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Frage geschrieben am 23.12.2013 21:22:43

Betreff: Wohnsitz in der Schweiz, angestellt in Deutschland


Rechtsgebiet: Steuerpflicht
Einsatz: € 50.00
Status: Beantwortet
Guten Tag

Ich bin (ausschliesslich) Schweizer Staatsbürger und seit jeher in der Schweiz ansässig. Neu bin ich bei einer Firma in Deutschland zu 100% angestellt. Zuvor war ich in der Schweiz als selbständig Erwerbender tätig. Meine neue Tätigkeit führe ich von zu Hause, von meinem Wohnort in der Schweiz (Zürich), aus (Home Office / Telearbeit). Zu Koordinationszwecken ist jeden Monat ein 2-3 tägiger Besuch des Geschäftssitzes in Berlin geplant. Während dieser Zeit werde ich im Hotel übernachten.

Gerne würde ich erfahren, ob ich in dieser Konstellation in Deutschland unbeschränkt/beschränkt/gar nicht Einkommenssteuerpflichtig bin.

Ebenfalls unklar ist die Situation bezüglich den Sozialversicherungen und der Rentenversicherung im Besonderen, ob nun die deutschen (DRV) oder die schweizerischen (AHV) Institutionen zum Zuge kommen.

Letztlich besteht auch noch die Frage bezüglich der deutschen Krankenversicherungspflicht. Durch meinen Wohnsitz in der Schweiz bin ich bereits in der Schweiz krankenversicherungspflichtig. Mein Lohn übersteigt die Jahresarbeitsentgeltgrenze, so dass ich mich in Deutschland ggf. privat krankenversichern könnte. Da ich jedoch bereits umfassende Krankenversicherungsdeckung durch meine Versicherung in der Schweiz habe, besteht kein Interesse an einer solchen Versicherung.

Gegenwärtig gehe ich davon aus, dass ich mein Einkommen vollständig in der Schweiz versteure, die schweizer Sozialversicherungswerke zum Zuge kommen und ich mich in Deutschland nicht krankenversichern muss.

Gerne würde ich wissen, welche Dokumente / Formulare etc. ich meinem deutschen Arbeitgeber vorlegen kann, damit die Lohnabrechnung korrekt erfolgen kann.

Besten Dank


Antwort geschrieben am 23.12.2013 22:20:57
Patrick Färber
Brunnenstr. 31, 79312 Emmendingen, Tel: 0, Fax: 0
Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Unternehmenssteuern, Steuerrecht, Steuerpflicht
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage kann ich auf Basis Ihrer Angaben wie folgt beantworte. Dabei gehe ich davon aus, dass Sie keine leitende Position, Geschäftsführer, Prokurist o.ä. sind. Weiterhin liegt keine Grenzgängereigenschaft vor, da die Entfernung (90km) bzw. der Fahrtweg(1 Std) Zürich-Berlin jeweils länger sind.

1) Steuern
Sie haben einen Wohnsitz in der Schweiz und sind nach CH-Recht unbeschränkt steuerpflichtig.

Durch die Aufnahme einer abhängigen Beschäftigung für einen deutschen Arbeitgeber hat jedoch Deutschland nach § 49 Abs. Nr. 4 a) EStG ebenfalls ein Besteurungsrecht, es liegt sog. beschränkte Steuerpflicht vor.
Der Konflikt ist nach dem Doppelbesteuerungsabkommen D-CH (DBA) zu lösen. Danach versteuern Sie die Einkünfte grundsätzlich in der Schweiz, es sei denn, Sie üben Ihre Tätigkeit physisch in Deutschland aus. Für diese max. 36 Arbeitstage im Jahr (12 Monate x 3 Tage) müssen Sie in Deutschland Steuern zahlen. (Nach schweizer Recht müssten Sie sich informieren, ob diese Einkünfte dort satzbestimmend berücksichtigt werden).

Je nach Art der Tätigkeit könnte auch ein "Verwerten" im Inland vorliegen, wenn Sie durch Ihre Home-Office-Tätigkeit in der CH das Ergebnis Ihrer Arbeit (quasi elektronisch) im Inland dem Arbeitgeber zuführen (wäre zu prüfen).

Um einen Lohnsteuerabzug ganz oder teilweise auszuschliessen, müssen Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine Freistellungsbescheinigung vom Lohnsteuerabzug beim Finanzamt (des Arbeitgebers) beantragen. Hier hilft Ihnen Ihr neuer Arbeitgeber sicher weiter.

Sofern ein (vorläufiger) Lohnsteuerabzug vorgenommen wird, so wird Ihre Steuerverpflichtung in DE dadurch abgegolten. Eine Veranlagung am Jahresende ist nicht erforderlich. Diese kann aber durchgeführt werden, falls der Lohnsteuerabzug (aufgrund der Tage) zu hoch war (Erstattung). Wenn Sie zu über 90% Ihrer gesamten Einkünfte aus Deutschland erzielen, können Sie sich auf Antrag auch als unbeschränkt Steuerpflichtiger behandeln lassen (§ 1 Abs.3 EStG). Dann profitieren Sie von besseren Abzugsmöglichkeiten im Bereich Sonderausgaben und Werbungskosten, die Sie als beschränkt Steuerpflichtiger nicht hätten.

2) Sozialversicherung

In Deutschland besteht grundsätzlich Sozialvesicherungspflicht(in allen Versicherungszweigen RV, KV, PflV, ArblV), wenn Sie eine abhängige Beschäftigung bein einem inländischen Arbeitgeber eingehen.

Sofern Sie mit Ihren Gehalt gewisse Grenzen überschreiten (sog Beitragsbemessungsgrenze), entfällt die GESETZLICHE KV oder Rentenversicherungspflicht. Dann besteht die Möglichkeit der freiwilligen Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Versicherung. Ansonsten ist eine private KV immer möglich, für die aber eine Gesundheitsprüfung erforderlich ist. Das Ergebnis dieser Gesundheitsprüfung beeinflusst massgeblich die Höhe des Beitrags.

(BMG KV/PflV: EUR 48.600 p.a. bzw. RV/AlV: EUR 71.400,-)

Über das Freizügigkeitsabkommen gibt es auch Koordinierungsregelungen zur Sozialversicherung zwischen CH und DE. Danach finden immer die Rechtsvorschriften des Beschäftigungsstaates Anwendung. Ausnahmen hiervon gibt es nur in Fällen von sog. Ausstrahlungen/Einstrahlungen (= Entsendung oder Einsendung). Diese Voraussetzungen liegen aber bei Ihnen nicht vor, da Sie als im Ausland Ansässiger einer Beschäftigung im Inland nachgehen, also weder ent- noch eingesendet werden.

Es müsste daher deutsches Sozialversicherungsrecht gelten. Ich empfehle Ihnen, sich hier mit der schweizer bzw. deutschen Krankenkasse in Verbindung zu setzen, da diese Fälle nur von Spezialisten in den Institutionen sicher beherrscht werden.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen Überblick geben. Bei Fragen gerne melden!

Mit freundlichen Grüssen
P. Färber
StB


Patrick Färber
Steuerberater
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