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Frage geschrieben am 23.01.2014 17:08:36

Betreff: Wechsel der Gewinnermittlung von Bilanz zu EÜR


Rechtsgebiet: Buchführung
Einsatz: € 60.00
Status: Beantwortet
Ein Einzelunternehmer hatte seinen Gewinn ursprünglich per EÜR ermittelt.

Im Jahr 1 überschreitet der die Gewinngrenze von 50.000 €. Im Jahr 2 wird er daher aufgefordert zu bilanzieren. So reicht er Anfang des Jahres 3 eine Eröffnungsbilanz ein und ist nun zur Gewinnermittlung per Bilanzierung verpflichtet.

Der Einzelunternehmer ist nun, so weit ich weiß, drei Jahre (also für die Jahre 4, 5 und 6) an diese Gewinnermittlungsart gebunden.

Im Jahr 6, also im dritten Jahr der Bilanzierung, erreicht er einen Bilanzgewinn von unter 50.000 € (durch Verschlechterung der Wirtschaftslage, Reduzierung der Geschäftstätigkeit etc.), liegt also ab diesem Jahr wieder unterhalb der Gewinngrenze, was auch zukünftig so bleiben wird (auch gemäß Ermittlung per EÜR).

Die Fragen:

1) Ab wann kann der Unternehmer seinen Gewinn wieder per EÜR ermitteln und somit freiwillig aus der Bilanzierung aussteigen? Für das Jahr 6 gibt er noch die übliche jährliche Abschlussbilanz beim Finanzamt ab. Kann er sich Anfang des Jahres 7 beim FA melden und sagen, dass er seinen Gewinn nun wieder per EÜR ermittelt, dann ist das Thema Bilanzierung für ihn erledigt? Oder gibt es hier weitere Fristen, die zu beachten sind? Ist die Abschlussbilanz des Jahres 6 die letzte Bilanz, die er einreichen muss und fortan nur noch per EÜR?

3) Gilt als Gewinngrenze im Jahr 6 der Bilanzgewinn, also ermittelt durch Vermögensvergleich? Oder gilt ein in diesem Fall fiktiver EÜR-Gewinn, da ja fortan per EÜR ermittelt wird?

2) Wird der Übergangsgewinn/-verlust durch den Wechsel Bilanz->EÜR im Jahr 8 durch das FA berücksichtigt und ist somit im Jahr 9 fällig?

Ich bitte freundlich um verständliche Formulierungen des Sachverhalts, damit der Unternehmer dies auf seine konkrete Situation anwenden kann.


Antwort geschrieben am 23.01.2014 19:53:51
Patrick Färber
Brunnenstr. 31, 79312 Emmendingen, Tel: 0, Fax: 0
Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Unternehmenssteuern, Steuerrecht, Steuerpflicht
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Sehr geehrter Fragesteller,
Ihre Anfrage kann ich auf Basis Ihrer Angaben wie folgt beantworten:

Bezüglich Ihrer eigenen Ausführungen in der Sachverhaltsdarstellung muss zunächst eine kleine Korrektur vorgenommen werden:
Nach handelsrechtlichen Vorschriften sind Sie (wohl) nicht buchführungspflichtig (geworden), allerdings sprechen Sie die Buchführungspflicht nach Steuerrecht an, die in § 141 AO (Abgabenordnung) geregelt ist.

Frage 1) Umstieg auf EÜR
Nach der von Ihnen zutreffend beschriebenen Bindungsfrist von 3 Jahren bis 06 ist korrekt. Nach § 141 Abs. 2 S. 2 AO ist allerdings zu beachten, dass Sie in Ihrem Fall noch im Jahr 07 bilanzieren müssten, weil die Verpflichtung im Folgewirtschaftsjahr des Wirtschaftsjahres endet, in dem die Finanzverwaltung feststellt, dass die Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind. Das Finanzamt muss aber diese Feststellung durch einen Verwaltungsakt treffen und Sie haben einen Anspruch darauf. Mit Abgabe der Steuererklärung 06 beantragen Sie also die Feststellung, dass die Buchführungspflicht nach Steuerrecht nicht mehr gegeben ist. Die Verpflichtung endet also erst mit Ablauf des Jahres 07. Sie könnten also erst ab 08 auf EÜR umsteigen. Dann beginnt das Spiel wieder von vorne.

Frage 2) (bei Ihnen als 3)) Grenze EUR 50.000,-
Die von Ihnen angesprochen EUR 50.000-Grenze ist der Gewinn aus Gewerbebetrieb (§ 7 GewStG) und somit eine steuerliche Größe. Der Bilanzgewinn ist hingegen eine handelsrechtliche Größe und wird nicht identisch sein. Gewinn aus Gewerbebetrieb das Jahresergebnis der Bilanz vermindert oder erhöht um außerbilanzielle Effekte und nicht abzugsfähige Betriebsausgaben, aber vor den Hinzurechnungen und Kürzungen nach dem GewStG.

Frage 3) (bei Ihnen 2))
Für den nochmaligen Übergang auf EÜR ist wieder eine Gewinnberichtigung durchzuführen. Die Effekte hieraus sind im ersten Jahr nach Übergang zur EÜR zu berücksichtigen und gehen in den Gewinn des Jahres 08. Sie werden in 09 „fällig", sofern damit gemeint ist, dass Sie die Steuererklärungen des Jahres 08 im Jahr 09 einreichen und die Steuern auch zahlen.

Ich hoffe, das war verständlich genug? Bei Rückfragen gerne melden!

Mit freundlichen Grüßen

P. Färber
StB

Patrick Färber
Steuerberater
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