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Frage geschrieben am 09.05.2014 15:48:24

Betreff: e-commerce mit Kunden weltweit


Rechtsgebiet: Generelle Themen
Einsatz: € 30.00
Status: Beantwortet
Guten Tag,

Ich habe eine e-commerce Webseite zum vermarkten von Ferienhäusern. Bsp.: Um ein Jahr auf meiner Seite gelistet zu sein, muss man $349 bezahlen. Die Bezahlung erfolgt online via paypal oder Kreditkarte. Da die Kunden aus allen Ländern sein können, ist meine Frage: Muss ich Steuern auf dem Preis draufschlagen oder wie funktioniert das?


Antwort geschrieben am 12.05.2014 17:35:05
Ingo Kneisel
Potsdamer Str. 148a, 33719 Bielefeld, Tel: 0521/9242021, Fax: 0521/9242020
Steuerberatung, Einkommenssteuer, Erbschaftssteuer, Umsatzsteuer, Unternehmenssteuern
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Sehr geehrter Fragesteller,

im Rahmen einer Erstberatung und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes und den von Ihnen gemachten Sachverhaltsangaben, möchte ich Ihre Fragen gerne im Nachstehenden wie folgt beantworten:

Vorab möchte ich als Erstes anmerken, dass ich eigentlich vorhatte, Ihnen bereits am Freitag Nachmittag zu antworten. Leider hat es beim Anbieter der Plattform eine technische Panne gegeben, die dazu führte, dass die Frage bis soeben gesperrt war.

Zu Ihrer Frage:

Die Bestimmung des Ortes der sonstigen Leistung gem. § 3a UStG ist ein recht kompliziertes Thema im Steuerrecht und muss für jede einzelne Leistung erneut geprüft werden.

Zunächst erst einmal ist also zu klären, welcher Art die von Ihnen angebotenen Dienste (sonstige Leistungen) sind. Ich bin der Meinung, dass es sich um Leistungen gem. § 3a Abs 4 Nr. 13 UStG handelt. Sonstige Leistungen, die auf elektronischem Wege erbracht werden. Aus meiner Sicht stellen Sie Ihren Kunden eine Plattform im Internet zur Verfügung. Es handelt sich nicht um eine Vermittlungsleistung.

Was ist aus umsatzsteuerlicher Sicht eine auf elektronischem Weg erbrachte sonstige Leistung?

Eine auf elektronischem Weg erbrachte sonstige Leistung ist eine Leistung, die online erbracht wird und deren Gestellung auf IT Technik basiert. Hierunter fällt z. B. auch die Bereitstellung von Websites, Webhosting, Fernwartung von Programmen und Ausrüstungen.

Wie ist nun die umsatzsteuerliche Wertung?

Ist der Empfänger einer auf elektronischem Weg erbrachten sonstigen Leistung weder ein Unternehmer, für dessen Unternehmen die Leistung bezogen wird, also ein Privatmann, und hat er seinen Wohnsitz oder Sitz im Drittlandsgebiet, wird die sonstige Leistung an seinem Wohnsitz oder Sitz ausgeführt.

Ist der Empfänger einer auf elektronischem Weg erbrachten sonstigen Leistung weder ein Unternehmer, für dessen Unternehmen die Leistung bezogen wird, also wieder der Privatmann, und hat er seinen Wohnsitz oder Sitz im Gemeinschaftsgebiet, wird die sonstige Leistung abweichend vom o. g. dort ausgeführt, wo er seinen Wohnsitz oder Sitz hat, wenn die sonstige Leistung von einem Unternehmer (Ihnen) ausgeführt wird, der im Drittlandsgebiet ansässig ist oder dort eine Betriebsstätte hat, von der die Leistung ausgeführt wird.

Das trifft aber hier nicht zu, da Sie Ihren Sitz ja in Deutschland haben. Darauf schließe ich auf Grund Ihrer Adressangaben.

Führen Sie Leistungenaus, gelten § 3a, Absätze 1 u. 2 UStG bei der Bestimmung, wo der Ort der sonstigen Leistung liegt. Danach wird eine sonstige Leistung an dem Ort ausgeführt, von dem aus der Unternehmer (Sie) sein Unternehmen betreibt (Abs.1). Wird allerdings eine sonstige Leistung, an einen Unternehmer für dessen Unternehmen ausgeführt wird, wird die sonstige Leistung an dem Ort ausgeführt, von dem aus der Empfänger sein Unternehmen betreibt. (Abs. 2)

Fazit:

Ist Ihr Kunde Privatmann und wohnt außerhalb der EG, ist Ihre Leistung nicht steuerbar. Wohnt er in Deutschland, handelt es sich um eine ganz normale steuerbare und steuerpflichtige Leistung. Gem. § 3a (1) UStG ist der Ort der sonstigen Leistung dort wo der Unternehmer sein Unternehmen betreibt.

Ist Ihr Kunde Unternehmer, und das wird in fast allen Fällen so sein, müssen Sie prüfen, von wo aus dieser Kunde sein Unternehmen betreibt. Gem. § 3a ( 2) UStG wird eine sonstige Leistung an einen Unternehmer dort ausgeführt, wo der sein Unternehmen betreibt. Danach richtet sich dann die Umsatzsteuerpflicht.

Bitte also acht geben:

In den allermeisten Fällen sind Vermieter von Ferienunterkünften im Sinne des UStG Unternehmer. Wenn danach der Leistungsort im EU-Gebiet nach § 3 a Abs. 2 UStG liegt, gilt immer die Steuerschuldübertragung auf den Leistungsempfänger (sogenanntes reverse-charge-Verfahren § 13 b UStG)

Liegt der Ort der sonstigen Leistung im Drittland, empfehle ich Ihnen vorab Informationen einzuholen. Gibt es im Drittland kein vergleichbares Umsatzsteuersystem nach europäischem Vorbild, wird der Umsatz des deutschen Unternehmers nämlich nicht erfasst. (s. Länderliste zur Umsatzsteuer-Rückvergütung)

Sie sollten von Fall zu Fall mit Ihren jeweiligen Kunden das genaue umsatzsteuerliche Proceder abstimmen.

Ich hoffe Ihre Anfrage richtig verstanden- und ausreichend beantwortet zu haben. Sollten Rückfragen bestehen, nutzen Sie bitte gerne die Nachfragefunktion.


Mit freundlichen Grüßen




Ingo Kneisel
Steuerberater
vereidigter Buchprüfer

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Internet: www.ingo-kneisel.de