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Frage geschrieben am 28.04.2012 17:47:43

Betreff: Eigenbedarfsklausel für selbst bewohntes Haus verbindlich?


Rechtsgebiet: Erbschaftssteuer
Einsatz: € 30.00
Status: Beantwortet
Betr.: Erbschaftssteuer
Folgender Sachverhalt: Meine Eltern sind im Abstand eines halben Jahres beide gestorben. Es gab ein Berliner Testament. So hat mein Vater zuerst als Alleinerbe meine Mutter beerbt und ich dann als Alleierbe von meinem Vater, u.a. 3 Häuser.
Jetzt hatte ich die Info, dass, wenn man selbst das Haus für 10 Jahre bewohnt, dessen Wert von der Erbschaftssteuer ausgeschlossen wird.
Nun habe ich folgendes Problem: In der Anleitung steht: "Das Finanzamt KANN von der Besteuerung
absehen, wenn man das Haus zum Eigenbedarf nutzt" Kann heißt aber im Prinzip "Nicht müssen"
Jetzt habe ich leichtsinnigerweise schon meine Whg. gekündigt+ wollte in das Haus einziehen, aber-diese Immobilie ist auch die Wertvollste ( 500.000.-) Die beiden anderen Häuser sind nur 220.000.- bzw. 260.000 wert, wobei Letzteres nach dem Ertragswert-Verfahren bewertet wurde, sodass sich ein unrealistischer Betrag ergeben hat. Tatsächlich könnte man das Gebäude für max. 100.000 veräußern.
Würde das Finanzamt aber gestatten, dass ich das teuerste Haus selbst nutze, wäre der Rest des Erbes so niedrig, dass wg. des Freibetrags KEINE Erbschaftssteuer gezahlt werden müsste!
Insofern kann ich doch davon ausgehen, dass das keinesfalls gestattet wird, bzw. allenfalls, dass ich in eines der billigeren Häuser ziehe (Was wg. der Lage schon ausfällt. Das einzig geeignete Haus ist das für 0,5 Mio. in der Stadt)
Meine Frage ist also: Besteht ein verbindlicher Anspruch, dass das selbst bewohnte Haus nicht ver-steuert wird, auch wenn dadurch der Nachlasswert so niedrig wird, dass gar keine Erbschaftssteuer
fällig wird?
Ich musste bereits die Erklärung für meinen Vater zum Juni 2011 abgeben, meine eigene zum Okt. 2011. Bislang habe ich aber weder für meinen Vater noch mich erfahren, wie die Forderung ausfällt.
Allerdings musste ich div. Formulare einreichen, auf denen ich Angaben zu den Gebäuden zu machen hatte, damit die das bewerten können. Diese Bescheide, mit den überzogenen Werten liegen sowohl für meinen Vater als auch mich inzwischen vor, bei dem einen habe ich auch Einspruch eingelegt.
Nur die finale Endabrechnung steht noch aus, das Ganze wird auch langsam zu einer psychologischen Belastung…
Hätte auch nicht gedacht, dass es solange dauert, bis mir endlich mitgeteilt wird, was mich erwartet!
Insofern habe ich jetzt schon abgehakt, einzuziehen, weil, wenn ich innerhalb von 4 Wochen 80.000-100.000 zahlen soll, muss ich eines der Häuser verkaufen, weil ich nicht so flüssig bin. Aber besser
so, als Zwangsversteigerung! Mit den restlichen Werten beträgt das Erbe ca. 1.100.000.- abzüglich der 400.000.- Freibetrag müsste ich dann 700.000 versteuern, 15% davon wären 105.000.- Es dürfte
somit unwahrscheinlich sein, dass ich diese Eigenbedarfsklausel durchsetzen kann, denn dann entgehen der Steuer 105.000.- , oder steht einem das verbindlich zu? Ich brauche eben zeitnah kon-
krete Info, woran ich bin, denn meine Whg. ist zum 31.05. gekündigt, das müsste ich dann zurückziehen.



Antwort geschrieben am 30.04.2012 09:24:44
Marlies Zerban
Binger Str. 51, 55218 Ingelheim, Tel: 06132 78684-0, Fax: 06132 78684-29
Steuerberatung
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Sehr geehrter Fragesteller,

ich beantworte gerne Ihre Fragen im Rahmen einer Erstberatung unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den Vorgaben dieser Plattform.

Als Kind können Sie bei Selbstnutzung die Steuerbefreiung in Anspruch nehmen, das Gesetz schreibt nicht vor, dass Sie nicht das wertvollste Haus nutzen dürfen.

Allerdings ist Voraussetzung, dass die selbstgenutzte Wohnfläche nicht mehr als 200 qm hat, der Vater selbst dieses Haus genutzt hatte und Sie auch zeitnah nach dem Antritt des Erbes die Selbstnutzung vornehmen.War der Vater ein Pflegefall und lebte nicht mehr in dem Haus, so reicht es aus, wenn er zuvor dort wohnte.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen ersten Überblick verschaffen. Für eine Nachfrage oder auch eine weitergehende Beratung stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Marlies Zerban
Rechtsanwältin
Steuerberaterin




§ 13 Abs. 1 Nr. 4c ErbStG

Der Erwerb von Todes wegen des Eigentums oder Miteigentums an einem im Inland oder in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder einem Staat des Europäischen Wirtschaftsraums belegenen bebauten Grundstück im Sinne des § 181 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 des Bewertungsgesetzes durch Kinder im Sinne der Steuerklasse I Nr. 2 und der Kinder verstorbener Kinder im Sinne der Steuerklasse I Nr. 2, soweit der Erblasser darin bis zum Erbfall eine Wohnung zu eigenen Wohnzwecken genutzt hat oder bei der er aus zwingenden Gründen an einer Selbstnutzung zu eigenen Wohnzwecken gehindert war, die beim Erwerber unverzüglich zur Selbstnutzung zu eigenen Wohnzwecken bestimmt ist (Familienheim) und soweit die Wohnfläche der Wohnung 200 Quadratmeter nicht übersteigt.


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