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Frage geschrieben am 07.04.2014 13:02:38

Betreff: Steuerplflicht :Wohnsitze in der Schweiz (1) und im Deutschland (2) / Entsandtstatus


Rechtsgebiet: Steuerrecht
Einsatz: € 30.00
Status: Beantwortet
Guten Tag

Ich habe einen Wohnsitz seit Jahren in der Schweiz und habe dort eine Niederlassungsbewilligung. Eine Schweizer Firma hat mich bei einer deustchen Frima platziert. Somit bin ich vollzeitige Angestellte von der CH Firma im DE seit dem 21Ten Mai und habe den Entsandtsatus von der CH Behörden bekommen. Seit dem 15ten Juli miete ich eine Wohnung im Deutschland und habe somit einen zweiten Wohnsitz im DE anmelden müssen. Ich pendle regelmässig in die Schweiz am Wochenende zurueck.

Ich zahle meinen Steuer in der Schweiz und dachte dass es somit erledigt sein sollte.

Ich habe mich trotzdem bei der Finanzamt im DE gemeldet, um zu wissen und sicher zu sein, ob ich eine Art vereinfachter Steuererklärung abgeben müsste.

Die Sachbearbeiterin hat gemeint, dass ich nach dem deutschen Steuerrecht Steuerpflichtig war, und dass ich mein CH Einkommen im DE versteuern lassen sollte. Es ist nicht meine Verständnis, da ich meine Hauptinteresse in der Schweiz behalte (Pension, Wohnung, Soziale Versicherung, Freunden...). So würde ich anscheinend den schweizerischen Steueramt nach einer Rückerstattung für die für 2013 bezahlte Einkommensteuer fragen müssen.

Meine Frage, ist es rechtlich so, dass ich meinen Lohn aus der Schweiz im DE versteuern lassen muss ?

Danke


Antwort geschrieben am 11.04.2014 20:04:51
Patrick Färber
Brunnenstr. 31, 79312 Emmendingen, Tel: 0, Fax: 0
Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Unternehmenssteuern, Steuerrecht, Steuerpflicht
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Sehr geehrter Fragesteller,

auf Basis Ihrer Angaben kann man die Frage nicht mit 100%-iger Sicherheit beantworten, da die Umstände der Entsendung nicht klar sind. Ich befürchte jedoch, daß das Finanzamt Recht haben könnte. In Ihrem Fall gilt grundsätzlich einmal:

- MIt der Wohnung in DE sind Sie (neben der Schweiz) auch in DE unbeschränkt steuerpflichtig.

- Da Sie angabegemäß Ihren Lebensmittelpunkt schon immer in CH hatten, sind Sie dort "ansässig" iSd Doppelbesteuerungsabkommens (DBA) D-CH

- Nach dem DBA D-CH (und ganz allgemein) gilt aber das Prinzip, daß Sie Ihr Einkommen dort versteuern, wo Sie tätig sind. Da Sie ausschließlich in Deutschland tätig sind, hat auch Deutschland das ausschliessliche Besteuerungsrecht. Die Schweiz kann ggf. Ihr Einkommen "satzbestimmend" berücksichtigen.

- Der Fall eines schweizer Grenzgängers scheint mir auch nicht vorzuliegen, sonst würden Sie arbeitstäglich zu Ihrem Wohnsitz in die CH zurückkehren. Da Sie auskunftsgemäß am Wochenende zurückkehren, scheint die Entfernung für eine Zumutbarkeit der Rückkehr zu sprechen.

Als Ausnahme zum o.g. Grundprinzip ist es im Rahmen einer sog. Entsendung denkbar, dass in Ihrer Konstellation trotzdem die Schweiz Ihr Einkommen besteuert (obwohl Sie in DE tätig sind). Dazu müsste es aber so sein, dass
- Sie sich nicht länger als 183 Tage im Jahr in DE aufhalten UND
- das Gehalt von der Schweizer Firma weiterhin bezahlt wird UND
- das Gehalt auch nicht von einer deutschen Betriebsstätte der Schweizer Firma bezahlt wird.

In Ihrem Fall sind Sie bzw. werden Sie wohl mehr als 183 Tage im Jahr in Deutschland sein, so dass ein Entsendungsfall iS einer Besteuerung in CH wohl nicht vorliegen kann.

Ihre Formulierung "...bei einer deutschen Firma platziert" ist nicht eindeutig. Handelt es sich z.B. um eine Tochtergesellschaft der CH-Firma? Oder ist es eine Art "Arbeitnehmerverleih"?

Wenn das Gehalt über die deutsche Firma abgerechnet wird, dann müsste zwingend Lohnsteuer einbehalten werden. Wenn das Gehalt von der Schweizer Firma bezahlt wird, dann müssten Sie von der schweizer Steuer eigentlich befreit sein und in DE Vorauszahlungen leisten.
Ich empfehle Ihnen dringend, Ihren Status mit Ihrem Schweizer bzw. deutschen Arbeitegeber zu klären, damit festgesetellt werden kann, in welchem Land Sie Steuern zahlen, denn Sie müssen nur in einem von beiden Ländern die Steuern zahlen, nach meiner Einschätzung auf Basis Ihrer Angaben ist das wohl Deutschland.

Ich hoffe, Ihnen auf Basis Ihres Einsatzes einen ersten Überblick gegeben zu haben. Wenden Sie sich am besten an Ihre (beiden) Arbeitgeber zur Klärung der Situation.

Mit freundlichen Grüßen

Patrick Färber
Steuerberater

Patrick Färber
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