Diese Seiten wurden archiviert. Eine steuerrechtliche Beratung finden Sie auf den Steuerrecht Seiten von frag-einen-anwalt.de
Frage geschrieben am 13.08.2013 14:27:01

Betreff: doppelte Haushaltsführung / Heimfahrten wöchentlich / Belege-Nachweise


Rechtsgebiet: Werbungskosten
Einsatz: € 50.00
Status: Beantwortet
Sehr geehrte Damen und Herren,

für das Jahr 2012 habe ich im Rahmen der doppelten Haushaltsführung insgesamt 27 Heimfahrten (Wochenende: Freitag hin, Sonntag/Montag zurück) pauschal mit dem Auto geltend gemacht (abgezogen waren die Wochen des Urlaubs, Krankheit, Fahrten an andere Orte bzw. Dienstreisen).
Das Finanzamt verlangt jetzt Belege für diese Fahrten und gibt Tankquittungen als Möglichkeit an. Die Heimfahrten waren eine Mischung aus Zugfahrten, Flugreisen und Autoreisen.
Aufgrund der elektronischen Buchung verfüge ich zumindest noch über einige Bordkarten und Abbuchungen von der Kreditkarte.

Wie könnte ich die Fahrten belegen?


Antwort geschrieben am 13.08.2013 15:04:24
Marlies Zerban
Binger Str. 51, 55218 Ingelheim, Tel: 06132 78684-0, Fax: 06132 78684-29
Steuerberatung
Bewertungen: 189 4
RSS-Feed www.frag-einen-steuerprofi.de Antworten von Marlies Zerban als RSS-Feed abonnieren!
Sehr geehrter Fragesteller,

ich beantrworte gerne Ihre Fragen im Rahmen einer Erstberatung unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den Vorgaben dieser Plattform.

Die Rechtsauffassung des Finanzamtes ist nicht korrekt, soweit es sich um entstandene Kosten handelt. Uu diesem Thema liegt eine ganz aktuelle BFH-Entscheidung vor, die erst vor wenigen Wochen veröffentlicht wurde. Der BFH führt aus, dass die Aufwendungen für die Familienheimfahrten aufwandsunabhängig sind.

Sie müssen also die Kosten nicht nachweisen, lediglich, dass die Fahrten stattgefunden hatten. Das kann auch durch eine schriftliche Bestätigung von Angehörigen, Freunden und Bekannten erfolgen, dass Sie am Wochenende Aufenthalt am Hauptwohnsitz hatten.

Je nach persönlicher Lebensführung können auch Abhebungen von Geld am Wohnort, Einkäufe dort, etc. belegen, dass Sie sich dort aufgehalten haben.

Zitat BFH, Urteil vom 18.04.2013, IV R 29/12: Zur Abgeltung der Aufwendungen für eine Familienheimfahrt ist eine Entfernungspauschale von 0,30 € für jeden vollen Kilometer der Entfernung zwischen dem Ort des eigenen Hausstands und dem Beschäftigungsort anzusetzen (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 4 EStG). Die danach zu berücksichtigenden Beträge sind um steuerfreie Sachbezüge (§ 8 Abs. 3 EStG) zu mindern; ist der Arbeitgeber selbst der Verkehrsträger, ist der Preis anzusetzen, den ein dritter Arbeitgeber an den Verkehrsträger zu entrichten hätte (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 5 i.V.m. Nr. 4 Satz 5 EStG).

Der BFH hat bestätigt, dass die Entfernungspauschale unabhängig davon gilt, ob die Familienheimfahrten zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem eigenen PKW oder öffentlichen Verkehrsmitteln durchgeführt werden und ob dem Steuerpflichtigen überhaupt Kosten für diese Wege entstanden sind.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen ersten Überblick verschaffen, für eine Nachfrage stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Marlies Zerban
Rechtsanwältin
Steuerberaterin