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Frage geschrieben am 27.08.2013 18:00:32

Betreff: GmbH&Co.KG renoviert EFH in Sonderbetriebsvermögen. Betriebsausgabe oder AfA?


Rechtsgebiet: Steuerrecht
Einsatz: € 100.00
Status: Beantwortet
Kommanditist erwirbt privat 2011 ein EFHund das ist in einem so sehr heruntergekommenen Zustand dass eine Weitervermietung an Privatpersonen nicht möglich ist. Der Kommanditist vermietet also das Haus 6 Monate später an seine GmbH & Co.KG die sowohl die Mittel als auch das Wissen für die Herstellung eines Bewohnbaren Zustandes besitzt. Das Unternehmen möchte es danach an privat vermieten Es ist also ein Notwendiges Sonderbetriebsvermögen I entstanden. Die GmbH & Co.KG renoviert das Haus in den weiteren 6 Monaten um es zu möglichst hohem Preis vermieten zu können.
Frage; sind die Kosten für die Materialbeschaffung wie Farbe, Laminat, Fliesen für Bäder, Spachtel, Fenster, Außenputz, Rigips und Zusatzmaterialien einfach Betriebsausgabe oder muss man befürchten dass diese Kosten als Anschaffungsnahe Herstellungskosten vom Finanzamt bewertet werden? Kann das Unternehmen die MwSt aus dem Kauf dieser Baustoffe als Vorsteuer geltend machen?
Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus


Antwort geschrieben am 27.08.2013 19:06:35
MScBM Ralf Wittrock
Scharnhorststraße 14, 48151 Münster, Tel: 0251 20318118, Fax: 032 121277650
Steuerberatung
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Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich Ihre Frage im Rahmen einer Erstberatung unter Berücksichtigung der Vorgaben dieser Plattform und Ihres Einsatzes.

Zunächst zur Umsatzsteuerlichen Einordnung: Die Vorsteuerbehafteten Aufwendungen stehen in Zusammenhang mit der (künftigen) Erzielung von Umsatzsteuerbefreiten Ausgangsumsätzen. Diese steuerfreien Vermietungsumsätze schließen den Vorsteuerabzug aus. Im Klartext: Für die beschriebenen Maßnahmen können Sie die Mehrwertsteuer nicht als Vorsteuer geltend machen.
Eine Ausnahme wäre nur gegeben, wenn Sie bei der Vermietung zur Umsatzsteuer optieren würden. Da Sie an privat vermieten möchten, wird dies normalerweise nicht infrage kommen.

Zur Ertragsteuerlichen Einordnung: Mit der Einlage in das Sonderbetriebsvermögen des Gesellschafters X bei der KG ist das Haus ganz allgemein zu Betriebsvermögen der KG geworden. Die Sonderbilanzen bilden bei einer Mitunternehmerschaft (sprich: KG) zusammen mit der Gesamthandsbilanz der Gesellschaft die Gesamtbilanz der Mitunternehmerschaft. Für die Beurteilung der Anschaffungsnahen Herstellungskosten ist das Gebäude daher grundsätzlich genauso zu behandeln wie ein Gebäude des Gesamthandsvermögens.
Das Rechtsinstitut der Anschaffungsnahen Herstellungskosten ist seit einigen Jahren in § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG gesetzlich geregelt. Danach sind Anschaffungsnahe Herstellungskosten innerhalb von drei Jahres nach Anschaffung des Gebäudes gegeben, wenn die Aufwendungen (ohne Umsatzsteuer) insgesamt 15 % der Anschaffungskosten übersteigen. Fraglich ist bei der Auslegung der Vorschrift, ob die Anschaffung des Gesellschafters im Jahr 2011 der KG zuzurechnen ist oder ob der Anschaffungszeitpunkt zum Zeitpunkt der Einlage gegeben ist. Dies ist meines Wissens nicht ganz geklärt. Ich würde allerdings annehmen, dass hier ein normspezifischer Anschaffungsbegriff anzuwenden ist, was im Ergebnis bedeutet, dass der Anschaffungszeitpunkt im Zeitpunkt der Einlage in das Sonderbetriebsvermögens liegt (Korn, EStG, § 6, Rz. 58).
Die einfache Antwort lautet demnach: Sie müssen auf jeden Fall damit rechnen, dass in dem geschilderten Fall anschaffungsnahe Herstellungskosten entstehen. Allerdings kann man durchaus auch dagegen argumentieren, so ganz eindeutig ist dies nämlich nicht.

Ich hoffe, Ihre Frage zu Ihrer Zufriedenheit und verständlich beantwortet zu haben. Wenn noch Unklarheiten bestehen oder Sie weitere Hinweise benötigen, nutzen Sie bitte die Nachfragefunktion.

Freundliche Grüße,
Ralf Wittrock, MScBM
Steuerberater

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