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Frage geschrieben am 03.12.2012 03:05:21

Betreff: Wohne in Frankreich, aber zahle Steuern in Deutschland.


Rechtsgebiet: Steuerpflicht
Einsatz: € 20.00
Status: Beantwortet
Hallo,
Ich bin im Februar 2011 nach Frankreich gezogen und arbeite aber noch in Deutschland. Ich muss vom Finanzamt leider in Deutschland weiter Steuern zahlen, da ich bei einem öffentlichen Träger (Kirche) arbeite. Nun wurde ich aufgefordert eine Einkommenssteuer Erklärung in Frankreich zu machen.
Meine Fragen:
Kann es da nun sein das ich in Frankreich auch noch Steuern zahlen muss?
Hätte ich diese in Deutschland auch machen müssen? Das hab ich nämlich noch nie gemacht?
Wohnsteuerrechnung habe ich bereits erhalten?

Vielen Dank schon mal im Vorraus.


Antwort geschrieben am 07.12.2012 17:47:57
Marlies Zerban
Binger Str. 51, 55218 Ingelheim, Tel: 06132 78684-0, Fax: 06132 78684-29
Steuerberatung
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Sehr geehrter Fragesteller,

ich beantworte gerne Ihre Fragen im Rahmen einer Erstberatung unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den Vorgaben dieser Plattform.

Da Deutschland hier der Kassenstaat ist, müssen Sie auf jeden Fall die Einkünfte in Deutschland versteuern.

Frankreich kann als Ansässigkeitsstaat ebenfalls von Ihnen eine Steuererklärung verlangen. Das Doppelbesteuerungsabkommen kann die jeweilige Erklärungspflicht nach nationalem Recht nicht unterbinden.

Die Vermeidung der Doppelbesteuerung ist in Art. 20 DBA geregelt
durch Anrechnung der französischen Steuer bei der deutschen Steuer (unter 2 cc)):

(2) Bei Personen, die in Frankreich ansässig sind, wird die Doppelbesteuerung wie folgt vermieden:

a) 1 Gewinne und andere positive Einkünfte, die aus der Bundesrepublik stammen und die dort nach diesem Abkommen besteuert werden können, können auch in Frankreich besteuert werden, wenn sie einer in Frankreich ansässigen Person zufließen.

2 Die deutsche Steuer ist für die Berechnung der in Frankreich steuerpflichtigen Einkünfte nicht abzugsfähig. 3 Der Empfänger hat jedoch Anspruch auf einen Anrechnungsbetrag bei der französischen Steuer, in deren Bemessungsgrundlage diese Einkünfte enthalten sind. 4 Dieser Steueranrechnungsbetrag entspricht

aa) bei den unter Artikel 9 Absatz 2 fallenden Einkünften einem Betrag, der dem Betrag der nach diesem Absatz in der Bundesrepublik gezahlten Steuer entspricht. Der etwaige Mehrbetrag wird dem Steuerpflichtigen nach dem im französischen Recht für die Steuergutschrift vorgesehenen Verfahren erstattet;

bb) bei den unter Artikel 9 Absätze 5 und 9, Artikel 11 Absatz 2 und Artikel 13 Absatz 6 fallenden Einkünften dem Betrag der nach diesen Artikeln in der Bundesrepublik gezahlten Steuer. 2 Er darf jedoch den Betrag der auf diese Einkünfte entfallenden französischen Steuer nicht übersteigen;

cc) bei allen anderen Einkünften dem Betrag der diesen Einkünften entsprechenden französischen Steuer. 2 Diese Bestimmung gilt insbesondere auch für die Einkünfte, die unter Artikel 3 , Artikel 4 Absätze 1 und 3, Artikel 6 Absatz 1, Artikel 12 Absatz 1, Artikel 13 Absätze 1 und 2 und Artikel 14 fallen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen ersten Überblick verschaffen, für eine Nachfrage stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Marlies Zerban
Rechtsanwältin
Steuerberaterin