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Frage geschrieben am 17.05.2014 09:14:34

Betreff: VSt Abzug Arbeitszimmer viermietung an GmbH


Rechtsgebiet: Kapitalgesellschaften
Einsatz: € 50.00
Status: Beantwortet
Hallo,

folgender Hintergrund:

Ich habe ein Haus gebaut.
Mein Arbeitszimmer hat 20 qm, davon wurden im verhältnis VSt gezogen ca 7.000 Euro.
Dies wurde in einer Betriebsprüfung vom FA bestätigt.
Ich möchte nun eine GmbH gründen, dort die Aufwendungen des Arbeitszimmers verbuchen, in zukunft laufen alle Einnahmen über die GmbH.
Wie verhindere ich am besten das ich einen 15a UStg habe, bzw. auch keine Betriebsaufspaltung bekomme und somit im Verkauffall Steuern zahlen muß?

Vermietung an die GmbH mit Option wäre meine Idee?


Antwort geschrieben am 17.05.2014 12:41:18
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
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Sehr geehrter Fragesteller,

im Rahmen einer Erstberatung und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Ertragsteuern:

Sie haben das Problem bereits genau richtig erkannt. Wenn Sie alleiniger Eigentümer des Hauses sind und die Gründung einer Einmann GmbH planen um dann im Anschluss Ihr AZ an diese zu vermieten, liegt eine klassische Betriebsaufspaltung vor, bei der das AZ zu Betriebsvermögen führt, was die Folge hat, dass die stillen Reserven, soweit Sie entstehen für "immer" der Steuer verhaftet bleiben.

Voraussetzungen für eine Betriebsaufspaltung ist nämlich eine sachliche und personelle Verflechtung zwischen dem Besitzunternehmen (AZ) und dem Betriebsunternehmen (GmbH)

Eine sachliche Verflechtung ist bei Ihnen gegeben, da Sie der GmbH das AZ überlassen wollen.

Eine personelle Verflechtung ist gegeben, wenn Sie sowohl das Besitz- als auch das Betriebsunternehmen beherrschen, so dass Sie in beiden Unternehmen einen einheitlichen Geschäfts- und Betätigungswillen durchsetzen können. Die auf beiden Seiten beteiligten Unternehmen müssen also über die Mehrheit der Beteiligung bzw. der Stimmrechte verfügen.

Eine Betriebsaufspaltung können Sie insoweit nur vermeiden, wenn sie die GmbH derart ausgestalten, dass Sie dort nicht mehrheitlich beteiligt- und Ihren Willen durchsetzen können. Aber Vorsicht bei der Beteiligung von nahen Angehörigen. Hier geht der Gesetzgeber möglicherweise trotzdem von einer Beherrschung der GmbH aus, wenn Sie beispielsweise auf die Ehefrau derart Einfluss nehmen können, dass Sie wieder in der Betriebsaufspaltung landen.

Des Weiteren wäre anzumerken, dass es i. S. Ihres AZ auch ohne das vorliegen einer Betriebsaufspaltung eine 10 jährige "Spekulationsfrist" zu beachten gilt, da ein AZ nicht Wohnzwecken dient.

§ 23 EStG sagt, dass private Veräußerungsgeschäfte bei Grundstücken, bei denen der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als zehn Jahre beträgt, zu Einkünften führt. Ausgenommen sind Wirtschaftsgüter, die im Zeitraum zwischen Anschaffung oder Fertigstellung und Veräußerung ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken oder im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurden. Da das bei einem AZ nicht der Fall ist, ist die 10 Jahresfrist von Ihnen zu beachten.

Umsatzsteuer:

Mit der Zuordnung Ihres AZ in Ihr Unternehmensvermögen, haben Sie in jedem Fall einen 10 jährigem Beobachtungszeitraum i. S. d. § 15a UStG ausgelöst, unabhängig davon, ob Sie als Einzelunternehmer oder im Rahmen einer Betriebsaufspaltung umsatzsteuerpflichtige Umsätze damit erzielen.

§ 15a UStG sagt nämlich, dass wenn sich bei einem Grundstück, das nicht nur einmalig zur Ausführung von Umsätzen verwendet wird, innerhalb von 10 Jahren ab dem Zeitpunkt der erstmaligen Verwendung die für den ursprünglichen Vorsteuerabzug maßgebenden Verhältnisse ändern, für jedes Kalenderjahr der Änderung ein Ausgleich durch eine Berichtigung des Abzugs der auf die Anschaffungs- oder Herstellungskosten entfallenden Vorsteuerbeträge vorzunehmen ist. Hier ist also eine zeitanteilige Berichtigung des damaligen Vorsteuerabzuges vorgesehen.

Bei Verkauf / Aufgabe des Unternehmens oder alternativ der Beendigung einer möglichen Betriebsaufspaltung innerhalb des 10 Jahreszeitraumes, wäre somit eine Berichtigung gem. § 15a UStG obligatorisch

Ich hoffe, Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte gerne die Nachfragefunktion.


Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

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