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Frage geschrieben am 24.04.2014 10:44:01

Betreff: Umsatzsteuer-Voranmeldung


Rechtsgebiet: Umsatzsteuer
Einsatz: € 20.00
Status: Beantwortet


Hallo,

wir haben seit einiger Zeit das Gefühl das die Umsatzsteuer-Voranmeldung von unserem Steuerberater falsch berechnet wird. Hierzu hätten wir einige Fragen, hier im Beispiel
das Monats Februar:

Wir haben für ca. 21000 Euro Eingangs-Rechnungen im Februar gehabt, Wareneinkauf, Post+Dhl-Kosten, Materialkosten etc. Alle mit 19 % MwSt.

Desweiteren haben wir für ca. 28000 Euro Ware verkauft. Alle innerhalb Europa und mit MwSt.

Unser Steuerberater hat hier ca. 1900 Euro Umsatzsteuer-Vorrauszahlung errechnet.

Die Eingangs-Rechnungen haben wir nicht alle im Februar bezahlt, einige sind erst im Monat März fällig. Kann man die Rechnungen die erst im März bezahlt werden auch erst im Monat März bei der Umsatzsteuer geltend machen?

Oder kann ich alle Eingangsrechnungen die im Februar datiert sind auch im Monat Februar geltend machen, auch die die ich erst im März bezahle?

Meiner Meinung müßte so es doch ganz simpel 28000 - 21000 Euro berechnet werden - und dann die 19 % MwSt von dort rausgerechnet werden. Also 1330 Euro.
Oder wird dies anders gerechnet?

Ich habe einige Monate durchgerechnet und komme niemals auf die Beträge die mein Steuerberater errechnet hat.


Antwort geschrieben am 24.04.2014 14:32:15
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
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Sehr geehrter Fragesteller,

im Rahmen einer Erstberatung und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes sehr gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Vertrauen Sie Ihrem Steuerberater, er wird es schon richtig machen. Auch ich habe immer wieder Nachfragen von Mandanten die gerade diese Fragen stellen. Ich will gerne einmal versuchen, Ihnen einige Erläuterungen zu geben:

Umsatzsteuer:

Hier gibt es 2 verschiedene Verfahren, die Umsatzbesteuerung nach vereinnahmten Entgelten und die nach vereinbarten Entgelten. Hier sagt es schon der Begriff, die Steuer wird fällig gem. § 20 UStG auf Antrag nachi "Vereinnahmung" der Entgelte, alternativ gem. § 16 UStG nach Stellung der Rechnung, unabhängig von der Bezahlung.

Vorsteuer:

Gem. § 15 UStG gibt es auch hier 2 Alternativen. Der Abzug ist in dem Voranmeldungszeitraum vorzunehmen in dem die Rechnung vorliegt und die Zahlung geleistet wird oder in dem die Lieferung und die Rechnung vorliegen.

Sie müssen also zunächst erst einmal feststellen, ob Sie nach vereinnahmten oder vereinbarten Entgelten versteuern.

Sodann kann Ihr Steuerberater ja nur buchen, was Sie ihm an Belegen zur Verfügung stellen. Bucht er ausschließlich Zahlungsein- und ausgänge, z. B. Kasse und Bank, verfahren Sie bei der Umsatzsteuer nach dem Schema "vereinnahmte Entgelte".

Nun kann es aber sein, dass er Vorsteuerbeträge nicht zum Abzug anmeldet, da die Rechnung noch nicht bezahlt wurde bzw. diese dem Steuerberater nicht zum Buchen vorlag, da er nur die Bank und Kassenbelege hatte.

Wenn Sie also wollen, dass Vorsteuer gebucht wird, obwohl Sie Ihrem Berater nur die bezahlten Rechnungen zum Buchen geben, müssen Sie diese unbezahlten Rechnungen ebenfalls zwecks Vorsteuerverbuchung dem Berater überlassen.

Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten, warum Ihre Berechnung von der des Steuerberaters abweichen kann. Klären Sie mit ihm wie gebucht werden soll und was für eine Besteuerungsart Sie gewählt haben. Wenn Sie und Ihr Berater alles ganz korrekt buchen, darf es keine rechnerischen Abweichungen mehr geben.

Hier noch einmal auszugsweise die einschlägigen Vorschriften aus dem UStG:

§ 16 Steuerberechnung...
(1) Die Steuer ist, soweit nicht § 20 gilt, nach vereinbarten Entgelten zu berechnen...

§ 20 Berechnung der Steuer nach vereinnahmten Entgelten
Das Finanzamt kann auf Antrag gestatten, dass ein Unternehmer,
1.
dessen Gesamtumsatz (§ 19 Abs. 3) im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 500 000 Euro betragen hat, oder
2.
der von der Verpflichtung, Bücher zu führen und auf Grund jährlicher Bestandsaufnahmen regelmäßig Abschlüsse zu machen, nach § 148 der Abgabenordnung befreit ist, oder
3.
soweit er Umsätze aus einer Tätigkeit als Angehöriger eines freien Berufs im Sinne des § 18 Abs. 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes ausführt,
die Steuer nicht nach den vereinbarten Entgelten (§ 16 Abs. 1 Satz 1), sondern nach den vereinnahmten Entgelten berechnet...

§ 15 Vorsteuerabzug
(1) Der Unternehmer kann die folgenden Vorsteuerbeträge abziehen:
1.
die gesetzlich geschuldete Steuer für Lieferungen und sonstige Leistungen, die von einem anderen Unternehmer für sein Unternehmen ausgeführt worden sind. Die Ausübung des Vorsteuerabzugs setzt voraus, dass der Unternehmer eine nach den §§ 14, 14a ausgestellte Rechnung besitzt. Soweit der gesondert ausgewiesene Steuerbetrag auf eine Zahlung vor Ausführung dieser Umsätze entfällt, ist er bereits abziehbar, wenn die Rechnung vorliegt und die Zahlung geleistet worden ist...

Ich hoffe Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte gerne die Nachfragefunktion.


Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

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