland


Rechtsgebiet: Steuererklärung
Einsatz: € 150.00
Status: Beantwortet
Guten Tag,

ich suche einen Rat von einem mit dem DBA-Abkommen mit der Schweiz erfahrenen Steuerberater.

im Jahre 2013 war ich in der Schweiz zwischen April und Juni, damit für ca. drei Monate als Arbeitnehmer beschäftigt.
Es handelte sich NICHT um eine Entsendung durch ein in Deutschland ansässiges Unternehmen, sondern um eine von mir persönlich aufgenommene befristete Anstellung in der Schweiz.

In dieser Zeit (ca. drei Monate) war ich bei einem in der Schweiz ansässigen Unternehmen beschäftigt.

Mein Hauptwohnsitz lag im Jahre 2013 in Deutschland, damit war ich im Jahre 2013 in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig.

Die Einnahmen aus dem Projekt in der Schweiz wurden bereits in der CH komplett versteuert, Sozialabgaben abgeführt.

Muß ich die Einnahmen aus der Beschäftigung in der Schweiz in der deutschen Steuerklärung deklarieren?

Werden diese Einnahmen nach dem deutschen Steuersatz nachversteuert oder erhöht sich lediglich die Bemessungsgrundlage?

Wenn ich die Einnahmen aus der Beschäftigung in der Schweiz in Deutschland nachversteuert werden müssen,
kann ich folgende Kosten geltend machen? Es wurden keine Kosten vom Arbeitgeber übernommen.

Wochenendreisekosten von CH zum Hauptwohnsitz in Deutschland
Übernachtungskosten in CH
Kosten vom Hotel in CH zur Arbeitsstätte in CH
3 Monate Verpflegungspauschale

Mit freundlichen Grüßen


Antwort geschrieben am 16.11.2014 19:22:51
Patrick Färber
Brunnenstr. 31, 79312 Emmendingen, Tel: 0, Fax: 0
Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Unternehmenssteuern, Steuerrecht, Steuerpflicht
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Sehr geehrter Fragesteller,

auf Basis Ihrer Angaben kann ich Ihre Anfrage nicht definitiv beantworten, da nicht alle Sachverhaltsangaben vorliegen.
Ihr Wohnort (wird mir neben Ihrem Namen angezeigt) deutet darauf hin, dass hier abgeklärt werden muss, ob wir in Art. 15a DBA (Grenzgänger) oder in der Grundregel des Art. 15 DBA sind.

Variante 1) KEIN Grenzgänger, dann sog. Wochenaufenthalter

In diesem Fall hätte Deutschland KEIN Besteuerungsrecht, denn die Ausnahmeregelung (183 Tage, Bezahlung durch Arbeitgeber DE bzw. keine Betriebstätte Arbeitgeber in CH) ist nicht kumulativ erfüllt. Deshalb wäre es richtig, dass CH den vollen Quellensteuerabzug vorgenommen hat. Sie müssen Ihre Einkünfte aus der Schweiz allerdings- wie von Ihnen vermutet- über den Progressionsvorbehalt versteuern (Eintragung in Anlage AUS). Sie können die von Ihnen genannten Werbungskosten (doppelte Haushaltsführung, hierfür reicht ein Hotelzimmer aus) in der Tat von diesen Einnahmen abziehen, allerdings wirken sich Werbungskosten im Progressionsvorbehalt meist nur sehr geringfügig aus.

Variante 2) Grenzgänger, weil aufgrund der Entfernung und/oder Fahrtzeit eine Rückkehr zum Arbeitsort abstrakt zumutbar ist.

In diesem Fall hätten Sie eine volle Versteuerung in Deutschland, auch wenn Sie Übernachtungen in der Schweiz hatten, denn es wird abstrakt auf die Zumutbarkeit der Rückkehr aufgrund Entfernung abgestellt.
Die einzige Möglichkeit zu entkommen wäre, wenn Sie anhand der konkreten Fahrstrecke und des Verkehrsmittels nachweisen können, dass die Rückkehr an mehr als 15 Arbeitstagen (60 Tage p.a. anteilig für 3 Monate) beruflich bedingt nicht zumutbar war (Fahrtzeit pro Weg länger als 1,5 Stunden). Hierfür würden Sie die Anlage Gr3a (Aufstellung der Reisetage) benötigen sowie die von Ihrem Arbeitgeber unterschriebene Bescheinigung, dass die sog. Nichtrückkehrtage „beruflich bedingt" waren. Für sich genommen nicht ausreichend wäre z.B. das Argument, dass Sie immer lange Arbeitszeiten hatten. Hier gibt es eine Verständigung zwischen den Behörden, dass ein Aufenthalt von weniger als 8 Stunden zuhause nicht mehr zumutbar ist (z.B. Ankunft 23h zu Hause, Abfahrt 6h morgens). Ansonsten gibt es noch Spezialregelungen für bestimmte Berufsgruppen (im Bereich Krankenhaus) etc., die aber nicht einschlägig erscheinen.
Kommen Sie über 15 Nichtrückkehrtage und haben Sie die Tätigkeit ausschließlich vor Ort in der CH durchgeführt, so würde wieder Variante 1 gelten, also Progressionsvorbehalt.

Wären Sie hingegen Grenzgänger, so würden Sie diese Einkünfte in der Anlage N-Gre eintragen. Die von Ihnen genannten Kosten einer doppelten Haushaltsführung könnten Sie hier voll steuermindernd geltend machen.
Allerdings müssten Sie dann eine Tarifkorrektur in der Schweiz beantragen, da Deutschland maximal 4,5% schweizer Quellensteuer anrechnen würde und die Differenz zum vollen schweizer Quellensteuerabzug verloren wäre.
Gerne kann ich Ihnen noch Konkreter helfen, wenn Sie mir nähere Angaben zum Arbeitsort, Entfernung von zuhause und zur Tätigkeit an sich machen.

Mit freundlichen Grüßen
StB Patrick Färber
post@richtig-gegensteuern.de



Patrick Färber
Steuerberater
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