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Frage geschrieben am 24.02.2014 21:41:10

Betreff: Hotel als Zwischenwohnung


Rechtsgebiet: Werbungskosten
Einsatz: € 40.00
Status: Beantwortet
Guten Tag,

durch einen Arbeitsplatzwechsel zum 01.04.2012 bin ich von Bochum (elterliche Wohnung) nach Berlin gezogen. Da die Wohnung noch nicht bereitstand, habe ich zeitweilig im Hotel (5 Tage die Woche, unterschiedliche Hotels in Pankow) gewohnt. Am Wochenende bin ich nach Bochum in die elterliche Wohnung gereist.

Da die Arbeit nicht wie erwartet war, habe ich zum 31.05.2012 gekündigt. In die Wohnung in Berlin bin ich somit nie gezogen.

Zur Frage:
1) Wie kann ich die Fahrtkosten (ÖPNV-Ticket-Berlin) von den unterschiedlichen Hotels in Pankow zur Arbeitsstätte Berlin Mitte angeben?

2) Haben Sie Tipps für mich, welche Kosten ich aus dem zweimonatigen Aufenthalt angeben kann?


Vielen lieben Dank im Voraus


Antwort geschrieben am 25.02.2014 08:13:06
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
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Sehr geehrter Fragesteller,


im Rahmen einer Erstberatung und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Das was Sie schildern, sind genau die Geschichten die das Leben schreibt. Ich gehe auf Grund Ihrer Schilderung davon aus, dass Sie ledig sind und bei Ihren Eltern einen eigenen Hausstand hatten. Den neuen Job, den Sie weit entfernt von Ihrem bisherigen Lebensmittelpunkt, Freunden und Familie hatten, haben Sie kurz bevor Sie eine neue Wohnung in Berlin beziehen konnten, noch während der Probezeit gekündigt.

Kernpunkt wird in Ihrem Fall sein, dass Sie zwingend in Ihrem elterlichen Haus einen eigenen Hausstand unterhalten haben müssen, um die Kosten der doppelten Haushaltsführung überhaupt geltend machen zu können. Bei den Fahrten von Berliner Hotels oder Pensionen zum Arbeitsplatz können Sie die normalen Entfernungspauschalen als Werbungskosten geltend machen.

Allgemeines zur doppelten Haushaltsführung:

Ein eigener Hausstand am Ort des Lebensmittelpunkts kann im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung auch dann vorliegen, wenn Sie als Kind eine Wohnung im elterlichen Haus unentgeltlich nutzen dürfen. Das gilt nach der Auffassung des FG Düsseldorf immer dann, wenn Sie am Ort Ihres Lebensmittelpunktes eine eigenständige, den Lebensbedürfnissen entsprechende Wohnung nutzen konnten. Ausschlaggebend war im Urteilsfall, dass der auswärtig arbeitende Sohn ledig und noch ungebundener Berufsanfänger war. Dann bestehen in der Regel die persönlichen Beziehungen noch verstärkt zu Eltern und Freundeskreis in der Heimat. Für diese Annahme spricht, wenn er viele Heimfahrten vorweisen kann und an nahezu jedem Wochenende nach Hause pendelt, um Eltern und Freunde zu treffen.

Es kann von einem eigenem Hausstand ausgegangen werden, wenn die Wohnung einen eigenen abgeschlossenen privaten Bereich hat. Eine fehlende finanzielle Beteiligung an den Kosten für den Unterhalt der Räume spricht nicht gegen eine doppelte Haushaltsführung. Gezahlte Miete und Nebenkosten spielen für den Werbungskostenabzug im Rahmen der doppelten Haushaltsführung nur in Bezug auf die Räume am Beschäftigungsort eine Rolle.

Diese Auffassung eröffnet vielen Familien bestimmte Möglichkeiten. Sie müssen zum Nachweis des Lebensmittelpunktes persönliche Beziehungen nachweisen. Je häufiger Familienheimfahrten stattfinden, umso mehr spricht für den Lebensmittelpunkt in der elterlichen Wohnung. Es liegt aber kein eigener Hausstand vor, wenn Sie in den Haushalt der Eltern eingegliedert sind.

Doppelte Haushaltsführung

Wenn Sie aus beruflichen Gründen einen zweiten Haushalt am Arbeitsort haben, könne Sie Aufwendungen hierfür innerhalb bestimmter Höchstgrenzen im Rahmen der sogenannten doppelten Haushaltsführung geltend machen.

Die wesentlichen Voraussetzungen sind also:

Sie haben einen eigenen Hausstand am Ort, der Ihren Lebensmittelpunkt darstellt und eine Zweitwohnung am Beschäftigungsort, die aus beruflichen Gründen bezogen wurde. Ein eigener Hausstand ist zwingend Voraussetzung. Ein eigener Hausstand setzt eine eingerichtete, den Lebensbedürfnissen entsprechende Wohnung voraus.

Wo ist der Lebensmittelpunkt

Singles haben ihren Lebensmittelpunkt an dem Wohnort, zu dem sie enge persönliche Beziehungen pflegen. Damit der Abzug als Werbungskosten erhalten bleibt, darf der Zweithaushalt am Beschäftigungsort nicht zum neuen Lebensmittelpunkt werden.

Zweitwohnung am Beschäftigungsort

Das Beziehen einer Zweitwohnung ist beruflich veranlasst, wenn eine neue Beschäftigung beginnt. Eine doppelte Haushaltsführung liegt nicht vor, wenn die Tätigkeit am Ort als Dienstreise anzusehen ist. Beides schließt sich aus. Ein gelegentlich angemietetes Zimmer begründet auch keine Zweitwohnung am Beschäftigungsort.

Was ist an Kosten abzugfsfähig bei Vorliegen einer doppelten Haushaltsführung?

Als notwendige Mehraufwendungen wegen einer doppelten Haushaltsführung kommen in Betracht:

Fahrtkosten in tatsächlicher Höhe für die erste und letzte Fahrt. Alternativ können Sie auch die allgemeine Kilometerpauschale in Höhe von 30 Cent absetzen.

Fahrtkosten für eine Heimfahrt pro Woche in Höhe von 30 Cent je Entfernungskilometer. Bei der Reise mit dem Zug, etc. können Sie alternativ auch die tatsächlich entstandenen Kosten absetzen. Beachten Sie, dass Sie die Fahrten generell nachweisen müssen.
Verpflegungskosten und Kosten für die Zweitwohnung wie Miet- oder Übernachtungskosten oder Ausgaben für die Einrichtung in den ersten drei Monaten, sowie Umzugskosten, können Sie in tatsächlicher Höhe absetzen.

Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen.

Für eine Zeit von maximal drei Monate nach dem Einzug am neuen Beschäftigungsort, können Sie Pauschbeträge für Verpflegung von der Steuer absetzen. Für jeden Kalendertag, an dem Sie von Ihrer Wohnung am Lebensmittelpunkt abwesend ist, werden die auch bei Dienstreisen absetzbaren Beträge anerkannt. Dabei ist einzig und allein auf die Dauer der Abwesenheit von der Wohnung am Lebensmittelpunkt abzustellen.

Aufwendungen für die Zweitwohnung

Als Aufwendungen für die Zweitwohnung können Sie die tatsächlichen Kosten absetzen, also z. B. die Miete. Bei den Hotelkosten sind nur die reinen Übernachtungskosten absetzbar. Kosten für das Frühstück werden herausgerechnet. Falls diese Aufwendungen nicht separat ausgewiesen sind, ist eine pauschale Kürzung um 4,80 € vorzunehmen.

Sonderregelung f. Telefonkosten gibt es, wenn Sie einmal ein WE nicht nach Hause fahren können. Wenn Sie eine Flatrate haben, fällt diese Regelung für Sie aus.

Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen für 2012 waren:

über 24 Stunden = 24,-- €, mindestens 14 aber weniger als 24 Stunden = 12,--€ und 8 aber weniger als 14 Stunden 6,--€.

Ich hoffe Ihre Anfrage ausreichend beantwortet und Ihnen einige Tipps zur doppelten Haushaltsführung gegeben zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte die Nachfragefunktion.


Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

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