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Frage geschrieben am 03.03.2014 12:54:51

Betreff: Gesellschafterdarlehen oder Kapitalrücklage


Rechtsgebiet: Kapitalgesellschaften
Einsatz: € 50.00
Status: Beantwortet
Guten Tag,

ich bin alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer einer kleinen deutschen GmbH. Mein Wohnsitz ist Deutschland.

Geschäftszweck dieser GmbH ist das Erwerben, Halten und Veräußern von Beteiligungen an anderen Kapital- und Personengesellschaften.

Meiner GmbH habe ich einige Gesellschafterdarlehen gegeben, um ihr Kapital für den Erwerb von Beteiligungen zur Verfügung zu stellen.

Wichtig: meine GmbH ist quasi eine One-Man-Show ohne sonstige Fremdkapitalgeber oder Gläubiger, sämtliche Rechnungen werden zeitnah beglichen, es handelt sich quasi um ein passives Vehikel zum Halten von Beteiligungen.

Auf der Ebene meiner GmbH fallen für diese Gesellschafterdarlehen nun Zinsen an, die dort eine Betriebsausgabe darstellen.

Auf meiner privaten Ebene entstehen hingegen Zinseinkünfte aus diesen Gesellschafterdarlehen, die steuerpflichtig sind und zu einem Abfluß von Liquidität auf meiner privaten Ebene an das Finanzamt führen.

Ich überlege jetzt, meiner GmbH statt Gesellschafterdarlehen einfach Kapital via Zuführung in die Kapitalrücklage nach HGB §272 (2) Absatz 4 zuzuführen, damit auf meiner privaten Ebene keine Steuern auf die Zinsen aus den Gesellschafterdarlehen mehr anfallen.

Fragen hierzu:

1. Kann Kapital, welches ich meiner GmbH nach HGB §272 (2) Absatz 4 zuführe zu einem späteren Zeitpunkt wieder problemlos entnommen werden?

2. Können meine vorhandenen Gesellschafterdarlehen nach HGB §272 (2) Absatz 4 in Kapitalrücklagen gewandet werden (Annahme: Darlehen sind werthaltig, GmbH steht finanziell auf sicheren Beinen)?


Antwort geschrieben am 03.03.2014 14:24:01
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
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Sehr geehrter Fragesteller,

im Rahmen einer Erstberatung und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Wenn ich Ihre Schilderung richtig verstehe, hat Ihre GmbH in der Vergangenheit liquide Mittel zum Erwerb von Umlaufvermögen benötigt. Dieses Kapital haben Sie im Wege von Gesellschafterdarlehn Ihrer GmbH zur Verfügung gestellt. Sie empfinden die Situation eher als unbefriedigend, weil Sie einerseits die Zinsen bei der GmbH als Betriebsausgaben Körperschaft- und Gewerbesteuermindernd sehen, in Ihrem Privatbereich aber eine Einkommensteuerbelastung, die Liquidität fordert.

Das bedeutet im Schluß, dass möglicherweise Ihre GmbH keine der o. g. Steuern zahlen muß, wegen möglicher Verlustvorträge. Sonst wäre ja die Steuerbelastung inkl. der Ausschüttung bei der GmbH nahezu gleich hoch wie der Höchststeuersatz bei der Einkommensteuer.

Wenn dem nicht so ist, können wir das gerne über die kostenlose Nachfrage noch einmal klären. Nun aber zu Ihren konkreten Fragen:

Frage 1. Kann Kapital, welches ich meiner GmbH nach HGB §272 (2) Absatz 4 zuführe zu einem späteren Zeitpunkt wieder problemlos entnommen werden?

Antwort: Frei verfügbare Rücklagen im Sinne der Vorschrift des § 268 (8) HGB sind zum einen Gewinnrücklagen, die weder gesetzlich noch gesellschaftsvertraglich verwendungsbeschränkt sind. Frei verfügbar sind weiterhin die Kapitalrücklagen, die aufgrund von sonstigen Zuzahlungen (§ 272 Abs. 2 Nr. 4 HGB) entstanden sind.

Frage 2. Können meine vorhandenen Gesellschafterdarlehen nach HGB §272 (2) Absatz 4 in Kapitalrücklagen gewandelt werden (Annahme: Darlehen sind werthaltig, GmbH steht finanziell auf sicheren Beinen)?

Antwort: Es geht im § 272 HGB um das Eigenkapital einer Kapitalgesellschaft

§ 272 (2) HGB sagt:

(2) Als Kapitalrücklage sind auszuweisen

............
4. der Betrag von anderen Zuzahlungen, die Gesellschafter in das Eigenkapital leisten.

Es handelt sich hierbei um Finanzierungsmittel, von außerhalb der GmbH. Wenn Sie schreiben, dass Ihre Gesellschafterdarlehn werthaltig und nicht kapitalersetzend waren, ausserdem auch kein qualifizierter Rangrücktritt vorliegt, habe ich eigentlich keine Bedenken, diese umzuwandeln und in einer freie Rücklage gem. § 272 (2) Abs. 4 HGB auszuweisen. Um jedoch künftigen Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen, würde ich besser den Weg der Rückzahlung der Dafrlehn und unmittelbar darauf die Wiederzuführung gem. § 272 (2) 4 HGB wählen.

Wenn es keine haftungsrechtlichen Bedenken Ihrerseits gibt, sprechen Sie doch einmal mit Ihrem Notar über die Rückzahlung Ihrer Gesellschafterdarlehn und einer anschließenden Stammkapitalerhöhung.

Ich hoffe Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte gerne die Nachfragefunktion.


Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld
Telefon (0521) 92420-0
E-mail: info@ingo-kneisel.de
Internet: www.ingo-kneisel.de


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