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Frage geschrieben am 18.05.2014 10:45:10

Betreff: Umzug in die Schweiz aber Wohnung bleibt für Freundin


Rechtsgebiet: Lohn, Gehalt
Einsatz: € 70.00
Status: Beantwortet
Guten Tag,

- ich werde ab dem 1.8. Arbeitgeber wechseln und in die Schweiz (Zürich) aus München umziehen. Bin fester Angestellte. Der neue Arbeitgeber ist eine Tochtergesellschaft der Holdinggesellschaft (kontrolliert durch eine lange Kontrollkette). Bin nicht Deutsche, wohne aber 7 Jahre hier.
- Ich besitze nur Lohn aus Nicht-selbstständigearbeit, plus ein kleines Vermögen hier in Deutschland, die durch Abgeltungssteuer besteuert wird (Zinserträge)
- Ich wohnte bisher mit meiner Freundin zusammen, die die Wohnung in Deutschland behalten möchte, da sie erst eine Arbeit in die Schweiz suchen muss, danach zu mir umziehen. Im Moment wollen wir den Mietvertrag nicht anfassen, werde ich aber noch weiter zahlen (der Mietvertrag läuft auf meinem Namen)
- Ich werde nicht mehr als 1-2 Wochenende nach D pendeln, da ich viel mehr arbeite als sie, daher wird sie öfter pendeln als ich.

Frage: habe ich Steuerrisiken? Kann das Finanzamt Steuer auf meinen schweizerischen Lohn zusätzlich verlangen?
Muss ich mich unbedingt abmelden?
Spielen Strom/Telefon usw eine Rolle?
Soll ich auf irgendetwas unbedingt aufpassen? Werde ich die neue zukünftigen Zinserträge in der CH auch in D versteuern lassen?

Vielen Dank


Antwort geschrieben am 18.05.2014 14:04:29
Patrick Färber
Brunnenstr. 31, 79312 Emmendingen, Tel: 0, Fax: 0
Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Unternehmenssteuern, Steuerrecht, Steuerpflicht
Bewertungen: 27 5
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage kann ich auf Basis Ihrer Angaben und im Rahmen einer Erstberatung wie folgt beantworten:

- Da Sie Ihre Wohnung in Deutschland zunächst nicht aufgeben, dies auch nicht nachweisen könnten (keine Kündigung Mietvertrag) und somit noch "Verfügungsmacht" über die Wohnung haben, bleiben Sie steuerlich "unbeschränkt steuerpflichtig" in Deutschland und werden zusätzlich "unbeschränkt steuerpflichtig" in der Schweiz. Das ist aber nicht ganz so schlimm, denn...(siehe nächster Punkt)

- Nach den Regeln des Doppelbesteuerungsabkommens können Ihre in der Schweiz erzielten Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit aber nur von der Schweiz besteuert werden, sofern Sie dort auch physisch nur tätig sind. Damit kann DE Ihre Einkünfte so oder so nicht noch einmal besteuern. Aber...(siehe nächster Punkt)

- (Nur) in dem Jahr des Wegzugs 2014 werden Sie aber in Deutschland Ihre deutschen Einkünfte bis Juli 2014 versteuern und Ihre ab August in der Schweiz erzielten Einkünfte noch "indirekt" über den Steuersatz auch in DE berücksichtigen müssen. Je nach Konstellation kann das zu einer Verringerung der eigentlichen Steuererstattung oder zu einer Erhöhung der Nachzahlung führen (Progressionsvorbehalt). Dies vermeidet man, in dem man immer genau am Jahreswechsel 31.12.2014 umzieht.

- Für den "Übergangszeitraum", in dem die Wohnung in DE aufrechterhalten wird, und Sie durch Besuche am Wochenende eine "ständige Wohnstätte" begründen, könnte ggf. die sog. überdachende Besteuerung greifen (Art. 4 Abs. 3), da Ihr Mittelpunkt der Lebensinteressen mangels Familie in DE wohl eher in der Schweiz liegt. Diese spielt aber nur für Dividenden, ggf. auch für Ihre Zinserträge eine Rolle spielen. Wenn diese jedoch gering sind, sollte das in der Praxis keine Rolle spielen. Finanzämter, die fern von der Schweiz sind, haben in der Regel wenig Kenntnisse über die Besonderheiten des DBA D-CH (Art. 4 Abs. 3 und 4). Mit dem endgültigen Aufgeben der Wohnung hat sich dieses Problem erledigt.

"Muss ich mich abmelden"?

Ja, die Abmeldung ist zu empfehlen, wird aber als alleiniges Nachweiskriterium nicht ausreichen, wenn ein Finanzamt nachfragen würde. Dann wird in der Regel zusätzlich die Kündigung des Mietvertrags oder das Protokoll der Wohnungsübergabe nachgefragt.

"Spielen Strom/Telefon eine Rolle"

Formal gesehen ja, da auch Finanzämter mühelos solche Daten bei den Behörden abfragen können, wenn nachgeforscht wird, ob ein Wohnsitz besteht. Es ist aber wie immer im Leben: Wenn das Finanzamt Ihre Steuererklärung 2014 "durchwinkt", wird keiner danach fragen.

"Sollte ich auf irgendetwas aufpassen?"

Sie sollten in der Lage sein, durch Belege den Nachweis zu führen, dass Sie in DE keinen Anknüpfungspunkt mehr haben. Mögliche Dokumente: Mietvertrag CH, Anmeldung CH, ggf. Verzollungsbelege, wenn Möbel umgezogen werden, Abmeldung Telefon, Zeitung, etc.

"Kapitalerträge in der Zukunft"

Nach Art. 10 DBA hat nur die CH das Besteuerungsrecht auf Kapitalerträge. Sie sollten Ihrer Bank daher die ausländische Adresse mitteilen, damit keine Abgeltungsteuer einbehalten wird. Sofern doch einbehalten wird, können Sie sich diese Steuer zurückerstatten lassen (das alles gilt, wenn Sie keine Wohnung mehr in DE haben.).

Ich hoffe, alle Fragen richtig verstanden und vollständig beantwortet zu haben! Schönen Sonntag!

MfG
Patrick Färber, StB

Patrick Färber
Steuerberater
post@richtig-gegensteuern.de