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Frage geschrieben am 02.11.2014 14:10:15

Betreff: Bonuszahlungen neben einer Tantieme


Rechtsgebiet: Kapitalgesellschaften
Einsatz: € 60.00
Status: Beantwortet
Als alleiniger GGF einer kleinen GmbH werde ich in ca 1- max
2 Jahren einen Teilbetrieb (keinen Geschäftsanteil) veräussern wollen, da sich hier alsbald eine enorme Umsatzsteigerung ergeben wird. Dieser bringt dann nach derzeitigem Stand doch eine recht hohe Einnahme/Gewinn, gegenüber den üblichen Gewinnen aus den letzten Jahren.
Da mein Geschäftsführergehalt wegen der Liquidität bisher nur
3.000 € Brutto (derzeit auch nicht erhöhbar) beträgt, kann ich mir von diesem "Kuchen", durch die begrenzten Möglichkeiten der zu-sätzlichen Tantieme und der üblichen Ausschüttungen auch kein gutes Stück abschneiden.
Hier kam mir dann die Idee auf eine Bonuszahlung wegen besonders erfolgreicher Tätigkeit. Einher ging damit ja auch eine Gewerbesteuerersparnis.
Welche steuerlichen Voraussetzungen sind an eine solche Bonuszahlung gebunden, ohne dass es mit einer verdeckten Gewinnausschüttung endet ?
Welche weiteren Punkte(Form- und Berechnungsmöglichkeiten) müssten beachtet werden ?

Vielen Dank


Antwort geschrieben am 02.11.2014 15:58:32
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
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Sehr geehrter Fragesteller,

im Rahmen einer Erstberatung und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Frage gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Wenn ich Ihre Frage richtig verstehe, wollen Sie wegen einer nicht begünstigten Veräußerung eines Teiles Ihrer GmbH (keine gewerbesteuerfreie Anteilsveräußerung), durch steuerlich wirksame Bonuszahlungen an sich selbst, den gewerbesteuerpflichtigen Gewinn der Jahre mindern, in denen die "Post" abgeht, um anstehende Gewinne in Ihren privaten Gehaltsbereich verlagern.

Ich darf mich hier also ausschließlich auf Ihre Frage der von Ihnen geplanten Bonuszahlungen beziehen. Hierbei handelt es sich wie bei Tantiemen um Gehaltszahlungen bzw. Bestandteile der insgesamt zu beurteilenden Geschäftsführervergütung.

Steuerlich sind Boni recht risikobehaftet, da deren Vereinbarungen so getroffen werden sollten, dass sie steuerlich auch Bestand haben. Werden Boni oder Tantiemen steuerlich vom FA nicht anerkannt, führen sie zu einer verdeckten Gewinnausschüttung, was nicht gut ist.

Der Grundsatz ist, dass ein Gesellschafter-Geschäftsführer für seine Tätigkeit ein angemessenes Gehalt erhält, wozu eben auch Boni und Tantiemen gehören. Insgesamt geht es insoweit um die "Gesamtvergütung" des beherrschenden Gesellschafter/Geschäftsführers.

Auf Grund Ihrer Beschreibung gibt es mangels weiterer Geschäftsführer im eigenen Unternehmen also nur den externen Vergleich. Will man nun Probleme bei künftigen Betriebsprüfungen vermeiden, sollte die Boni/Tantieme auf 25% der Gehaltsbezüge des Gesellschafter-Geschäftsführer begrenzt werden und insgesamt sollte die reine Bonus/Tantiemevereinbarung nicht mehr als 50% des Gesamtgewinns der Gesellschaft betragen.

Es gibt aber möglicherweise Gründe, die für eine Abweichung von der 75/25-Regel sprechen. Dies sind z. B. Liquditätsengpässe während der Gründungsphase der GmbH und damit verbunden kleinem Gehalt des GGF, allgemeine finanzielle Schwierigkeiten der GmbH, Herabsetzung des bisherigen Gehaltes des GGF um die Liquidität der GmbH zu schonen, risikobehaftete Geschäftstätigkeit der GmbH, etc.

Daneben ist zu beachten, dass sämtliche Vereinbarung zeitlich vor deren Ausführung liegen. D. h., dass derartige Vereinbarungen vor dem Jahr der Bezugsberechtigung liegen müssen.

Wie schon ausgeführt dürfen die Bonus/Tantiemezahlungen nicht mehr als 50 % des handelsrechtlichen Gewinns betragen. Bei Überschreitung dieser 50 %-Grenze sind die Finanzämter rigoros und stufen den übersteigenden Betrag stets als verdeckte Gewinnausschüttung ein.

Ich hoffe Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, stehe ich selbstverständlich gerne noch einmal zu deren Beantwortung bereit.


Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

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