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Frage geschrieben am 29.05.2014 20:19:22

Betreff: Verlustrücktrag - horizontale Verrechnung


Rechtsgebiet: Einkommenssteuer
Einsatz: € 35.00
Status: Beantwortet
Sehr geehrte Damen und Herren,

mich beschäftigt im Moment eine Nachfrage zum Verlustrücktrag nach §10d EStG.
Hintergrund ist, das ich seit 2011 eine eine selbstständige Tätigkeit ausgeübt habe und für den Veranlagungszeitraum 2012 dort einen hohen Gewinn ausweisen konnte.

Außer den Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit hatte ich 2012 keine weiteren Einkünfte.

Im Jahr 2013 habe ich meine Tätigkeit für ein Studium unterbrochen, bzw. nur noch nebenbei weitergeführt, so dass die Einnahmen wie erwartet stark eingebrochen sind und ich für 2013 einen Verlust mittlerer Höhe für die Selbstständigkeit ausweisen kann/muss. Mein damaliger Steuerberater hatte nach Erklärung meiner Lage darauf hingewiesen, dass das Studium durchaus im Rahmen meiner Selbstständigkeit angesiedelt gesehen werden kann, so dass ich dementsprechend auch Aufwendungen für das Studium als Ausgaben angebe, die weiter den Verlust erhöhen.

Nun ist es so, dass ich gleichzeitig für 2013 Einkünfte aus Kapitalerträgen erzielt habe, die nahezu die Buch-Verluste der Selbstständigkeit ausgleichen, so dass ein Verlustrücktrag zwar noch möglich, aber nicht sehr gewinnbringend durchführbar ist.
Nun frage ich mich, ob es unter Umständen möglich ist, rein die Verluste aus der selbstständigen Tätigkeit 2013 mit den Gewinnen aus eben diesem Bereich 2012 "zurückzutragen" (horizontaler Verlustabzug).

Dies würde für mich prinzipiell bedeuten, für 2013 nur den Gewinn aus Kapitalerträgen versteuern zu müssen, der ohnehin unter dem Steuerfreibetrag liegt. Da ich 2012 effektiv dem Grenzsteuersatz unterlag, würde der rückgetragene Verlust aus 2013 dort verrechnet werden und entsprechend eine Steuererstattung erfolgen.

Herzlichen Dank für Ihre Hilfe.


Antwort geschrieben am 29.05.2014 21:03:30
Patrick Färber
Brunnenstr. 31, 79312 Emmendingen, Tel: 0, Fax: 0
Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Unternehmenssteuern, Steuerrecht, Steuerpflicht
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Sehr geehrter Fragesteller,

ich darf Ihre Fragestellung kurz mit fiktiven Zahlen aufgreifen, damit ich vom richtigen Sachverhalt ausgehe:

- In 2012 haben Sie in Anlage S Einkünfte von (z.B.) +30 Geldeinheiten (GE) gehabt und erklärt.

- In 2013 haben Sie durch das Studium weniger Einnahmen gehabt und zusätzlich die Studiumskosten Ihrer Tätigkeit der Anlage S zugeordnet und hierdurch negative Einkünfte von z.B. - 15 GE gehabt.
Gleichzeitig haben Sie positive Einkünfte aus Kapitalvermögen von z.B. + 10 ("nahezu in Höhe des Verlustes aus Anlage S") erzielt.

Sie wollen nun wissen, ob Sie statt einem Betrag von -5 (-15+10) auch nur die -15 GE zurücktragen können.

Antwort:

Zunächst allgemein: NEIN.
§ 10d lässt nicht einen Verlustrücktrag auf Einkunftsebene zu, sondern nur einen "Gesamtbetrag der Einkünfte", der negativ ist. Positive und negative Einkünfte sind zunächst voll miteinander zu verrechnen (§ 2 Abs. 3 EStG).

Hier ist aber zusätzlich zu beachten, daß Einkünfte aus Kapitalvermögen nicht in die allgemeine Verlustverrechnung der Einkünfte einfliessen, sofern diese mit der ABGELTUNGSTEUER zu belegen sind.
Eine Verlustverrechnung würde hier nur eintreten, wenn die Kapitaleinkünfte auf Antrag auch dem individuellen Steuersatz unterworfen wurden. Nach § 32d Abs. 6 hat man ein Wahlrecht, diese Einkünfte nach dem (niedrigeren als 25%) individuellen Steuersatz zu versteuern.

Um also in Ihrem Fall doch die höheren -15 GE aus Anlage S nach 2012 zurückzutragen, müssen Sie sicherstellen, daß Sie Ihre Kapitaleinkünfte auf jeden Fall nach dem Abgeltungsteuersatz versteuern lassen, also keine automatische Günstigerprüfung zulassen. In Ihrem Fall gehe ich tatsächlich davon aus, daß es im Rahmen der automatisch zu führenden Günstigerprüfung nach § 32d Abs. 6 EStG zum Ergebnis käme, daß eine Versteuerung nach individuellen Steuertarif günstiger ist.

Wenn also sichergestellt ist, daß diese Einkünfte dem Abgeltungsteuersatz unterworfen werden und aus der Ermittlung des Gesamtbetrags der Einkünfte herausfallen, dann wäre Ihr Gesamtbetrag der Einkünfte negativ (nur Anlage S mit -15).
Nun ist die Voraussetzung für einen Verlustrücktrag von -15 GE geschaffen.

Dies aber nur in Ihrer speziellen Konstellation. Hätten Sie z.B. positive Einkünfte aus Vermietung von +20 und negative Einkünfte aus Anlage S von -10, so könnten Sie letztere nicht isoliert zurücktragen auf das Vorjahr, um dortige positive EK aus Anlage S zu neutralisieren.

Ich hoffe, ich konnte den Sachverhalt richtig verstehen und die Lösung verständlich darstellen.

Einen schönen Abend wünscht
Patrick Färber, StB

Patrick Färber
Steuerberater
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