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Frage geschrieben am 22.03.2013 11:22:11

Betreff: Übergangsgewinn / -verlust bei Wechsel von Bilanz zu EÜR


Rechtsgebiet: Selbstständige
Einsatz: € 100.00
Status: Beantwortet
Ein Unternehmer (Einzelunternehmen) führt seine Gewinnermittlung nach EÜR durch und liegt unter den Höchstwerten für Gewinn (50.000 EUR) und Umsatz (500.000 EUR).

In einem fiktiven Jahr, sagen wir Jahr 1, überschreitet das Unternehmen die Gewinngrenze und wird daher in Jahr 2 aufgefordert, ab Jahr 3 die Gewinnermittlung per Bilanz durchzuführen und auch zu Beginn des Jahres 3 eine Eröffnungsbilanz einzureichen.

Durch den Umstieg auf die Bilanzierung kommt es zu einem Übergangsgewinn (ÜG) von z.B. 50.000 EUR durch Warenbestand, offene Forderungen u.ä.. In Jahr 4 wird der Unternehmer nach eingereichter Einkommenssteuererklärung aufgefordert, durch den ÜG Steuern nachzuzahlen (bei z.B. 35% demnach 17.500 EUR), welche unmittelbar fällig werden. Die Möglichkeit, diese auf 3 Jahre zu strecken, ist bekannt.

Frage 1: Wie sieht es in diesem Fall mit der Gewerbesteuer aus? Wird diese ebenfalls gleichzeitig für den Übergangsgewinn fällig und ist unmittelbar zu zahlen? Gibt es dafür die Streckmöglichkeit auf 3 Jahre?

Der Unternehmer plant, so bald wie möglich wieder in die Gewinnermittlung durch EÜR zurückzuwechseln. Die Höchstgrenzen für Gewinn und Umsatz kann er durch Einschränkungen des Betrieb problemlos einhalten.

Frage 2: Ab welchem Jahr kann der Unternehmer frühestens in die EÜR wechseln? Kann er z.B. in Jahr 5 unter den Grenzen bleiben und folglich ab Jahr 6 unmittelbar wieder nach EÜR ermitteln?

Beim Wechsel in die EÜR muss eine Schlussbilanz erstellt werden. Hier kommt es, analog zum ersten Wechsel, zu einem umgekehrten Übergangsverlust (z.B. -50.000 EUR), da der Warenbestand übertragen wird. Der Warenbestand ist in etwa der gleiche wie damals.

Frage 3: Kann in Jahr 6 der Übergangsverlust steuerlich geltend gemacht werden, so dass der Unternehmer mit einer Steuergutschrift (ESt. in diesem Fall 17.500 EUR + Gewerbesteuer) rechnen kann, die ähnlich hoch ist wie die ESt.- und Gew.St.-Zahlungen, die er ursprünglich beim Wechsel EÜR->Bilanz zahlen musste?

Zusammengefasst kann man sagen: Der Unternehmer musste beim ersten Wechsel EÜR->Bilanz durch den Übergangsgewinn Einkommens- und Gewerbesteuer zahlen. Kann er so schnell wie möglich (wie schnell?) wieder in die EÜR wechseln, die Rechnung umgekehrt ausführen (also Übergangsverlust) und bekommt die gezahlten Beträge aus ESt. und Gew.St. faktisch wieder zurück? Oder kommt es beim Wechsel Bilanz->EÜR zu Zusatzzahlungen (z.B. durch Auflösung hier nicht berücksichtiger Posten), die hier nicht berücksichtigt wurden und die diese Rechnung nicht aufgehen lassen?