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Frage geschrieben am 30.05.2014 00:03:33

Betreff: Verpflegungsmehraufwand Diplomstudium Frankreich 2008-2010


Rechtsgebiet: Werbungskosten
Einsatz: € 30.00
Status: Beantwortet
Hallo,

ich habe 2006 mit meinem Diplomstudium in Deutschland begonnen und war dann 2008-2010 im Rahmen eines Doppeldiplomprogrammes in Frankreich; 2010-2012 habe ich dann wieder in Deutschland studiert.
Als ich 2008 nach Frankreich bin, hatte ich noch keinen Abschluss.

Die Studiengebühren und weitere Kosten hat mein Vater bereits erfolgreich abgesetzt.

Ich habe nun gehört, dass man bei einem Auslandsstudium einen Verpflegungsmehraufwand absetzen kann.

Wäre das in meinem Fall rückwirkend möglich und wenn ja, wie muss ich das angeben? Wie errechnet sich der Mehraufwand?

-- Einsatz geändert am 30.05.2014 11:49:03


Antwort geschrieben am 30.05.2014 12:28:07
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
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Sehr geehrter Fragesteller,

im Rahmen einer Erstberatung und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Zunächst erst einmal Grundsätzliches:

Aus steuerlicher Sicht besteht ein großer Unterschied, ob es sich um Kosten für die Ausbildung oder Fortbildung handelt. Ausbildungskosten sind nur beschränkt als Sonderausgaben bis zu 6.000,-- € abzugsfähig. Wer sich dagegen weiterbildet, kann seine Ausgaben als Werbungskosten voll absetzen. Ist jedoch die Ausbildung Bestandteil eines Dienstverhältnisses, werden die damit verbundenen Aufwendungen als Werbungskosten definiert und sind somit unbegrenzt absetzbar.
Ebenfalls als Werbungskosten voll abzugsfähig sind derartige Kosten, die nach Abschluss einer Erstausbildung oder eines Erststudiums anfallen. Sie schreiben ja, dass Sie ein Doppeldiplomprogramm absolviert haben. Da weiß ich zwar nicht genau was das ist, hört sich aber nach 2. Ausbildung an.

Die Abgrenzung ist immer etwas schwierig, da in der Praxis die Frage wichtig ist, wann z. B. eine Erstausbildung tatsächlich beendet ist und eventuelle Abschlüsse zu bewerten sind. Also ist es wichtig festzustellen, ob Bildungsaufwendungen als Sonderausgaben oder Werbungskosten abgesetzt werden dürfen, weil Werbungskosten zu steuerlichen Verlusten führen können, die später im Wege des Verlustvortrages mit positiven Einkünften kommender Jahre verrechnet werden können.

Wer sich also in Ausbildung befindet und noch keinen Job hat, kann dieses Verfahren nutzen, indem er einen Verlustvortrag später steuermindernd in Abzug bringt. Mit Sonderausgaben funktioniert das nicht, denn die führen nicht zu Verlusten, die in anderen Jahren die Steuerlast senken könnten.

Während eines Auslandstudiums, können Sie erhöhte Verpflegungsaufwendungen anhand der vom BMF vorgegebenen Tagespauschalen steuerlich geltend machen. Das variiert für Frankreich und die einzelnen Regionen stark. Sie müßten sich die amtlichen Tabellen beschaffen.

Hier hat das FG Köln mit Urteil vom 20.6.2012 (Aktenzeichen 4 K 4118/09) bei einem Auslandsstudium in Mexiko zu Gunsten eines Stpfl. entschieden. In diesem Falle legte der ledige Kläger zunächst ein Bachelor-Studium an einer Berufsakademie ab. Sodann war er als Student im Programm „Master of Science in International Management" an einer anderen Schule eingeschrieben.

Es handelte sich um ein zweisemestriges Studienprogramm. Während des ersten Semesters war er von der Schule beurlaubt, um das Studium an der Universität in Mexiko zu absolvieren. Die in Mexiko erbrachten Leistungen wurden vollständig anerkannt und bildeten einen Pflichtteil des Programms. Das zweite Semester wurde an der Schule absolviert. Bei sämtlichen Veranstaltungen während der beiden Semester handelte es sich um Präsenzveranstaltungen. Der Stpfl. machte für die Zeit des Aufenthaltes in Mexiko Verpflegungsmehraufwendungen nach der vorgegebenen Tagespauschale für Reisen nach Mexiko in Höhe von 36 € je Tag geltend.

Das FG bestätigte den Abzug der Verpflegungspauschalen. Zunächst stellte das FG fest, dass es sich bei den durch das Studium entstandenen Kosten um vorweggenommene Werbungskosten handelt, da dem Studium in Mexiko ein anders Studium vorausging. Zwar verfügte der Kläger im Streitfall während seiner Auswärtstätigkeit in Deutschland über keinen eigenen Hausstand. Als Wohnung am Ort seines Lebensmittelpunktes ist im Streitfall aber die Wohnung der Eltern des Klägers anzusehen gewesen. Es stand während des zeitlich begrenzten Aufenthalts in Mexiko fest, dass der Kläger zunächst an diese Wohnung zurückkehren würde, um sodann für die Fortsetzung seines Studiums in D eine Wohnung am Studienort zu suchen.

Der Abzug des Verpflegungsmehraufwands ist allerdings bei längerfristigen Auswärtstätigkeiten auf die ersten drei Monate des Einsatzes an derselben Tätigkeitsstätte beschränkt. Es ist die Frage zu prüfen, ob im Anschluß daran eine doppelte Haushaltsführung vorliegt. Z. B. kann ein Student, der eine Wohnung am Studienort hat und weiterhin auch sein Kinderzimmer bei den Eltern nutzt, Werbungskosten für eine doppelte Haushaltsführung geltend machen. Das gilt jedenfalls dann, wenn der Studienort nicht der Lebensmittelpunkt des Studenten ist. Der BFH entschied, dass ein Student auch die Kosten für eine vorübergehende Unterkunft am Studienort steuerlich geltend machen darf. Das betrifft nicht nur die Kosten für eine eigene Wohnungen, sondern gilt auch z. B. für WG-Zimmer, Wohnheimzimmer, Untermiete, etc..

Wichtig ist jedoch, dass die Unterkunft am Studienort nur vorübergehend und das Zimmer bei den Eltern der Lebensmittelpunkt ist. D. h.: wenn Sie unter der Woche am Studienort wohnen und am Wochenende zu den Eltern nach Hause fahren, können Sie Werbungskosten geltend machen, auch wenn noch kein Einkommen vorliegt. Das Gleiche gilt für die Fahrtkosten.
Wenn ich Ihre Schilderung richtig verstehe, war Ihr letzter Auslandsaufenthalt in 2008. Für das Jahr 2008 können Sie heute leider keine Steuerrerklärung wegen der bereits eingetretenen Festsetzungsverjährung (4 Jahre) mehr abgeben. Bis zum Jahresende wäre das für das Veranlagungsjahr 2010 noch möglich. Bitte prüfen Sie, ob es in 2010 ff Aufwendungen gab, die Sie als Werbungskosten geltend machen könnten. Ich gehe davon aus, dass noch keine Steuerbescheide vorliegen.

Es ist zu empfehlen, das Sie bei einem Studium ein Werbungskostenabzug anstreben sollten. Die Kosten für die doppelte Haushaltsführung, Miete, Nebenkosten Einrichtung, etc sowie Fahrtkosten 0,30€/Km könnten Sie absetzen. Vor diesem Hintergrund empfehle ich Ihnen die Hinzuziehung eines Steuerberaters vor Ort, wenn Sie sich Verlustvorträge bewahren wollen. Bitte prüfen Sie da Ihre Möglichkeiten.

Ich hoffe Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte gerne die Nachfragefunktion.


Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld
Telefon (0521) 92420-0
E-mail: info@ingo-kneisel.de
Internet: www.ingo-kneisel.de



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