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Frage geschrieben am 21.05.2014 15:11:09

Betreff: Homeoffice Internetkosten und Elster und Co


Rechtsgebiet: Unternehmenssteuern
Einsatz: € 25.00
Status: Beantwortet
Hallo.

Ich habe vor 1 Woche ein Gewerbe (Programmierer) angemeldet und gestern den steuerliche Erfassungsbogen abgegeben. Ein Steuerberater, den ich aufgesucht habe, hat mir Kosten von mtl. 125€/mtl + 200€Startgebühr + 920€ für Jahresabschluss vorgeschlagen, was für mich etwas viel erscheint, da ich ihm auch gesagt hatte, dass ich max. 3 Rechnungen im Monat schreiben werde. Vielleicht ändere ich meine Meinung 2015...

Ich werde im Homeoffice arbeiten und habe diesbzgl. 2 Fragen.

Ich kriege selten Kundenbesuche. Zu 98% meiner Kunden (Europaweit) habe ich aussschliesslich Mail- und Telefonkontakt.

Meine Wohnung ist 54qm. Ich habe 2 Zimmer DB+Balkon und zahle warm 515€ +35€ Strom. Ich würde gern meinen Homeoffice (20.2qm) plus Internetkosten (30€/mtl) und Telefonkosten (sipgate: ca 20€/mtl) steuerlich geltend machen. Bei den Telefonkosten kann ich die 100% geschäftliche Nutzung per Einzelverbindungsnachweis vorlegen. Beim Internet ist es etwas schwierig, da ich FLAT bezahle.

Meine Fragen:
1. Welcher Weg wäre besser für mich. Homeoffice komplett absetzen oder die 1250€ anwenden. Rein rechnerich ist die Antwort natürlich klar, jedoch habe ich oft gelesen, dass das FA auch z.B. guckt, ob der restliche Wohnraum fürs Leben geeignet ist und im Verhältnis steht. Regeln hierfür habe ich keine gefunden.
2. Wie würde ich meine Internet u. Telefonkosten (anteilig) bei der Umsatzsteueranmeldung geltend machen können? Gibts hierfür beim Elster Formular Felder, wo ich z.B. Anteilig "50% von 30€ = 15€" für Internetkosten eintragen kann?


Antwort geschrieben am 21.05.2014 16:07:58
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
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Sehr geehrter Fragesteller,

im Rahmen einer Erstberatung und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Zu der Entscheidung des Kollegen über die Höhe seines Honorars kann ich selbstverständlich keine Aussagen treffen, weil dass seine ureigenste Ermessenentscheidung ist.

Allgemein:

Es gibt eine Steuerberatervergütungsverordnung, nach der die Gebühren festgelegt werden. Bezüglich der Buchführung ist hier § 33 StBVV einschlägig. Es wird als Gegenstandswert der Jahresumsatz herangezogen. Ein Mittelwert (2/10-12/10) läge bei 7/10. Insoweit läge ein Durchschnittshonorar bei einem geschätztem Jahresumsatz bis 125.000,-- € bei 123,20 €, bis 62.500,-- € bei 85,40 €, bis 30.000,-- € bei 63,70 € monatlich. Für das Einrichten der Buchführung ist § 32 StBVV einschlägig. Hier darf der Steuerberater seinen Zeitaufwand berechnen. Der beträgt 60-140 € /Std. Bei einem Satz von 60,-- € für Buchführungstätigkeiten wäre der Aufwand für das Einrichten der Buchführung mit gut 3 Stunden kalkuliert. Die Kosten für die Erstellung eines Jahresabschlusses (Einnahme/Überschussrechnung) richtet sich nach § 25 StBVV. Der Mittelwert beträgt hier 12,5/10 (5/10-20/10). Gegenstandswert ist der höhere Betrag, der sich aus den Umsätzen oder den Betriebsausgaben ergibt. Das hat den Hintergrund, dass auch bei Verlusten der Steuerberater ein Honorar erhält. Diese Gebühr ist eng verknüpft mit der Buchführungsgebühr und beträgt bei 125.000,-- € 445,-- €, bei 62.500,-- € 318,75 € und bei 30.000,-- € 226,25 €. Hinzu kommen noch die Kosten der Steuererklärungen.

Aufwendungen für ein Arbeitszimmer können Sie unbegrenzt als Betriebsausgaben geltend machen, wenn es den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen Tätigkeit bildet. Es wird ein Betrag von 1.250,00 € anerkannt, wenn für die betrieblichen Tätigkeiten kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, z. B. bei Arbeitnehmern. Das häusliche Arbeitszimmer wird steuerlich nicht anerkannt, wenn Ihre Wohnung und das Arbeitszimmer räumlich nicht getrennt sind und Ihnen ein ausreichendes Raumangebot für die private Nutzung fehlt. Das können Sie jetzt selbst entscheiden. Wenn Sie Ihr Wohnzimmer als Wohn/Schlafraum und das 2. Zimmer als AZ nutzen und keine privaten Dinge beinhaltet, müsste das gehen. Bitte legen Sie einmal den Grundriss Ihrer Wohnung Ihrem Steuerberater vor. Die Kosten des Arbeitszimmers wären dann sämtliche damit verbundenen anteiligen Kosten, wie Warmmiete, Strom Gas, Wasser, etc.

Unabhängig davon, ob ein Arbeitszimmer in Ihrem Falle anzuerkennen ist oder nicht, können Sie sämtliche mit dem Betrieb zusammenhängende Kosten als Betriebsausgaben geltend machen. Sie sollten nur den Nachweis erbringen, dass es sich um solche handelt. Liegen gemischte Aufwendungen vor, ist der Abzug grundsätzlich zu versagen, es sei denn, es gibt einen nachvollziehbaren Aufteilungsmaßstab.

Die Umsatzsteuern/Vorsteuern ergeben sich im Ergebnis aus einer Buchführung. Ausfluß derer ist eine Umsatsteuervoranmeldung, die bei Existenzgründern mtl. elektronisch zu übermitteln ist. Ob überhaupt Umsatzsteuer anfällt, richtet sich nach der Beantwortung Ihres Fragebogens, ob Sie als regelbesteuerter (normal) Unternehmer oder als Kleinunternehmer ( § 19 UstG ohne Ust) gelten wollen. Das haben Sie über den Fragebogen selbst gesteuert.

Ich hoffe Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte gerne die Nachfragefunktion.


Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld
Telefon (0521) 92420-0
E-mail: info@ingo-kneisel.de
Internet: www.ingo-kneisel.de



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