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Frage geschrieben am 10.03.2014 18:15:45

Betreff: doppelte Haushaltsführung und Firmenwagen


Rechtsgebiet: Werbungskosten
Einsatz: € 40.00
Status: Beantwortet
Hallo,

ich habe folgende Situation:
seit letzten Sommer beruflicher Umzug von Düsseldorf nach Stuttgart (400km) und damals Anmeldung Hauptwohnsitz in Stuttgart.

Mittlerweile festigt sich die Beziehung zu meinem Freund in Düsseldorf und würde gerne in seine Wohnung in Düsseldorf mit einziehen. Ich verbringe jedes Wochenende in Düsseldorf und würde sagen, ich habe dort meinen Lebensmittelpunkt, da dort noch mein ganzer Freundeskreis und mein Sportclub weiterhin besteht.
Ich pendel also mit Firmenwagen jeden Fr und Mo von Stuttgart nach Düsseldorf und zurück (ab und zu auch Zug).

Da ich einen Firmenwagen habe (Brutto-Listenpreis 30k€), immer noch mit Hauptwohnsitz in Stuttgart, versteuere ich regulär die Fahrten zur Arbeit (ohne Fahrtenbuch) von Stuttgart nach Stuttgart (7km) nach der 1% Regel.

Es stellen sich für mich die folgenden Fragen (ich könnte den Einzug bei meinem Freund auch sein lassen, wenn ich dadurch finanzielle Nachteile habe):

1) Wenn ich Hauptwohnsitz in Düsseldorf anmelde, muss ich den geldwerten Vorteil des Firmenwagens mit 400km Entfernung bei der 1% Regel versteuern? Falls ja, wie häufig pro Woche (jeden Tag oder nur Mo und Fr)?
2) Oder soll ich Hauptwohnsitz Stuttgart belassen und einen Zweitwohnsitz in Düsseldorf anmelden? Kann ich dann trotzdem doppelte Haushaltsführung geltend machen, obwohl Hauptwohnsitz bei der Arbeit und Zweitwohnsitz beim Privatleben?
3) Was für Voraussetzungen benötige ich, um doppelte Haushaltsführung geltend zu machen? Bitte um Auflistung (z.B. Eintrag Mietvertrag oder reichen Rechnungen Benzin/Sport/Einkäufe etc.?)
4) Habe ich einen finanziellen Nachteil, wenn ich mit Firmenwagen einen weiteren Wohnsitz 400km entfernt anmelde (oder entsteht trotzdem ein finanzieller Vorteil)?
Erhöht sich dadurch z.B. die geldwerte Vorteil-Versteuerung jeden Monat, die sich aber evtl. durch Anrechnung Heimfahrten, doppelte Haushaltsführung, Verpflegungskosten etc. ausgleicht?
5) Was ist Ihre Einschätzung - lohnt der evtl. finanzielle Vorteil den Aufwand, den man beim Finanzamt betreiben muss? Will heißen, stellt sich das Finanzamt tendenziell quer? Sollte ich mir dann einen Steuerberater ins Boot holen?

Danke für die Hilfe!

-- Einsatz geändert am 10.03.2014 18:19:16


Antwort geschrieben am 10.03.2014 19:03:20
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
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Sehr geehrter Fragestellerin

im Rahmen einer Erstberatung, Ihres Einsatzes und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Wenn ich den Grundsatz Ihrer Fragen richtig verstanden habe, haben Sie derzeit einen 1. Wohnsitz in Stuttgart. Dort haben Sie Ihren Job und wollen Ihren 1. Wohnsitz aus privaten Gründen nach Düsseldorf „wegverlegen". Ihre Wohnung in Stuttgart wollen Sie beibehalten als 2. Wohnsitz. (sodann als doppelte Haushaltsführung).

Nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 Satz 1 EStG gehören zu den Werbungskosten auch notwendige Mehraufwendungen, die einem Arbeitnehmer wegen einer aus beruflichem Anlass begründeten doppelten Haushaltsführung entstehen. Bisher verneinte die Rechtsprechung die berufliche Veranlassung einer doppelten Haushaltsführung, wenn der Steuerpflichtige die Familienwohnung aus privaten Gründen von der Arbeitsstätte wegverlegt hatte und dann von einer Zweitwohnung am Beschäftigungsort seiner bisherigen Beschäftigung weiter nachging. Nach der geänderten Rechtsprechung des BFH schließt nun eine solche Wegverlegung des Haupthausstands aus privaten Gründen eine beruflich veranlasste doppelte Haushaltsführung nicht mehr aus. Eine beruflich begründete doppelte Haushaltsführung setzt voraus, dass aus beruflicher Veranlassung am Beschäftigungsort ein zweiter (doppelter) Haushalt zum Hausstand des Steuerpflichtigen hinzutritt. Beruflich veranlasst ist der Haushalt dann, wenn ihn der Steuerpflichtige nutzt, um seinen Arbeitsplatz von dort aus erreichen zu können.

Wird ein solcher beruflich veranlasster Zweithaushalt am Arbeitsplatz eingerichtet, so wird damit auch die doppelte Haushaltsführung selbst aus beruflichem Anlass begründet. Dies gilt selbst dann, wenn der Haupthausstand aus privaten Gründen vom Beschäftigungsort wegverlegt und dann die bereits vorhandene oder eine neu eingerichtete Wohnung am Arbeitsplatz aus beruflichen Gründen als Zweithaushalt genutzt wird. Denn der (beibehaltene) Haushalt am Beschäftigungsort wird nun aus beruflichen Motiven unterhalten.

Nun zu Ihren Fragen:
1) Wenn ich Hauptwohnsitz in Düsseldorf anmelde, muss ich den geldwerten Vorteil des Firmenwagens mit 400km Entfernung bei der 1% Regel versteuern? Falls ja, wie häufig pro Woche (jeden Tag oder nur Mo und Fr)?

Nein. Der geldwerte Vorteil ist für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit der 0,03 % Regelung anzusetzen, für die wöchentlichen Familienheimfahrten wird nichts angesetzt. Der Grund: Die Besteuerung des geldwerten Vorteils für Familienheimfahrten entfällt, wenn die Aufwendungen als Werbungskosten abziehbar sind.

2) Oder soll ich Hauptwohnsitz Stuttgart belassen und einen Zweitwohnsitz in Düsseldorf anmelden? Kann ich dann trotzdem doppelte Haushaltsführung geltend machen, obwohl Hauptwohnsitz bei der Arbeit und Zweitwohnsitz beim Privatleben?

Wo Ihr 1. oder 2. Wohnsitz angemeldet ist, spielt keine Rolle. Wenn Ihr Lebensmittelpunkt mit eigenem Hausstand in Düsseldorf ist, gelten die Grundsätze der doppelten Haushaltsführung. Es ist also tatsächlich unerheblich, wo Sie mit Haupt- oder Nebenwohnsitz gemeldet sind. Ein eigener Hausstand setzt eine eingerichtete, den Lebensbedürfnissen entsprechende Wohnung voraus, die Ihnen gehört oder die Sie angemietet bzw. berechtigterweise (mit-)nutzen können. In dieser Wohnung müssen Sie die Haushaltsführung bestimmen oder wesentlich beeinflussen. Sie muss außerdem der auf Dauer angelegte Mittelpunkt Ihrer Lebensinteressen sein. (Partner, Freunde, Interessen)

3) Was für Voraussetzungen benötige ich, um doppelte Haushaltsführung geltend zu machen? Bitte um Auflistung (z.B. Eintrag Mietvertrag oder reichen Rechnungen Benzin/Sport/Einkäufe etc.?)

Sie müssen lediglich mit Ihrem Lebenspartner einen eigenen Hausstand führen. Zum Nachweis wäre ein Mietvertrag hilfreich. Ansonsten geltendie Ausführungen zu Frage 2.

4) Habe ich einen finanziellen Nachteil, wenn ich mit Firmenwagen einen weiteren Wohnsitz 400km entfernt anmelde (oder entsteht trotzdem ein finanzieller Vorteil)? Erhöht sich dadurch z.B. die geldwerte Vorteil-Versteuerung jeden Monat, die sich aber evtl. durch Anrechnung Heimfahrten, doppelte Haushaltsführung, Verpflegungskosten etc. ausgleicht?

s.o.

5) Was ist Ihre Einschätzung - lohnt der evtl. finanzielle Vorteil den Aufwand, den man beim Finanzamt betreiben muss? Will heißen, stellt sich das Finanzamt tendenziell quer? Sollte ich mir dann einen Steuerberater ins Boot holen?

Ja, es dürfte sich lohnen. Das Finanzamt muss eine beruflich veranlasste doppelte Haushaltsführung anerkennen, wenn Sie die o. g. Regeln beachten. D. h. dass Sie sämtliche Kosten der Wohnung an Ihrer Arbeitsstätte als WK geltend machen können. Miete, NK/HK, Einrichtung etc. Da diese Materie im ersten Jahr recht kompliziert ist, (Sonderegelung für die ersten 3 Monate) würde ich Ihnen tatsächlich raten, einen Kollegen vor Ort aufzusuchen, um zumindest das erste Jahr die Steuererklärung mit ihm zusammen zu erstellen. Das nächste Jahr haben Sie dann ja eine Vorlage.

Ich hoffe Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte gerne die Nachfragefunktion.


Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld
Telefon (0521) 92420-0
E-mail: info@ingo-kneisel.de
Internet: www.ingo-kneisel.de






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ein bisschen schwierige Formulierung, die ich in Gesetzestexten hätte nachlesen können