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Frage geschrieben am 22.07.2014 20:10:37

Betreff: Haus von Onkel als Schenkung oder besser kaufen


Rechtsgebiet: Schenkungssteuer
Einsatz: € 75.00
Status: Beantwortet
Guten Abend,

ich schildere kurz den Sachverhalt:

Ein Mehrfamilen Haus gehört einer Erbengemeinschaft, die aus meinem Onkel und meinem Vater bestehen.

Mein Vater möchte mir jetzt seinen Anteil schenken.
Mein Onkel auch, aber das ist die Frage nach der Schenkungssteuer?

Das Haus ist 200.000€ Wert (aktuelle Bewertung liegt vor)
hinsichtlich der Schenkungssteuer von meinem Vater ja kein Problem.
Aber mein Onkel kann mir nur die 20.000€ Freibetrag schenken und dann fallen ja wohl 30% auf 70.000€ an.

Ich würde es dann lieber von meinem Onkel kaufen, statt das Geld dem Staat zu schenken.

Wenn mein Onkel mir 20.000€ schenken würde und ich den Rest dann für Betrag zum Beispiel von 30.000€ kaufen würde. Funktioniert das?
Und kann ich es ihm auf Raten abkaufen oder muss der Betrag sofort fließen?

Vielen Dank im Voraus

D.W.


Antwort geschrieben am 22.07.2014 22:11:45
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
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Sehr geehrter Fragestellerin,

im Rahmen einer Erstberatung und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes sehr gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Sie haben bereits völlig richtig erkannt, dass die Schenkung an Sie durch den Bruder Ihres Vaters (Onkel) gem. Par. 15 ErbStG in Steuerklasse II und hier die Nr. 3, "Abkömmlinge ersten Grades von Geschwistern" einzuordnen ist.

Gem. § 19 ErbStG beträgt die Steuer in Ihrem Falle 15%. Gem. Par. 16 ErbStG gibt es für Personen der Steuerklasse II alle 10 Jahre einen Freibetrag in Höhe von 20 000 Euro.

Ich vermute, dass Sie bei Ihrer Berechnung (70.000€) davon ausgehen, dass § 13c ErbStG auf das Haus zutrifft. Hier wird ein Abschlag von 10 % vorgenommen, wenn das Haus zu Wohnzwecken vermietetet wird.

Die Rechnung wäre dann 100.000,--€ x 90%=90.000,--€. Dieser Betrag vermindert um 20.000,--€ ergeben dann die von Ihnen erwähnten 70.000,--€.

Allerdings ist mir nicht klar, wie Sie auf 30% kommen. Der aktuelle Steuersatz in Ihrem Falle läge bis 75.000,--€ bei den beschriebenen 15%.

§ 19 ErbStG regelt wie schon gesagt die Steuersätze. Vermutlich haben Sie die 30% aus einem alten Gesetz. Bis 75.000,--€ beträgt der Steuersatz 15 %, also 10.500,--€.

Selbstverständlich können Sie die Hälfte des Hauses von Ihrem Onkel kaufen, z. B. für 100.000,--€, zahlen ratenweise nur 80.000,--€ zurück, weil Ihr Onkel Ihnen die ersten 20.000,-- erlassen hat (Schenkung 20.000,--€) Ich weiß nicht wie alt Ihr Onkel ist, er könnte Ihnen z. B. alle 10 Jahre 20.000,--€ schenken.

Es fiele nun aber Grunderwerbsteuer an. Einen niedrigeren Wert ( 30.000,--€) zu wählen, macht bestimmt Probleme mit dem Finanzamt.

Wenn juristisch eine Adoption (Ihr Onkel adoptiert Sie) möglich ist, wäre dann der Freibetrag in Höhe von 400.000,--€ zu gewähren. Es würde weder Schenkungsteuer noch Grunderwerbsteuer anfallen. Da es jetzt aber viele neue zivilrechtliche Probleme gibt, geht m. E. eine Adoption ohne juristischen Rat nicht. Was eine Adoption kostet weiß ich leider nicht.

Ich hoffe Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte gerne die Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

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