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Frage geschrieben am 10.06.2014 06:59:53

Betreff: Vorsteuer bei falschem Ausweis / UStSatz Schauspieler


Rechtsgebiet: Umsatzsteuer
Einsatz: € 40.00
Status: Beantwortet
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Schauspieler/Kleinkunstbühnen und trete auch mit "Mitschauspielern" auf der Bühne auf. Ich bin aber dabei Vertragspartner mit den Bühnen.
Diese Fremdschauspieler schreiben mir Rechnung mit gesondertem Steuerausweis. In der Regel berechnen mir diese 7 % für ihre Leistung. Einige haben mir jedoch 19 % in Rechnung gestellt.
Da ich dachte, ich bekomme die Beträge ja als Vorsteuer zurück,
war es mir egal, zumal diese Schauspieler der Ansicht waren es müssen 19 % sein.
Bei einer USt-Sonderprüfung erkennt der Prüfer mir nunmehr diese 19 % nicht an !
Fragen:
Müsste der Prüfer mir nicht zumindest die 7 % anerkennen, oder kann er mir somit den kompletten Abzug verweigern ?
Ist die Leistung des Schauspielers auf der Bühne 7 '% oder 19 % ?
Kann die Rechnung durch den Rechnungsaussteller korrigiert werden ?

Vielen Dank



Antwort geschrieben am 10.06.2014 09:16:34
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
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Sehr geehrter Fragesteller,

im Rahmen einer Erstberatung und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Für die Beantwortung Ihrer Frage ist § 14c UStG einschlägig. Dieser sagt, dass wenn ein Unternehmer in einer Rechnung eine höhere Steuer ausweist, als er schuldet, schuldet er auch den Mehrbetrag. Berichtigt er den Steuerbetrag gegenüber dem Leistungsempfänger, ist zu berichtigen.

Leider ist diese zu hoch ausgewiesene USt nicht als Vorsteuer abziehbar? Nach dem Text des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG kommt ein Vorsteuerabzug nur insoweit in Betracht, als es sich um USt handelt die auch tatsächlich gesetzlich geschuldet wird.

Leider hat der Prüfer Recht. Der Vorsteuerabzug aus der Rechnung ist ausgeschlossen, weil der die Rechnung ausstellende Unternehmer diese unrichtig ausgewiesen hat und die Umsatzsteuer gem. § 14c UStG schuldet.

Ihre Kollegen können jedoch die zu hoch ausgewiesene Steuer Ihnen gegenüber berichtigen (§ 14c Abs. 1 Satz 2 UStG). Zu Unrecht in Rechnung gestellte Steuer kann berichtigt werden, wenn keine Gefährdung des Steueraufkommens gegeben ist. Insoweit wäre dann für Sie die "Kuh" vom Eis und Sie könnten sich bei Vorliegen der berichtigten Rechnung in der nächsten Umsatzsteuervoranmeldung die Vorsteuern wiederholen.

Ich fasse also noch einmal zusammen:

der Rechnungsaussteller muß die Berichtigung bei seinem Finanzamt unter Nennung des Rechnungsempfängers beantragen. Sie dürfen, und das ist ja bei Ihnen nach BP so gelaufen, keine Vorsteuer erstattet bekommen haben und das Finanzamt des Umsatzsteuerzahlers muß seine Zustimmung erteilen.

Das hört sich zunächst schwer an, ist aber mit der Rechnungsberichtigung Ihres Kollegen getan, die er dann entsprechend buchhalterisch erfasst. Storno der alten Rechnung, Buchung der berichtigten Rechnung und niemandem ist ein Schaden entstanden.

Zu Ihrer Frage nach der Höhe des Steuersatzes ist auszuführen, dass dies nicht allgemein beantwortet werden kann, sondern immer im Einzelfall zu prüfen ist. Diese Prüfung fällt aber zugegebener Maßen, je nach dem wen man fragt unterschiedlich aus. Auch manche Finanzämter sind sich da nicht einig.

Soviel aber allgemein trotzdem hier: Künstlerische Darbietungen unterliegen grundsätzlich dem ermäßigten Steuersatz, unterhaltende und werbende Darbietungen, die keine Kunst darstellen, in der Regel 19 %.

Ich hoffe, Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte gerne die Nachfragefunktion.


Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

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