Diese Seiten wurden archiviert. Eine steuerrechtliche Beratung finden Sie auf den Steuerrecht Seiten von frag-einen-anwalt.de
Frage geschrieben am 15.02.2012 11:16:47

Betreff: Kürzung des Vorwegabzuges (16 % v. Bruttoarbeitslohn)


Rechtsgebiet: Sonderausgaben
Einsatz: € 30.00
Status: Beantwortet
Heute ist der letzte Tag für einen Einspruch gegen meinen Steuerbescheid 2010 und es lässt mir keine Ruhe.......
In 2010 hatte ich folgende Einkünfte:
Abfindung 175.000 Euro
Bruttoarbeitslohn 24.000 Euro = Gesamtbrutto 199.000 Euro
Arbeitslosengeld 23.850 Euro
angemeldete div. Versicherungsbeträge als beschränkt abziehbare Sonderausgaben 6.442 Euro
Die Finanzbehörde kürzt mir den Vorwegabzug obwohl ich von meinem Arbeitgeber keine Zuschüsse zu RV, KV, PV oder ähnlichem erhalten habe.
Ist die Situation, dass ich zusätzlich Arbeitslosengeld bezogen habe, für diesen Abzug entscheidend?? Oder irrt das Finanzamt und mein Einspruch wäre berechtigt??
danke für schnelle und fundierte Beantwortung


Antwort geschrieben am 15.02.2012 14:56:29
Marlies Zerban
Binger Str. 51, 55218 Ingelheim, Tel: 06132 78684-0, Fax: 06132 78684-29
Steuerberatung
Bewertungen: 189 4
RSS-Feed www.frag-einen-steuerprofi.de Antworten von Marlies Zerban als RSS-Feed abonnieren!
Sehr geehrter Fragesteller,

ich beantworte gerne Ihre Fragen im Rahmen einer Erstberatung unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den Vorgaben dieser Plattform.

Die Kürzung des Vorwegabzugs darf nah § 10 Abs. 3 Satz 3 EStG ist nur bei Mandatsträgern, bei Beamten, Soldaten, Geistlichen, etc. und bei sonstigen nicht rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern mit vertraglichen Anwartschaften auf Altersversorgung (GmbH-Geschäftsführer, AG-Vorstand),die in dem betreffenden Jahr eine Berufstätigkeit ausgeübt haben.

Nach dem Sachverhalt kann davon der Fall vorliegen, dass Sie noch Gehalt für eine aktive Tätigkeit bezogen haben.

Sie geben an, dass Sie einen Bruttoarbeitslohn in Höhe von Euro 24.000 erzielt haben. Wenn dies eine Zahlung für die aktive Tätigkeit in 2010 oder eine Nachzahlung für eine frühere aktive Tätigkeit war, kann insoweit der Vorwegabzug gekürzt werden.

Sollte diese Bruttoarbeitslohnzahlung jedoch eine Ruhestandsgeldzahung sein, bei denen der AG keine Sozialversicherungsbeiträge mehr für die Rentenversicherung abführt, darf nach ständiger BFH-Rechtsprechung der Vorwegabzug nicht gekürzt werden.(BFH 11.01.2006,XI R 31/04). So auch BMF- Schreiben IV C 3 S 2222/0910041) vom 13.09.2010, Rz 36 und 37.

Es kommt alos darauf an, wofür der Betrag in Höhe von Euro 24.000 gezahlt wurde.

Sie sollten rein vorsorglich Einspruch (erst einmal ohne Begründung) einlegen, diesen Rechtsbehelf können Sie nach genauerer Prüfung wieder kostenfrei zurücknehmen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen ersten Überblick verschaffen und stehe für eine Nachfrage gerne zur Verfügung.

Ich habe den Gesetzestext für das Jahr 2010 hier abgedruckt.

Mit freundlichen Grüßen

Marlies Zerban
Rechtsanwältin
Steuerberaterin




§ 10 (3) EStG 1Vorsorgeaufwendungen nach Absatz 1 Nummer 2 Satz 2 sind bis zu 20 000 Euro zu berücksichtigen. 2Bei zusammenveranlagten Ehegatten verdoppelt sich der Höchstbetrag. 3Der Höchstbetrag nach Satz 1 oder 2 ist bei Steuerpflichtigen, die
1.
Arbeitnehmer sind und die während des ganzen oder eines Teils des Kalenderjahres
a)
in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungsfrei oder auf Antrag des Arbeitgebers von der Versicherungspflicht befreit waren und denen für den Fall ihres Ausscheidens aus der Beschäftigung auf Grund des Beschäftigungsverhältnisses eine lebenslängliche Versorgung oder an deren Stelle eine Abfindung zusteht oder die in der gesetzlichen Rentenversicherung nachzuversichern sind oder
b)
nicht der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht unterliegen, eine Berufstätigkeit ausgeübt und im Zusammenhang damit auf Grund vertraglicher Vereinbarungen Anwartschaftsrechte auf eine Altersversorgung erworben haben, oder
2.
Einkünfte im Sinne des § 22 Nummer 4 erzielen und die ganz oder teilweise ohne eigene Beitragsleistung einen Anspruch auf Altersversorgung erwerben,
um den Betrag zu kürzen, der, bezogen auf die Einnahmen aus der Tätigkeit, die die Zugehörigkeit zum genannten Personenkreis begründen, dem Gesamtbeitrag (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) zur allgemeinen Rentenversicherung entspricht.