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Frage geschrieben am 05.05.2014 18:15:51

Betreff: Margenbesteuerung und Reverse-Charge-Verfahren


Rechtsgebiet: Umsatzsteuer
Einsatz: € 70.00
Status: Beantwortet
Sehr geehrte Damen und Herren,
als Reiseveranstalter verkaufen wir Pauschalreisen an Endkunden. Hier wenden wir die Margenbesteuerung an und behandeln die Reisevorleistungen umsatzsteuerrechtlich immer als
als Bruttoleistungen.
Nun meine Frage: Müssen Reisevorleistungen, die im EU-Ausland eingekauft werden ausnahmslos immer im Rahmen der Margenbesteuerung mit der deutsche MwSt. von 19% beaufschlagt werden?
Hintergrund: Kleine Incoming-Agenturen im EU-Ausland kennen häufig das Reverse-Charge-Verfahren nicht, und beaufschlagen Ihre Leistungen aus Unkenntnis mit der gültigen MwSt. Ihres entsprechenden EU-Mitgliedstaates. Wir beaufschlagen diese im EU-Ausland eingekaufte Reiseleistungs dann ein weiteres Mal mit der deutschen MwSt. Der Endkunde zahlt also in der Summe dann die 19% MwSt. für das gesamte Reisepaket inklusive unserer Marge + die MwSt. für die Reievorleistung aus dem anderen EU-Mitgliedstaat.


Antwort geschrieben am 07.05.2014 21:51:39
Patrick Färber
Brunnenstr. 31, 79312 Emmendingen, Tel: 0, Fax: 0
Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Unternehmenssteuern, Steuerrecht, Steuerpflicht
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage kann ich auf Basis des von mir wie folgt verstandenen Sachverhalts beantworten:

Sie unterliegen zweifellos der Margenbesteuerung des § 25 UStG, da Sie an private Endkunden im eigenen Namen Reiseleistungen verkaufen und hierfür Reisevorleistungen einkaufen.

Aufgrund dessen können (müssen) Sie die eingekaufte Reisevorleistung im Rahmen einer einheitlichen Leistung, die in DE (Sitz Ihres Unternehmerns) steuerbar ist, margenbesteuern.

Die von Ihnen genannten Reisevorleistungen seien auch solche, die den Reisenden UNMITTELBAR zugute kommen, denn dann sind Sie der Margenbesteuerung zu unterwerfen. Auch sollen keine Reisevorleistungen als EIGENLEISTUNGEN vorliegen (Vorsteuerabzug dann möglich).

Beurteilung

Die umsatzsteuerliche Behandlung der Reisevorleistung ist zunächst separat zu beurteilen.
Es wird sich in der Regel um sonstige Leistungen handeln, die von einem EU-Unternehmer an Sie als einen EU-Unternehmer erbracht wird und daher in DE steuerbar und steuerpflichtig sein wird (Innergemeinschaftliche Dienstleistung, Reverse-Charge-Verfahren), § 3a Abs.2 UStG. Eine abweichende Ortsbestimmung könnte je nach Leistung evt. möglich sein, aber unwahrscheinlich.

Sie müssen die (deutsche) USt des EU-Unternehmers abführen, haben aber selbst wg. § 25 UStG keinen Vorsteuerabzug. Dieser "Bruttobetrag" muss in die Margenbesteuerung einfließen bzw. "alles, was Sie für die Reisevorleistung aufwenden". Im Ergebnis schlagen Sie diese USt als Kostenfaktor Ihrem Endpreis zu und versteuern diesen.
Bei Reiseleistungen, die mit Reisevorleistungen zusammenhängen, die in der EU steuerbar und steuerpflichtig sind, ist § 25 zwingend anwendbar, d.h. diese Reisevorleistungen müssen in die Margenbesteuerung einfliessen.

Umsatzsteuerlich ist es so, daß die EU-Unternehmen eine falsche Rechnung ausstellen (mit dem UStsatz Ihres Landes). Sie sollten also diese Rechnung unbedingt korrigieren lassen. Tun Sie dies nicht, passiert genau das, was Sie in Ihrer Frage beschreiben: Auf den Bruttobetrag (mit ausländischer Steuer) müssen Sie nach § 13b die deutsche USt draufschlagen, da Bemessungsgrundlage der Betrag ist, den der Leistungsempfänger (= Ihr Unternehmen) aufwendet (bezahlt). Der Endkunde ist doppelt belastet.

Mit einer Korrektur der Rechnung (oder mit Bezahlung zunächst des Nettobetrags mit Hinweis auf Korrektur der Rechnung) wird die § 13b USt nur auf den Nettobetrag aufgeschlagen.

Wenn es sich also um eine echte Reisevorleistung iSd § 25 UStG handelt, die im Inland steuerbar und steuerpflichtig ist, aber fälschlicherweise ausländische USt trägt, so haben Sie keine Möglichkeit, diese aus der Margenbesteuerung auszunehmen. Eine Ausnahme sieht das Gesetz nicht vor, da es nicht davon ausgeht, dass falsche Rechnungen gestellt werden.

Ich hoffe, ich konnte Ihrer Frage gerecht werden und eine (zwar nicht positive) praktikable Antwort liefern.

MfG
Patrick Färber, StB

Patrick Färber
Steuerberater
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