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Frage geschrieben am 29.07.2014 21:46:29

Betreff: Rechnung Umsatzsteuerfrei


Rechtsgebiet: Buchführung
Einsatz: € 30.00
Status: Beantwortet
Ich habe Provisionszahlung ca. 6 Monate Umsatzsteuerfrei erhalten weil ich versäumt habe dem Provisionzahlenden Unternehmen meine Umsatzsteuernummer mitzuteilen.

Wie muss ich die Rechnung jetzt verbuchen?
Muss mir das Unternehmen die Umsatzsteuer zurückzahlen damit ich die Umsatzsteuer abführen kann oder habe ich pech gehabt und ich muss die Rechnung so verbuchen als ob ich die Umsatzsteuer erhalten hätte.







Antwort geschrieben am 30.07.2014 09:24:06
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
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Sehr geehrter Fragesteller,

im Rahmen einer Erstberatung und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes sehr gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Sie fragen an, wie Sie Provisionszahlung die Sie etwa 6 Monate ohne USt erhalten haben verbuchen sollen.

Hier müssen Sie zunächst klären, ob Sie a) als regelbesteuerter Unternehmer (Normalfall) oder b) als Kleinunternehmer gelten. Schauen Sie mal in den Fragebogen, den Sie nach Ihrer Gewerbeanmeldung dem Finanzamt eingereicht haben, da steht das drin.

Als regelbesteuerter Unternehmer müssen Sie USt in Rechnung stellen, der Kunde muß sie bezahlen. Voraussetzung ist natürlich, dass Ihre Rechnung die Pflichtangaben enthält.

Sollte der Fall a) vorliegen, sollten Sie eine etwa falsch erteilte Rechnung stornieren und eine Berichtigte erstellen. Ihr Kunde muß nun die USt bezahlen, da er jetzt auch den Vorsteuererstattungsanspruch gegenüber dem FA hat. Sie können im Übrigen ebenfalls im Fall a) die Ihnen in Rechnung gestellte USt beim FA zur Vorsteuererstattung beantragen.

Liegt Fall b) vor, dürfen Sie keine USt berechnen, sie müssen "Netto" abrechnen. Sie haben keinen Anspruch auf Vorsteuererstattung.

Sie fragen weiter an, ob das Unternehmen die Umsatzsteuer zahlen muß, damit Sie die Umsatzsteuer abführen können.

Fall a) Das Unternehmen muß die USt zahlen, wenn eine korrekte Rechnung vorliegt.

Fall b) Nein, das Unternehmen kann die USt nicht zahlen, wenn Sie nicht in Rechnung gestellt wurde.

Sie können da eigentlich nichts falsch machen. Entweder Sie sind Kleinunternehmer, dann keine USt oder Sie sind regelbesteuerter Unternehmer, dann mit USt und die einschlägigen Vorschriften des UStG beachten.

Ich gebe Ihnen diese einmal auszugsweise an die Hand:

§ 19 Besteuerung der Kleinunternehmer

(1) Die für Umsätze im Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 geschuldete Umsatzsteuer wird von Unternehmern, die im Inland oder in den in § 1 Abs. 3 bezeichneten Gebieten ansässig sind, nicht erhoben, wenn der in Satz 2 bezeichnete Umsatz zuzüglich der darauf entfallenden Steuer im vorangegangenen Kalenderjahr 17 500 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50 000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird.


§ 14 Ausstellung von Rechnungen

(1) Rechnung ist jedes Dokument, mit dem über eine Lieferung oder sonstige Leistung abgerechnet wird, gleichgültig, wie dieses Dokument im Geschäftsverkehr bezeichnet wird.
(4) Eine Rechnung muss folgende Angaben enthalten:
1.
den vollständigen Namen und die vollständige Anschrift des leistenden Unternehmers und des Leistungsempfängers,
2.
die dem leistenden Unternehmer vom Finanzamt erteilte Steuernummer oder die ihm vom Bundeszentralamt für Steuern erteilte Umsatzsteuer-Identifikationsnummer,
3.
das Ausstellungsdatum,
4.
eine fortlaufende Nummer mit einer oder mehreren Zahlenreihen, die zur Identifizierung der Rechnung vom Rechnungsaussteller einmalig vergeben wird (Rechnungsnummer),
5.
die Menge und die Art (handelsübliche Bezeichnung) der gelieferten Gegenstände oder den Umfang und die Art der sonstigen Leistung,
6.
den Zeitpunkt der Lieferung oder sonstigen Leistung; in den Fällen des Absatzes 5 Satz 1 den Zeitpunkt der Vereinnahmung des Entgelts oder eines Teils des Entgelts, sofern der Zeitpunkt der Vereinnahmung feststeht und nicht mit dem Ausstellungsdatum der Rechnung übereinstimmt,
7.
das nach Steuersätzen und einzelnen Steuerbefreiungen aufgeschlüsselte Entgelt für die Lieferung oder sonstige Leistung (§ 10) sowie jede im Voraus vereinbarte Minderung des Entgelts, sofern sie nicht bereits im Entgelt berücksichtigt ist,
8.
den anzuwendenden Steuersatz sowie den auf das Entgelt entfallenden Steuerbetrag oder im Fall einer Steuerbefreiung einen Hinweis darauf, dass für die Lieferung oder sonstige Leistung eine Steuerbefreiung gilt,
9.
in den Fällen des § 14b Abs. 1 Satz 5 einen Hinweis auf die Aufbewahrungspflicht des Leistungsempfängers und
10.
in den Fällen der Ausstellung der Rechnung durch den Leistungsempfänger oder durch einen von ihm beauftragten Dritten gemäß Absatz 2 Satz 2 die Angabe „Gutschrift".
In den Fällen des § 10 Abs. 5 sind die Nummern 7 und 8 mit der Maßgabe anzuwenden, dass die Bemessungsgrundlage für die Leistung (§ 10 Abs. 4) und der darauf entfallende Steuerbetrag anzugeben sind. Unternehmer, die § 24 Abs. 1 bis 3 anwenden, sind jedoch auch in diesen Fällen nur zur Angabe des Entgelts und des darauf entfallenden Steuerbetrags berechtigt.

Ich hoffe Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte gerne die Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

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