Diese Seiten wurden archiviert. Eine steuerrechtliche Beratung finden Sie auf den Steuerrecht Seiten von frag-einen-anwalt.de
Frage geschrieben am 26.05.2014 21:27:44

Betreff: Versteuerung der Abfindung


Rechtsgebiet: Lohn, Gehalt
Einsatz: € 40.00
Status: Beantwortet
Sehr geehrte Damen und Herren Steuerberater,

im Okt.2013 wurde ich fristlos gekündigt. Im März 2014 hat das Gericht die Unwirksamkeit der Kündigung entschieden. Der AG mußte mir rückwirkend bis 30.4. die Gehälter ausbezahlen. Darüber hinaus wurde durch Vergleich die Auszahlung einer Abfindung, unter Einhaltung der Kündigungsfrist bis 30.4., beschlossen.
Nun ist mir folgendes unklar: aus programm-technischen Gründen wurde die Lohnsteuer für Okt/Nov./Dez. mit der März '14 Gehaltsab-
rechnung abgezogen. Die Abfindung war im Ausscheidungsmonat April fällig, wurde aber mit der April Gehaltsabrechnung nicht ausbezahlt. Anfang Mai erhielt ich eine Korrektur der April Abrechnung, wo die Abfindung aufgeführt wurde. Angeblich wurde diese nach dem ermäßigten Verfahren versteuert, was ich nicht glaube. Knapp die Hälfte der Abfindung schlug sich in Steuern nieder. Dessen nicht genug, im Mai erhielt ich eine Gehaltsab-rechnung, wo nur die Abfindung aufgeführt ist, keine weiteren Angaben bei Steuern, dafür ein Wechsel von Steuerklasse IV in VI und nochmals ein Abzug von über € 2.000,-. Daraufhin angesprochen, beruhigte mich das Finanzamt mit dem Hinweis, daß zu viel bezahlte Steuern definitiv mit der Einkommens-steuererklärung 2014 erstattet werden.
Mit diesem Argument möchte ich mich jedoch nicht zufrieden geben. Tatsache ist, daß mir zum jetzigen Zeitpunkt ein beträchtlicher Betrag nicht zur Verfügung steht. Das nenne ich einen finanziellen Schaden, der mir entsteht. D.h., bis 2015 stehen mir Entschädigungszinsen zu, ich gewähre somit dem Finanzamt ein zinsloses Darlehen, weil der AG, um sich selber zu schützen, mich zunächst steuerlich unvorteilhaft eingestuft hat.
Frage: Muß ich diese Vorgehensweise dulden/akzeptieren? Kann ich rechtliche Schritte einleiten, um eine Korrektur zu erwirken?
Vielen Dank für Ihre Bemühungen.


Antwort geschrieben am 27.05.2014 07:10:08
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
Bewertungen: 67 5
RSS-Feed www.frag-einen-steuerprofi.de Antworten von Ingo Kneisel als RSS-Feed abonnieren!
Sehr geehrter Fragestellerin,

im Rahmen einer Erstberatung und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Eine Abfindung ist eine Zahlung, die insbesondere für den Verlust des Arbeitsplatzes geleistet wird. Abfindungen beim Ausscheiden aus einem Arbeitsverhältnis sind voll zu versteuern. Da Sie lt. Sachverhalt den Zeitpunkt der Auszahlung und damit auch die Aufspaltung der Abfindungszahlung nicht mehr mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren können, ist dieses Gestaltungsmöglichkeit "gelaufen".

Eine Abfindung ist somit in dem Jahr zu versteuern, in dem sie Ihnen zugeflossen ist. Sie unterliegt als Teil Ihrer Einkünfte der Steuer.

Als steuerliche Tarifermäßigung kommt für Sie eine Ermäßigung im Rahmen der so genannten Fünftelregelung in Betracht. Dabei gilt: Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses muss vom Arbeitgeber veranlasst oder gerichtlich ausgesprochen sein.

In der Sozialversicherung bleiben diese Abfindungszahlungen selbstverständlich beitragsfrei. Dafür kommt eine begünstigte Besteuerung bei der Einkommensteuer in Betracht. Es gibt eine Tarifermäßigung gemäß § 24 Nr. 1a EStG und § 34 Abs. 1 und 2 EStG). Diese sogenannte Fünftelregelung kommt unter folgenden Voraussetzungen zur Anwendung:

Die Abfindung muss eine Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes sein. Sie muss in einer Summe in einem Jahr gezahlt werden. Sie ist also nur tarifbegünstigt im Sinne des § 34 EStG, wenn sie innerhalb eines Jahres gezahlt wird.

Wie Sie beschreiben, scheint es erhebliche Unregelmäßigkeiten bei Ihren Gehaltsabrechnungen seitens Ihres AG gegeben zu haben, worunter u. a. auch die Änderung der Steuerklasse fällt. Vermutlich haben Sie bereits ab 01.05.2014 einen neuen AG.

Ich schlage Ihnen vor, dass Sie mir die in Frage kommenden Gehaltsabrechnungen und die Vereinbarung mit Ihrem ehemaligen AG einmal zwecks Überprüfung zuschicken. Ohne diese gesehen zu haben, sind weitere Aussagen DAZU nicht seriös zu treffen. Wenn Sie das wollen, schicken Sie mir diese Unterlagen bitte per Fax oder Mail.

Ich hoffe, Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte gerne die Nachfragefunktion.


Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld
Telefon (0521) 92420-0 Fax 0521/9242020
E-mail: info@ingo-kneisel.de
Internet: www.ingo-kneisel.de