Diese Seiten wurden archiviert. Eine steuerrechtliche Beratung finden Sie auf den Steuerrecht Seiten von frag-einen-anwalt.de
Frage geschrieben am 21.06.2014 15:13:14

Betreff: diverse


Rechtsgebiet: Steuerrecht
Einsatz: € 50.00
Status: Beantwortet
A ca., 54 Jahre alte, ausgebildeter Malermeister, wohnt noch bei seinen Vater B.

A (nicht selbständig) ist gemäß § 5 I Nr. 13 SGB V bei einer gesetzlichen Krankenkasse als sog. freiwilliges Mitglied versichert.

B ist seinem Sohn A nicht mehr unterhaltspflichtig. A könnte nämlich durchaus als Malermeister arbeiten, zieht es aber aufgrund seiner künstlerischen Ader vor, seinen Beruf nicht mehr auszuüben. A ist daher ohne Vermögen und Einkommen.

B gewährt seinen Sohn kostenlose Wohnung und Logie und steckt ihm darüber hinaus 500,00 Euro (ohne Gegenleistung) monatlich in bar zu.

Der A muss der gesetzlichen Krankenkasse jährlich einen Einkommensfragebogen abgeben. Dort wird bei einkommenslosen Personen (wie der A) auch gefragt, durch wenn der Lebensunterhalt sichergestellt (Kost, Wohnung und Barzuwendungen) wird. Die monatlichen Barzuwendungen sind dort größenordnungsmäßig anzugeben.


Vermutungen:

1. B und A sind der Meinung, dass die monatlichen 500,00 Euro steuerrechtlich nicht als Einkommen sondern als Schenkung zu qualifizieren sind. Da der Schenkungssteuerfreibetrag 400.000,00 Euro (bei Schenkungen vom Vater an einen Abkömmling) für einen 10-Jahres-Zeitraum beträgt, kann hier aus Sicht von B bzw. A keine Schenkungssteuer anfallen. Ebenso muss der A die monatlichen 500,00 Euro nicht als Einkommen versteuern


2. www.krankenkassen.de/gesetzliche-krankenkassen/krankenkasse-beitrag/freiwillig-versichert-gkv/

Aufgrund der o.a. Internetseite wird vermutet, dass der A mit dem monatlichen Mindestkrankenkassenbeitrag von 137,33 Euro einzustufen ist. Das würde auch dann gelten, wenn der B dem A monatlich nicht 500,00 sondern sogar 1.300,00 Euro zustecken würden, da Schenkungen nicht als Einkommen zur Berechnung das Krankenkassenbeitrags herangezogen werden können.


Sind die o.a. (1. und 2.) Vermutungen zutreffend?




Antwort geschrieben am 21.06.2014 20:59:57
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
Bewertungen: 67 5
RSS-Feed www.frag-einen-steuerprofi.de Antworten von Ingo Kneisel als RSS-Feed abonnieren!
Sehr geehrter Fragesteller,

im Rahmen einer Erstberatung und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Zur Frage 1. Sie haben absolut recht. Die monatlichen Zahlungen eines Vaters an seinen Sohn, denen keine Gegenleistungen zu Grunde liegen, stellen im Steuerrecht Schenkungen und kein ertragsteuerliches Einkommen dar. Sie haben also auch damit recht, dass die monatlichen 500,00 Euro steuerrechtlich nicht als Einkommen zu qualifizieren sind.

Gem. § 7 ErbStG unterliegen Schenkungen als freigebige Zuwendung unter Lebenden, soweit der Bedachte durch sie auf Kosten des Zuwendenden bereichert wird, der Erbschaftsteuer.

Gem. § 16 ErbStG bleibt bei Kindern ein Betrag in Höhe von 400.000 ,-- Euro steuerfrei.

Gem. § 14 ErbStG werden mehrere Erwerbe innerhalb von zehn Jahren von derselben Person anfallende Vermögensvorteile in der Weise zusammengerechnet, daß dem letzten Erwerb die früheren Erwerbe nach ihrem früheren Wert zugerechnet werden. Von der Steuer für den Gesamtbetrag wird die Steuer abgezogen, die für die früheren Erwerbe nach den persönlichen Verhältnissen des Erwerbers und auf der Grundlage der geltenden Vorschriften zur Zeit des letzten Erwerbs zu erheben gewesen wäre.

D. h. wenn Sie jährlich 6.000,-- € erhalten, wären in 10 Jahren 400.000,-- nicht so ganz erreicht. :-))

Ihre Frage 2 kann ich insoweit beantworten, dass der Mindestbeitrag für freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2014 monatlich 137,33 Euro beträgt. Ich gehe bei dieser Antwort davon aus, dass Sie weder ALG I noch ALG II beziehen. Schenkungen gelten nicht als Einkommen, ebenso Kost und Logis bei Ihrem Vater nicht, da ja wohl auch keine Unterhaltsverpflichtungen Ihres Vaters Ihnen gegenüber bestehen.

Ich hoffe, Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte gerne die Nachfragefunktion.


Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld
Telefon (0521) 92420-0 Fax 0521/9242020
E-mail: info@ingo-kneisel.de
Internet: www.ingo-kneisel.de