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Frage geschrieben am 04.07.2014 17:41:07

Betreff: Selbstständige Tätigkeit


Rechtsgebiet: Steuererklärung
Einsatz: € 40.00
Status: Beantwortet
Hallo,

ich bin festangestellte Journalistin und habe mich im vergangenen Jahr für 3 Monate beurlauben lassen (gesammelter Urlaub und unbezahlte Zeit), um reisen und darüber berichten zu können. Ich pflegte einen täglichen Blog, kaufte mir diverses Equipment (Computer, Kamera etc.) und berichtet regelmäßig in Tageszeitungen. Das Ganze habe ich beim FA geltend gemacht - und jetzt den Bescheid erhalten, dass

1. die geltend gemachten Aufwendungen in keinem Zusammenhang mit den Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit stehen würden, da die Reise im Urlaub und im unbezahlten Urlaub erfolgte, so dass eine Berücksichtigung gemaß § 9 EStG (?) nicht erfolgen könne.

2. schreibt das Finanzamt: Sollte es sich um vorweggenommene Betriebsausgaben handeln, teilen Sie bitte mit, ab wann Sie Einkünfte aus den Veröffentlichungen erziehlen oder erzielen werden.

Meine Frage nun:

Wie ist das FA zu überzeugen?

Die Reise diente einzig dem Zweck der Berichterstattung. Es gab eine enge Zusammenarbeit mit den Tourismus-Agenturen sowie eine kontinuierliche Berichterstattung - außerdem werden in den Folgemonate weitere Veröffentlichungen folgen.

Was tun?


Antwort geschrieben am 05.07.2014 11:32:06
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
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Sehr geehrter Fragestellerin

im Rahmen einer Erstberatung und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes sehr gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Das ist mal wieder typisch für die Finanzverwaltung. Das Arbeitnehmer aus der freien Wirtschaft auch in Ihrem Urlaub arbeiten ist Beamten fremd. Wichtig ist in Ihrem Falle aufzupassen, dass Sie innerhalb der Rechtsmittelfrist gegen einen möglicherweise vorliegenden Steuerbescheid Einspruch einlegen. Eine Begründung können Sie auch zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.

Prinzipiell ist es aus meiner Sicht irrelevant, zu welchem Zeitpunkt Ihre Ausgaben, die mit Ihren Einkünften aus der angestellten Tätigkeit zusammenhingen, abgeflossen sind. Hierzu sagt § 9 EStG, dass Werbungskosten alle Aufwendungen sind, die zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen dienen und bei der Einkunftsart abzuziehen sind, bei der sie entstehen. Abziehbar sind diese nur dann nicht, wenn sie nicht von den Kosten privater Lebensführung zu trennen sind.

Sie müssen jetzt entscheiden, ob die Aufwendungen für die Anschaffung wie Computer, Kamera etc. mit Ihrer angestellten Tätigkeit im Zusammenhang stehen oder nicht. Sichern oder erhalten Sie durch diese Tätigkeit Ihr Einkommen? Ist das so, liegen selbstverständlich Werbungskosten vor.

Vorweggenommene Betriebsausgaben lägen vor, wenn Sie mit Gewinnerzielungsabsicht Ihre Ausgaben tätigten. Es läge in diesem Falle lediglich eine andere Einkunftsart vor. Wenn Sie freie Journalistin sind, liegen regelmäßig Einkünfte gem. § 18 EStG vor. Hiernach gehören zu den Einkünfte auch die aus einer selbständigen journalistischen Tätigkeit. Gem. § 4 Abs. 4 EStG sind Betriebsausgaben alle Aufwendungen, die durch den Betrieb veranlasst sind.

Eine Gewerbeanmeldung ist m. E. für freie Berufe nicht erforderlich. Sie sollten dem FA dann nur den Nachweis erbringen, dass Einnahmen aus Ihrer freiberuflichen, selbständigen journalistischen Tätigkeiten künftig in Aussicht stehen oder bereits erzielt wurden.

Ich hoffe, Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte gerne die Nachfragefunktion.


Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

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