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Frage geschrieben am 24.06.2013 15:20:52

Betreff: Verrechnung Ausschüttung mit Termingeschäften


Rechtsgebiet: Kapitalvermögen
Einsatz: € 50.00
Status: Beantwortet
Können Ausschüttungen aus der 100%tig eigenen GmbH - wie bei Aktien-Dividenden - mit Verlusten aus Wertpapier- und Termingeschäften verrechnet werden?

Falls ja, wie verläuft die Verrechnung im Fall der Wahl des Teileinkünfte-Verfahrens? Wird der Verlust um den vollen Ausschüttungsbetrag oder um die 60% gemindert.

Liege ich richtig, dass bei Wahl des Teileinkünfte-Verfahrens Zeile 27 der Anlage KAP 2012 angekreuzt und der volle Betrag (nicht 60%) in Zeile 28 eingetragen wird?

-- Einsatz geändert am 28.06.2013 10:57:10


Antwort geschrieben am 30.06.2013 20:03:26
Patrick Färber
Brunnenstr. 31, 79312 Emmendingen, Tel: 0, Fax: 0
Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Unternehmenssteuern, Steuerrecht, Steuerpflicht
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Frage möchte ich Ihnen gerne auf Basis der vorgegebenen Informationen beantworten. Der Bereich Kapitalvermögen und Abgeltungssteuer ist -entgegen der Absicht des Gesetzgebers- eher komplexer geworden!

Im Bereich der Kapitaleinkünfte gibt es sog. "Verlustverrechnungskreise", wonach nur bestimmte Arten von Gewinnen und Verlusten nur miteinander verrechnet werden dürfen (z.B. Aktienveräußerungsgewinne mit -verlusten).

Außerdem ist zu beachten, dass neben diesen "internen" Verlustverrechnungstöpfen die Einkünfte aus Kapitalvermögen seit Geltung der Abgeltungsteuer (bzw. bei dessen Anwendung) nicht mehr mit anderen Einkunftsarten verrechnet werden dürfen (in denen die individuelle Besteuerung zum Tragen kommt). Besonderheiten gelten schließlich noch bis 2013 für bis 2008 erzielte Verluste aus Spekulationsgeschäften, die nur noch in diesem Zeitraum "verbraucht" werden können. Veräußerungsverluste, die sich nach 2008 gebildet haben, aber auf einer Anschaffung von vor 2009 beziehen, gehen ohne Verrechnungsmöglichkeit unter (im Gegenzug wären Gewinne steuerfrei, sofern die damals noch geltende Spekulationsfrist von 1 Jahr eingehalten ist).

Ich gehe davon aus, dass Sie von aktuell entstandenen Verlusten sprechen. Daher bedeutet das für Ihren Fall:

Richtigerweise können Sie für Dividenden aus "Ihrer" GmbH die Option zur Anwendung des Teileinkünfteverfahrens wählen (Formularstelle zutreffend genannt, Eingabe sollte 100% sein). Dies ist im übrigen häufig (nur) dann sinnvoll, wenn Sie Werbungskosten (z.B. Refinanzierungszinsen für Erwerb Beteiligung) geltend machen wollen, denn Werbungskosten sind ja pauschal nicht mehr abzugsfähig (Ausnahme Sparerpauschbetrag).

(kurzer Exkurs: Beachten Sie hierzu ein neues Finanzgerichtsurteil, in dem ausnahmsweise doch ein Werbungskostenabzug zugelassen wird, wenn die Option zur Veranlagung nach individuellem Steuersatz gewählt wird, wenn dieser geringer als 25%).

Die Anwendung des Teileinkünfteverfahrens führt aber dazu, dass Sie die Dividenden NICHT MEHR mit anderen Verlusten aus Kapitalvermögen (Ausnahem Aktienveräußerungsgewinne-/verluste s.o.). verrechnen können, siehe § 32d Abs. 2 Nr. 3 S. 2 EStG.

Daher sollten Sie in Ihrem Fall eine Vorteilhaftigkeitsanalyse anstellen, ob die Option zum Teileinkünfteverfahren Ihnen mehr Vorteile bringt (Werbungskostenabzug) als der Verzicht darauf, d.h. die Verrechnungsmöglichkeit innerhalb der Kapitaleinkünfte (Verluste mit Dividende).

Ich hoffe ich konnte Ihnen Ihre Frage zufriedenstellend beantworten! Auf Basis Ihrer Angaben kann man keine weiteren Besonderheiten nennen. Ich weise aber darauf hin, dass je nach individueller Verhältnisse weitere Aspekte relevant sein könnten.

Viele Grüße
Patrick Färber
Steuerberater
patrickfaerber@arcor.de

Patrick Färber
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