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Frage geschrieben am 30.06.2014 13:00:06

Betreff: Uni-Kosten ins nächste Jahr schieben?


Rechtsgebiet: Werbungskosten
Einsatz: € 45.00
Status: Beantwortet

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe erhebliche Kosten für mein Studium, und weiß nicht, wo ich diese in meiner persönlichen Steuererklärung angeben soll. Die Rechtslage ändert sich nach dem was ich online lese ständig und alles was ich weiß, ist, dass ich das Ganze anscheinend als Werbekosten angeben sollte und nicht als Sonderausgabe. Wie aber schicke ich die Kosten in das nächste Jahr, damit ich wirklich profitiere.

Hier meine Kerndaten:
- Einkommen ca. 10500 € (500 aus Selbständigkeit mit Kleinunternehmen, 10000 als Angestellter/UG Geschäftsführer)
- Hierauf muss ich bereits aufgrund außergewöhnlicher Belastungen (Gesundheitskosten) keine oder minimal (100 €) Steuern zahlen
- Jetzt kommen aber noch ca. 6600 € Kosten für die Universtität dazu.

Diese Kosten würde ich gerne so ansetzen, dass ich sie in das nächste Jahr schieben kann. Ist das irgendwie möglich? Als Werbekosten oder Sonderausgabe? Was muss ich dabei beachten?

Oder wo müsste ich diese Universitätskosten unterbringen, wenn ich es wenigstens VERSUCHEN WOLLTE? (das Finanzamt kann es dann ja immernoch ablehnen)

vielen Dank!


Antwort geschrieben am 30.06.2014 13:43:06
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
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Sehr geehrter Fragesteller,

im Rahmen einer Erstberatung und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Zunächst erst einmal etwas Allgemeines:

Aus steuerlicher Sicht besteht ein großer Unterschied, ob es sich um Kosten für die Ausbildung oder Fortbildung handelt.

Ausbildungskosten sind, wie Sie bereits richtig erwähnen, nur beschränkt als Sonderausgaben bis zu 6.000,-- € abzugsfähig. Wer sich dagegen weiterbildet, kann seine Ausgaben als Werbungskosten voll absetzen. Ist jedoch die Ausbildung Bestandteil eines Dienstverhältnisses, werden die damit verbundenen Aufwendungen als Werbungskosten definiert und sind somit auch unbegrenzt absetzbar.

Ebenfalls als Werbungskosten voll abzugsfähig sind derartige Kosten, die nach Abschluss einer Erstausbildung oder eines Erststudiums anfallen. Sie müssen also zunächst wissen, das hier die Frage, 1. oder 2. Studium von grundlegender Bedeutung ist. Haben Sie z. B. eine klassische Berufsausbildung und studieren danach, handelt es sich um eine günstige, Werbungskosten verursachende Fort/Weiterbildung.

Die Abgrenzung ist immer etwas schwierig, da in der Praxis die Frage wichtig ist, wann z. B. eine Erstausbildung tatsächlich beendet ist und eventuelle Abschlüsse zu bewerten sind. Also ist es wichtig festzustellen, ob Bildungsaufwendungen als Sonderausgaben oder Werbungskosten abgesetzt werden dürfen, weil Werbungskosten zu steuerlichen Verlusten führen können, die später im Wege des Verlustvortrages mit positiven Einkünften kommender Jahre verrechnet werden können.

Wer sich also in Ausbildung befindet und noch keinen Job oder kleine Einkünfte hat, kann dieses Verfahren nutzen, indem er einen Verlustvortrag später steuermindernd in Abzug bringt. Mit Sonderausgaben funktioniert das nicht, denn die führen nicht zu Verlusten, die in anderen Jahren die Steuerlast senken könnten. Sie könnten also nur dann Ihre Fortbildungskosten „vortragen", wenn es im Jahr der Verausgabung zu einem steuerlich vortragsfähigen Verlust führt. Nach Ihren Beschreibungen sieht das zunächst erst einmal nicht so aus, es sei denn Ihre Kosten übersteigen Ihr anderen Einkünfte.

Es ist zu empfehlen, das Sie bei einem Studium ein Werbungskostenabzug anstreben sollten. Über Ihre Studiumskosten hinaus kommen möglicherweise Kosten für z. B. doppelte Haushaltsführung, Miete, Nebenkosten Einrichtung, etc sowie Fahrtkosten 0,30€/Km in Frage, die Sie absetzen könnten. Bitte prüfen Sie da Ihre Möglichkeiten.

Alle diese Kosten tragen Sie bitte im Formular "Anlage N" ein. Es handelt sich dann um sogenannte "vorweggenommene" Werbungskosten für einen künftigen Job.

Ich hoffe Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte gerne die Nachfragefunktion.


Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld
Telefon (0521) 92420-0
E-mail: info@ingo-kneisel.de
Internet: www.ingo-kneisel.de



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