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Frage geschrieben am 02.02.2014 19:36:33

Betreff: Umsatssteuerausweis für grenzüberschreitenden Montagen


Rechtsgebiet: Umsatzsteuer
Einsatz: € 60.00
Status: Beantwortet
Guten Tag,folgendes Situation liegt der Frage zu Grunde:
Eine Firma im Ausland(Eu Osteuropa) prodziert Bauelemente und liefert diese im B2B nach Deutschland.Diese Firma sendet auch für die Montage der Elemente eigene Werksmonteure nach Deutschland.
Die Rechnungen für die Bauelemente werden im reverse charge Verfahren netto ausgestellt.Die Montagen werden extra abgerechnet
Können die Rechnungen für die Montagen in Deutschland genauso im reverse charge Verfahren ausgestellt werden,oder muss die osteuropäische Firma dafür eine umsatsteuerliche Registrieung in Deutschland vornehmen und die Rechnungen mit deutscher Umsatzsteuer ausstellen?
Ich bitte um rechtssichere Antwort.
MfG


Antwort geschrieben am 04.02.2014 21:18:37
Patrick Färber
Brunnenstr. 31, 79312 Emmendingen, Tel: 0, Fax: 0
Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Unternehmenssteuern, Steuerrecht, Steuerpflicht
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Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre ergänzenden Sachverhaltsangaben. Auf Basis dieser Angaben kann ich Ihnen wie folgt antworten:

Vertragsgegenstand ist nach meinem Verständnis nicht die reine Produktion/Lieferung, sondern die Lieferung samt Montage. Dabei gehe ich davon aus, dass die Fenster in Häuser/Gebäude von Endkunden eingebaut werden, die im Inland (Deutschland) liegen.

Man muss zunächst entscheiden, ob insgesamt eine einheitliche (Werk)lieferung von Fenstern oder eine Dienstleistung (Einbau von gelieferten Fenstern) vorliegt. Dies bestimmt sich nach der Sicht eines „Durchschnittsverbrauchers":

Nach meinem Verständnis bestellt die deutsche GmbH im Ergebnis „eingebaute Fenster", die in diesem Fall vom Auftraggeber selbst hergestellt werden. Im Vordergrund steht nach meiner Interpretation der Sachverhaltsangaben eine Sonstige Leistung (=Dienstleistung, keine Lieferung). Zum Ergebnis, wenn doch eine Lieferung angenommen wird, siehe unten unter Hinweis.

Umsatzsteuerlich gesprochen liegt eine "sonstige Leistung in Zusammenhang mit einem Grundstück, § 3a Abs. 3 Nr. 1 UStG, vor, d.h. der Ort der Leistung liegt in Deutschland.
Es ist daher richtig, wenn das „Reverse Charge-Verfahren" angewendet wird, und zwar auf Basis von § 13b Abs. 2 Nr. 1 UStG. In der Rechnung ist ein Hinweis auf die Umkehr der Steuerschuldnerschaft nach § 13b Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. Abs. 5 UStG aufzunehmen.

Wichtig ist jedoch, dass keine „B2B-Leistung" im Sinne des § 3a Abs. 2 UStG (= innergemeinschaftliche Dienstleistung). Das bulgarische Unternehmen muss diese Leistungen in Bulgarien nicht in der „Zusammenfassenden Meldung" für EU-Dienstleistungen angeben und das deutsche Unternehmen auch nicht einen gleichlautenden „Erwerb" in seiner Umsatzsteuervoranmeldung erfassen.

Ergebnis: Reverse-Charge ist richtig, Vermerk auf der Rechnung, das Leistungsempfänger (dt. GmbH) die Steuerschuldet nach § 13b Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. Abs. 5 UStG.

Hinweis: Käme man zum Ergebnis, dass nach dem Vertrag und der „Sicht des Verbrauchers" eine Werklieferung vorliegt, so ändert sich am Ergebnis nichts, auch hier kommt letztlich das Reverse-Charge-Verfahren zur Anwendung, d.h. Rechnungsstellung ohne Steuer.

Der Unterschied ist, dass das bulgarische Unternehmen einen Hinweis auf eine steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung auf der Rechnung und die USt-ID-Nr. beider Unternehmen angeben sollte. Diese Lieferung müsste in der o.g. Zusammenfassenden Meldung erklärt werden. Die deutsche GmbH hat dann einen „innergemeinschaftlicher Erwerb" zu erklären und die vom bulgarischen Unternehmen geschuldete Umsatzsteuer in Deutschland abzuführen (=Reverse Charge).

Bei Überschreiten von gewissen Liefergrenzen EUR 500.000 im Jahr kämen zusätzlich Meldepflichten gegenüber dem Bundesamt für Statistik hinzu (sog. Intrastat-Meldung), was bei sonstigen Leistungen nicht der Fall ist.

Wenden Sie sich am besten proaktiv an das zuständige Finanzamt der deutschen GmbH und lassen Sie klären, welche Variante des Reverse-Charge vorliegt (Werklieferung/innergemeinschaftlicher Erwerb oder sonstige Leistung i.Z.m. einem Grundstück im Inland).

Ich hoffe, ich konnte einen Überblick geben.

Mit freundlichen Grüssen
StB Patrick Färber

Patrick Färber
Steuerberater
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