Diese Seiten wurden archiviert. Eine steuerrechtliche Beratung finden Sie auf den Steuerrecht Seiten von frag-einen-anwalt.de
Frage geschrieben am 30.01.2013 12:12:02

Betreff: Arbeit CH, Erstwohnsitz CH, Zweitwohnsitz DE; Wegzugssteuer & Kapitalertragssteuer


Rechtsgebiet: Finanzamt
Einsatz: € 60.00
Status: archiviert
Ich bin Deutscher und bin seit etwas mehr als 5 Jahren in der Schweiz wohnhaft. Ich habe dort eine Immobilie gekauft und bin Aktionär zweier Gesellschaften. Damals bin ich - nach einer unschönen Scheidung und damit verbunden dem Verlust des Großteils meines Vermögens - "ausgewandert" und hatte eigentlich nicht die Absicht, jemals wieder in Deutschland aktiv zu werden.
In Deutschland habe ich alle Immobilien bis auf ein vermietetes Wohnhaus verkauft. Hierfür bin ich weiterhin beschränkt steuerpflichtig und gebe meine Steuererklärungen entsprechend ab.

Seit einigen Monaten habe ich eine feste Partnerin - und wie das Schicksal es will ist sie aus Deutschland. Bislang haben wir uns an den Wochenenden besucht. Da sie derzeit beruflich nicht aus Deutschland weg kann und ich bei meiner Zeiteinteilung flexibler bin plane ich zeitweise zu ihr zu ziehen und die Wochenenden überwiegend bei ihr zu verbringen (das Haus gehört ihr). Evtl. würden wir gemeinsam auch eine Immobilie erwerben.

Ich gehe davon aus, dass dies dann als Wohnsitz in Deutschland gewertet wird und ich somit unbeschränkt steuerpflichtig in Deutschland werde.
Voraussichtlich werden wir 3-4 Jahre in Deutschland verbringen und - sobald sie ihre beruflichen und familiären Themen gelöst hat - sodann gemeinsam in die Schweiz ziehen.
Es geht somit in meiner Frage um die 3-4 Jahre, in welchen ich eine unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland begründe.

Die Regelungen zum Grenzgänger sind mir bekannt - hier werde ich sicher mehr als 60 Tage in der Schweiz sein. Somit gehe ich nicht davon aus, dass mein Gehalt aus Tätigkeiten im Verwaltungsrat steuerpflichtig in Deutschland werden.

Bezüglich der in Deutschland verbrachten Tage würden diese zwischen 150 und 210 Tagen sein, ich bin weiterhin viel in der Schweiz und international unterwegs. Das heißt ich könnte es so steuern, dass die 180 Tage nicht überschritten werden - das wäre jedoch mit Aufwand verbunden und ich zahle lieber ein wenig mehr Steuern und habe dafür Ruhe.

Nun meine Fragen:

(1) würde bei einem Aufenthalt von mehr als 180 Tagen eine Differenzbesteuerung auf mein VR-Gehalt zum Tragen kommen? Ich beziehe hier ca. 5.000 CHF pro Monat.

(2) ich habe während meiner Zeit in der Schweiz eine Firma aufgebaut und diese dann mit Gewinn verkauft. Hier wurden ca. 50% sofort bezahlt, der Rest kommt in Kaufpreisraten. In der Schweiz war der Verkauf als Kapitalertrag steuerfrei. Droht mir in Deutschland eine Besteuerung der nachgelagerten Kaufpreis-Zahlungsraten? Ändert sich das je nachdem ob ich über oder unter 180 Tagen in Deutschland bin? Bei dem Gewinn handelt es sich um Erlöse aus dem Verkauf einer schweizer Gesellschaft mit internationalen Aktivitäten.

(3) ich halte noch Anteile an zwei schweizer Aktiengesellschaften. Derzeit ist der Wert "übersichtlich". Es ist jedoch für beide AGs eine hervorragende Geschäftsentwicklung abzusehen und der Wert der Anteile könnte sich die kommenden 3-4 Jahre vervielfachen. Die Aktien würde ich in diesem Zeitraum auf keinen Fall verkaufen, allenfalls später wenn ich wieder in der Schweiz bin. Kann nun im Rahmen der Wegzugsbesteuerung der Wertzuwachs an den Aktien beim endgültigen Wegzug aus Deutschland besteuert werden? Falls ja, was würde als Wert angesetzt werden (Buchwert? Ertragswert?). Die Firmen sind nicht börsennotiert.
IDie Aktien an den Firmen habe ich erworben, als ich eindeutig keinerlei Beziehungen mehr zu Deutschland hatte.

(4) Sollte eine Wegzugsbesteuerung auf den Wertzuwachs der Aktien gemäß (3) zumindest drohen: Kann man hierüber mit dem Finanzamt in Deutschland eine Regelung treffen, dass diese Werte von einer Besteuerung ausgenommen werden? Für mich könnte sich das Thema als eine Falle erweisen: Nehmen wir an die Aktien würden einige Millionen an Wert gewinnen und ich müsste hierauf Kapitalgewinnsteuer bezahlen - dann könnte ich mir eventuell gar nicht mehr eine Rückkehr in die Schweiz leisten...

In Summe ist es so, dass meine laufenden Einnahmen einigermaßen übersichtlich sind. Ich brauche nicht viel Geld zum leben, da ich keine Miete zahlen muss und eher sparsam mit Geld umgehe.
Ich habe grundsätzlich kein Problem damit, für laufende Einnahmen zusätzliche Steuer in Deutschland zu bezahlen, wenn hier die Sätze eben höher sind.

Meine ganz große Sorge sind die Themen Wegzugsbesteuerung und die noch nicht final bezahlten Raten aus dem Firmenverkauf.



Als Leser können Sie
*Weitere Informationen und eine Übersicht der 123recht.net Dienste finden Sie hier.


Als angemeldeter Nutzer haben Sie die Möglichkeit diesen Beitrag zu beobachten.
Sie bekommen dann eine E-Mail mit den neuesten Beiträgen. Melden Sie sich hier an!