Diese Seiten wurden archiviert. Eine steuerrechtliche Beratung finden Sie auf den Steuerrecht Seiten von frag-einen-anwalt.de
Frage geschrieben am 22.07.2014 15:24:33

Betreff: Mehrere Fragen zum Sonderbetriebsvermögen (Büroräume)


Rechtsgebiet: Umsatzsteuer
Einsatz: € 80.00
Status: Beantwortet
Ich habe mehrere Fragen zum Thema Sonderbetriebsvermögen. Vorab ein Paar Eckdaten:
Unternehmer A und B betreiben eine OHG. Die Buchführung ist nach EÜR im Kontenrahmen SKR 04. Die Büroräume befinden sich in einem Haus welches Unternehmer B und Ehefrau C gehört. Diese werden dem Sonderbetriebsvermögen zugerechnet.

1. Ausgaben, welche das ganze Haus betreffen, werden anteilig den Sonderbetriebsausgaben von Unternehmer B zugerechnet. Einige dieser Ausgaben enthalten Vorsteuer. Laut meiner Erinnerung hat ein Mitarbeiter des Finanzamtes zu uns einmal gesagt, das diese Vorsteuer auch anteilig geltend gemacht werden kann, jedoch finde ich online eher gegenteilige Informationen.

2. Durch Renovierungsarbeiten entstandene Kosten sind eindeutig dem Büro zuzuordnen und können zu 100% geltend gemacht werden. Werden diese trotzdem den Sonderbetriebsausgaben von B zugeordnet oder werden diese als reguläre Betriebsausgabe gebucht? In ersterem Fall stellt sich hier auch die gleiche Frage wie bei Punkt 1.

3. Auf das Sonderbetriebsvermögen werden Abschreibungen getätigt, welche je zur Hälfte B und C zugeordnet werden. Werden die Abschreibungen auch den Sonderbetriebsausgaben von B zugeordnet oder regulär gebucht?

4. Für das Sonderbetriebsvermögen führen wir abseits der normalen Buchführung eine Liste mit Ausgaben und Anteilsberechnung und Abschreibungen / Restbuchwert. Nun muss nach einer Anmerkung durch das FA das Sonderbetriebsvermögen auch aktiviert werden. Allerdings nur der Anteil (Grund und Boden sowie Gebäude) von B. Da für C nur der Gebäudeanteil berechnet wird, liegt sie unter der 20'500€ Grenze, daher wird ihr Anteil nicht aktiviert. Frage: Reicht das aus, wenn ich dazu auch nur zusätzliche Aufzeichnungen führe wie oben ausgeführt oder muss ich das buchen? Wenn ja, wie? Ich habe keinerlei Konten für Sonderbetriebsvermögen gefunden.


Antwort geschrieben am 23.07.2014 08:50:27
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
Bewertungen: 67 5
RSS-Feed www.frag-einen-steuerprofi.de Antworten von Ingo Kneisel als RSS-Feed abonnieren!
Sehr geehrter Fragesteller,

im Rahmen einer Erstberatung und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes sehr gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Grundsätzliches zu Ihren folgenden Fragen möchte ich gerne Vorab ausführen:

Ob Sie eine EÜR mit Ihrer OHG erstellen dürfen wäre zu prüfen, da eine OHG meistens ein vollkaufmännisches Gewerbe betreibt. Möglicherweise ist eine Bilanzierung erforderlich.

Das Betriebsvermögen einer Personengesellschaft besteht aus den Wirtschaftsgütern, die zum Gesamthandsvermögen der Mitunternehmer gehören und den Wirtschaftsgüter, die einem oder mehreren Mitunternehmern gehören (Sonderbetriebsvermögen).

Hierbei unterscheidet man das Sonderbetriebsvermögen I und das Sonderbetriebsvermögen II, was aber für die Beantwortung Ihrer Fragen nicht so wichtig ist.

Der Anteil der C ist kein Sonderbetriebsvermögen, da Letztere keine Gesellschafterin der A+B OHG ist. Was bei einem Einzelgewerbetreibenden Betriebsvermögen darstellt, ist bei einer Personengesellschaft in Verbindung mit Eigentum eines der Beteiligten immer Sonderbetriebsvermögen. Mieteinnahmen sind dann z. B. gewerbliche Einnahmen.

Sie fragen 1. an, ob Ausgaben, welche das ganze Haus betreffen, anteilig den Sonderbetriebsausgaben von Unternehmer B zugerechnet. Werden müssen,

Das ist richtig. Diese Ausgaben sind Betriebsausgaben, soweit Sie auf das Büro und den Anteil am Büro des B entfallen. Vorsteuer kann nur dann geltend gemacht werden, wenn die Rechnungen auf B lauten.

Sie fragen 2. an, ob die dem Büro zu 100% zuzuordnenden Kosten auch zu 100% als Sonderbetriebsausgaben geltend gemacht werden können. Ja, aber nur 50% von 100 %, da ja die anderen 50 % C gehören. Bei den Vorsteuern haben Sie das gleiche Spiel wie zu Frage 1.

Sie fragen 3. an, wie Abschreibungen berücksichtigt werden. Das Büro ist zu 50% Sonderbetriebsvermögen. Es ist insoweit auch nur die anteilig auf das Büro zu berechnende AfA zu 50% als Sonderbetriebsausgaben zu berücksichtigen.

Zu 4. ist anzumerken, dass das FA Recht hat. Das Sonderbetriebsvermögen (Ihr Büroanteil inkl. Grund und Boden) muß als Sonderbetriebsvermögen in einer Sonderbilanz/Ergänzungsbilanz aktiviert werden. Der Anteil der C bleibt Privatvermögen.

Sie fragen weiter an, ob es ausreicht, wenn Sie dazu auch nur zusätzliche Aufzeichnungen führen. Ich würde Ihnen raten, für das Sonderbetriebsvermögen und die Erfassung der Sonderbetriebsausgaben eine 2. kleine Buchführung einzurichten. Die betrifft dann nur das Sonderbetriebsvermögen. Die Kontenrahmen SKR 03 und 04 kennen keine extra Bezeichnung für Sonderbetriebsausgaben.

Wenn im Falle der C Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung entstehen, sind diese separat zu ermitteln und zu erklären.

Ich hoffe Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte gerne die Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld
Telefon (0521) 92420-0
E-mail: info@ingo-kneisel.de
Internet: www.ingo-kneisel.de