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Frage geschrieben am 13.11.2013 12:48:37

Betreff: Umsatzbesteuerung bei Entnahme eines Arbeitszimmers nach erfolgtem Vorsteuerabzug


Rechtsgebiet: Umsatzsteuer
Einsatz: € 40.00
Status: Beantwortet
Guten Tag,

ich bin freiberuflich tätig. Mein Arbeitszimmer im gemieteten Haus wurde bisher vom Finanzamt durchgehend anerkannt.

Ich habe in früheren Jahren ein Grundstück gekauft und hierauf in 2012 und 2013 ein Haus errichtet, das ebenfalls ein Arbeitszimmer enthält. Nun erwäge ich, die auf die Herstellung des Arbeitszimmers entfallene Vorsteuer anteilig (im Verhältnis der Wohnflächen) in der Umsatzsteuererklärung 2012 und als Ausgabe in der Einkommensteuererklärung 2012 geltend zu machen.

Das Arbeitszimmer wäre damit umsatzsteuerlich in das Betriebsvermögen überführt.

Eine einkommensteuerliche Zuordnung zum Betriebsvermögen wird hingegen nicht stattfinden, da ich gedenke, das Arbeitszimmer an 1 Tag pro Woche (>14%) auch privat zu nutzen; ev. wird auch ein Fernseher im Arbeitszimmer aufgestellt werden. Diese beiden Umstände werden der Zuordnungsfähigkeit des Arbeitszimmers zum notwendigen Betriebsvermögen entgegenstehen (womit eine ev. spätere Privatentnahme einkommensteuerseitig auswirkungslos wäre). Selbstverständlich kann ich dann auch keine Abschreibung oder laufende Betriebskosten (abgesehen vom Vorsteueranteil) bzgl. des Arbeitszimmers geltend machen.

Wenn die (rein) umsatzsteuerliche Zuordnung des Arbeitszimmers zum Betriebsvermögen anerkannt wird, wie verhält es sich dann im Falle der Aufgabe der freiberuflichen Tätigkeit oder eines Hausverkaufs (jeweils vor / nach 10 Jahren)? Ist in diesen Fällen die Entnahme aus dem Betriebsvermögen mit Umsatzsteuer zu belegen und diese an das Finanzamt abzuführen?

Dass innerhalb der ersten 10 Jahre eine Vorsteuerberichtigung nach §15a UStG durchzuführen ist, habe ich verstanden. Aber ist hierüber hinaus auf den Verkaufs- bzw. Entnahmewert eine Umsatzsteuer (fiktiv) zu erheben und abzuführen?

Falls Sie hierüber hinaus Anmerkungen oder Bedenken zu meinem Vorhaben der vorsteuerlichen Absetzung des Arbeitszimmers haben, so wäre ich Ihnen für deren kurze Nennung ebenfalls sehr dankbar.

Anmerkung: Ich habe das BMF-Schreiben (BMF v. 22.09.2008 BStBl 2008 I S. 895) hierzu gelesen, in dem steht, dass Entnahmen von Grundstücken gemäß § 4 Nr. 9 Buchst. a UStG umsatzsteuerfrei sind (vgl. auch Abschnitt 4.9.1. UStAE, Absatz 2, Nr. 6). In der Tat ist beim Erwerb des reinen Grundstücks ja auch keine Vorsteuer angefallen – beim Errichten des Hauses (und seines Arbeitszimmers) hingegen schon, so dass ev. auch die Entnahme sogar nach mehr als 10 Jahren umsatzsteuerliche Konsequenzen hätte?

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre fachkompetente Antwort und verbleibe
Mit freundlichen Grüßen