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Frage geschrieben am 12.06.2014 10:36:55

Betreff: Steuerpflicht nach Umzug nach Italien speziell für Kapitalerträge


Rechtsgebiet: Einkommenssteuer
Einsatz: € 50.00
Status: Beantwortet
Guten Tag,
Ich bin italienischer Staatsbürger und Minderheitengesellschafter einer GmbH mit 25%. Bis zum 30.06. bin ich als geschäftsführender Gesellschafter der GmbH angestellt, wofür ich ein Geschäftsführergehalt erhalte. Zusätzlich schüttet die GmbH einmal quartalsmässig Gewinne aus.

Ich bin alleinstehend (keine Ehefrau/Kinder) und seit 01.06.2014 nach Italien zurückgezogen. Ich habe keine Wohnung bzw. gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland behalten – werde aber ca. alle 3 Monate in Deutschland sein für Gesellschafterversammlungen der GmbH.

Meine Fragen zur allgemeinen Steuerpflicht:
- welche Auswirkungen hat mein Umzug nach Italien auf die Einkommenssteuersteuerpflicht? Wie werde ich 2014 in Deutschland besteuert (unbeschränkt/beschränkt steuerpflichtig?)
- falls ich beschränkt steuerpflichtig bin, wie stelle ich sicher, dass der Fiskus diesen Status (beschränkte Steuerpflicht) anerkennt bzw. muss ich dem Fiskus schon jetzt Meldung darüber machen bzw. welche Nachweise muss ich dafür erbringen?

Meine Fragen speziell zur Besteuerung der Kapitalerträge/Gewinnausschüttungen:
- was muss ich bei der Besteuerung der Kapitalerträge/Gewinnausschüttungen der GmbH beachten, speziell in Bezug auf DBA mit Italien?
- Laut meinem Verständnis steht laut DBA mit Italien dem Quellenstaat Deutschland bei beschränkter Steuerpflicht nur mehr ein Besteuerungsrecht von 15% der Ausschüttung zu. In Höhe der Differenz von 10% zur Kapitalertragssteuer (von 25%) kann auf Antrag eine Entlastung von der deutschen Quellensteuer erfolgen. Würde dies auch für 2014 gelten (bei beschränkter Steuerpflicht?) Wie verhält sich dies für die Ausschüttungen vor meinem Umzug (d.h. vor 01.06) bzw. nach meinem Umzug (nach 01.06)?

Mit freundlichen Grüssen


Antwort geschrieben am 14.06.2014 01:58:15
Patrick Färber
Brunnenstr. 31, 79312 Emmendingen, Tel: 0, Fax: 0
Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Unternehmenssteuern, Steuerrecht, Steuerpflicht
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage kann ich auf Basis Ihrer Sachverhaltsangaben wie folgt beantworten:

- Steuerpflicht

Mit Aufgabe des Wohnsitzes in DE zum 1.6.2014 sind Sie in DE nicht mehr unbeschränkt steuerpflichtig und werden in IT unbeschränkt steuerpflichtig.
Danach sind Sie in DE zusätzlich beschränkt steuerpflichtig bezogen auf Ihre Dividenden und Ihr GF-Gehalt.

Im Jahr des Wegzugs wird nur eine Veranlagung (d.h. das normale ESt-Formular) durchgeführt, in der beide "Perioden" erfasst werden. Im Mantelbogen Z. 96-98 sind Angaben zu machen zum Datum des Wegzugs nach Italien. Sie müssen dem Finanzamt vorher nichts melden. Den Wegzug müssten Sie -falls überhaupt nachgefragt wird- durch den Nachweis der Aufgabe der Wohnung darlegen (Übergabeprotokoll/Verkaufsdatum Eigentum o.ä.). Sie müssen aber nur im Jahr 2014 auch die später in Italien versteuerten Einkünfte in der Steuererklärung eintragen, da diese für die Berechnung des Steuersatzes miteinbezogen werden.

Wenn Sie Ihre Gf-Tätigkeit tatsächlich phyisch in Italien ausüben, so hat für die in Italien gearbeiteten Tage nur Italien das Besteuerungsrecht, die Tage, die in DE geleistet werden, darf DE besteuern. Die GmbH müsste also für die Lohnabrechnung einen Freistellungsauftrag für den Lohnsteuerabzug beim Finanazmt beantragen, damit die Lohnsteuer nicht bzw. nur anteilig abgeführt wird. Deutschland stellt diese Einkünfte durch Progressionsvorbehalt frei (Berücksichtigung beim Steuersatz).

- Kapitalerträge DBA

Bis Juni (= unbeschränkte Steuerpflicht) sind alle Einkünfte inländische: Gehalt = nichtselbständige Tätigkeit, Dividenden = Kapitalerträge, d.h. grds. Abgeltungsteuer, hier ggf. mit Option zum Teileinkünfteverfahren, da Beteiligung mindestens 25%.

Ab Juli (beschränkte Steueerpflicht) ist die Besteuerung durch die Abgeltungsteuer definitiv. Sie sehen richtig, dass DE nur 15% nach DBA einbehalten darf, aber immer 25% einbehalten wird. Die Differenz können Sie sich nach Art. 29 DBA Italien erstatten lassen.

Ggf. könnten Sie nur im Jahr 2014 auch bei beschränkter Steuerpflicht die Option Teileinkünfteverfahren ziehen (falls das für Sie überhaupt interessant ist), da im Jahr eines Wegzugs noch die abgeltende Wirkung der AbgSt beseitigt werden kann. Ab 2015 ist das nicht mehr ohne weiteres möglich. Im Hinblick auf den Progressionsvorbehalt für die GF-Bezüge ist es eher günstig, die Abgeltungsteuer zum Tragen kommen zu lassen, da dann der Progressionsvorbehalt ins Leere geht.

Ich hoffe, ich konnte alle Fragen vollständig beantworten!

MfG Patrick Färber, StB

Patrick Färber
Steuerberater
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