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Frage geschrieben am 17.02.2012 11:18:29

Betreff: Abgeltungssteuer bei Kreditkarten-Guthaben


Rechtsgebiet: Kapitalvermögen
Einsatz: € 100.00
Status: Beantwortet
Kreditkarten-Anbieter bieten für Guthaben auf dem Kreditkartenkonto attraktive Zinsen. Da jedoch auch Firmen-Kreditkarten auf eine Privatperson ausgestellt sind und nur über ein Firmengirokonto abgerechnet werden, fließen evtl. Guthabenzinsen abzgl. Abgeltungssteuer faktisch dem Inhaber der Kreditkarte zu. Dieser erhält auch am Ende des Jahres eine Steuerbescheinigung auf seinen (Privat)Namen.

Da es für Firmen leider nur sehr wenige und meist nicht attraktive Angebote für die Anlage von Tagesgeldern gibt ist meine Frage, ob Firmen evtl. über einen sogenannten "Zinsabtretungsvertrag" in den Genuss von besseren Zinsen kommen können, wenn die Anlage des Geldes durch eine Privatperson als Treuhänder (z.B. Geschäftsführer/Gesellschafter/Mitarbeiter) erfolgt und der Treuhänder sich verpflichtet die Zinsen an den Treugeber (Firma) abzuführen.

Gibt es solche Zinsabtretungsverträge? Werden diese von der Finanzverwaltung grundsätzlich akzeptiert? Was wäre bei so einem Zinsabtretungsvertrag grundsätzlich zu beachten?


Antwort geschrieben am 17.02.2012 12:40:26
MScBM Ralf Wittrock
Scharnhorststraße 14, 48151 Münster, Tel: 0251 20318118, Fax: 032 121277650
Steuerberatung
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Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich Ihre Frage im Rahmen einer Erstberatung unter Berücksichtigung der Vorgaben dieser Plattform und Ihres Einsatzes.

Grundsätzlich ist es ertragsteuerlich so, dass bei einem Treuhandverhältnis die Erträge ertragsteuerlich dem wirtschaftlich berechtigten, nämlich dem Treugeber, zugerechnet werden (vgl. § 39 Abs. 2 AO). Das gilt auch für die Zinsen. Im Prinzip muss nur sichergestellt sein, dass es sich um ein echtes Treuhandverhältnis handelt und dieses auch tatsächlich so durchgeführt wird.

Für den Fall von Mietkautionskonten, die in Form von Treuhandkonten geführt werden und auch für Notaranderkonten gibt es spezielle Anweisungen der Finanzverwaltung, wie zu verfahren ist, wenn die Steuerbescheinigung auf den Kontoinhaber (Treuhänder) ausgestellt ist. Das Finanzamt soll in diesen Fällen eine Anrechnung der einbehaltenen Kapitalertragsteuer vornehmen, wenn die Bank einen Hinweis „Treuhandkonto" auf der Steuerbescheinigung anbringt. Ist das nicht der Fall, soll im Fall des Notaranderkontos eine zusätzliche Bestätigung des Notars vorgelegt werden. (BMF Schreiben vom 24.11.2008, Rz. 11f., 20f.) In der Praxis wird allerdings die Anrechnung vom Finanzamt teilweise auch dann gewährt, wenn klar ist, dass es sich um Treuhandkonten handelt. Gerade bei günstig verzinsten Tagesgeldkonten nehme ich aber an, dass die Banken ein entsprechendes Treuhandverhältnis in ihren Geschäftsbedingungen ausschließen werden. Wenn der Treugeber dem Kreditinstitut bekannt ist, kann auch die Steuerbescheinigung auf diesen ausgestellt werden.

Hinsichtlich des Kreditkartenkontos teile ich nicht ihre Ansicht, dass der Berechtigte der Guthabenzinsen derjenige ist, auf dessen persönlichen Namen die Kreditkarte ausgestellt ist. Jedenfalls dann nicht, wenn es sich um eine „echte" Firmenkreditkarte handelt. Dem Inhaber der Kreditkarte fließen die Zinsen auch nicht zu. Die Bank muss in diesem Fall m.E. die Steuerbescheinigung auf die Firma ausstellen, da ihr das Rechtsverhältnis bekannt ist.

Fazit: Wenn Sie nicht erreichen können, dass eine Steuerbescheinigung mit dem Hinweis „Treuhandkonto" ausgestellt wird, sollten Sie mit ihrem zuständigen Finanzamt vorher abstimmen, ob die Vorlage einer Steuerbescheinigung, die auf den Kontoinhaber ausgestellt ist, ausreicht.

Ich hoffe, Ihre Frage zu Ihrer Zufriedenheit und verständlich beantwortet zu haben. Wenn noch Unklarheiten bestehen, nutzen Sie bitte die Nachfragefunktion.

Freundliche Grüße,
Ralf Wittrock, MScBM
Steuerberater

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