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Frage geschrieben am 06.08.2013 16:27:11

Betreff: neuer wohn/firmensitz in der schweiz/selbständig in D


Rechtsgebiet: Steuerpflicht
Einsatz: € 40.00
Status: Beantwortet
Guten Tag,

ich beabsichtige in der Schweiz umzuziehen, Firmenstandort und neue Wohnsitz. Keine Wohnung und/oder Betriebsstätte mehr in D.
Seit mehrere Jahren arbeite ich in D als freie Mitarbeiter, mit eine Einzelfirma. Wohnsitz in D. Steuern von daher regelmäßig in D bezahlt.

Mit den Umzug in der Schweiz (die Firma und meine Person auch) will ich allerdings meine Kontakte/Arbeit in D nicht aufgeben. Es kann also vorkommen dass ich monatelang in D arbeiten werde. In diese Zeit halte ich mich in Hotels auf, oder in Wohnungen mit eine Mietvertrag auf Zeit. Keine feste Wohnung! In D nicht länger angemeldet.

Meine Fragen:

- wo werden die Rechnungen besteuert die ich meine Kunde in D schreibe? (über die UmsatzSteuer Grenze!)
- muss ich, um Steuerlast zu vermeiden, ALLES in D aufgeben also Geschäftskonten, Versicherungen ect...?
- sind meine Kosten (Hotels, Reisen ect...) in der Schweiz bei der Steuererklärung abzugsfähig ?
- muss man insbesondere bei der Konstellation auf etwas beachten (zB in Inland nur noch bar bezahlen oder derartiges..) ?

Paragraphen interessieren mich weniger. Ich bitte Sie von daher bei Ihre Aussage auf eine kurze, klare und verständliche Antwortstellung einzugehen.

Vielen Dank


Antwort geschrieben am 06.08.2013 22:26:18
Patrick Färber
Brunnenstr. 31, 79312 Emmendingen, Tel: 0, Fax: 0
Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Unternehmenssteuern, Steuerrecht, Steuerpflicht
Bewertungen: 27 5
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Sehr geehrter Fragesteller,
Ihre Frage möchte ich im Rahmen Ihres Einsatzes und Ihrem Wunsch folgend kurz und ohne Angaben von Paragrafen beantworten:

1) Umzug/Wegzug in die Schweiz
Mit der Verlegung Ihres Wohnsitzes und Ihres Einzelunternehmens realisieren Sie einerseits einen Wegzug in das niedrig besteuerte Ausland (Deutschland behält 6 Jahre lang das Besteuerungsrecht für bestimmte Einkünfte, das es nach dem Doppelbesteuerungseinkommen eigentlich nicht hätte), andererseits eine sog. Betriebsaufgabe.

Letztere müssen Sie dem Finanzamt am Jahresende erklären und hierfür eine Schlussbilanz erstellen (auch wenn Sie vorher nur Einnahme-Überschuss-Rechnung gemacht haben) und ggf. einen Aufgabegewinn versteuern (wenn „stille Reserven" im Unternehmen). Bei kleinen Einzelunternehmen eher selten der Fall, ist aber zu prüfen.

Am besten ist ein Wegzug um die Jahreswende, da unterjährige Wegzüge ins Ausland im Jahr des Wegzugs zu einer indirekten Versteuerung der im Restjahr in der Schweiz versteuerten Einkünfte über den Progressionsvorbehalt in Deutschland führt (erhöhter Steuersatz auf die deutschen Einkünfte).

2) Tätigkeit von der Schweiz aus in DE

Ihre Frage 1 (USt??): Ich gehe davon aus, dass Sie Dienstleistungen erbringen und keine Warenlieferungen. Daher sind die Rechnungen OHNE Umsatzsteuer auszuweisen und mit einem Hinweis Reverse Charge, § 13b UStG zu versehen.

Ihre Fragen 2 bis 4, alternativ auch Frage 1
Sie dürfen in DE weder einen Wohnsitz behalten noch einen gewöhnlichen Aufenthalt begründen, da Sie ansonsten zusätzlich auch in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig wären. Einen Wohnsitz (Mietwohnung, Eigentum, das nur vorübergehend vermietet wird, Zweitwohnung, Wohnmöglichkeit bei Familienmitgliedern) haben Sie auskunftsgemäß nicht mehr, einen gewöhnlichen Aufenthalt könnten Sie rein theoretisch begründen, wenn Sie sich für länger als 6 Monate pro Jahr in Deutschland aufhalten (auch ohne Wohnsitz, z.B. in Hotels o.ä.). Es kommt also darauf an, wie lange Sie in DE tätig sind pro Jahr. Sie können Geschäftskonten unterhalten (aber nicht wesentliches Vermögen, z.B. Bankvermögen!), Zahlungen durchführen wie Sie wollen, alles unschädlich.

Solange Sie in DE tätig sind und keine sog. Betriebstätte begründen, bleibt es bei der Versteuerung in der Schweiz. Der Aufenthalt in verschiedenen Hotels begründet keine Betriebstätte, das Anmieten einer Wohnung (auf Zeit) kann jedoch u.U. zu einer Betriebsstätte führen. Wenn Sie z.B. bei einem Kunden sich länger aufhalten und dort ein eigenes Büro haben (Verfügungsmacht), kann auch eine Betriebstätte beim Kunden vorliegen.

Zusammengefasst müssen Sie darauf achten, in DE keine Betriebstätte (z.B. feste Geschäftseinrichtung, evt. Anmieten einer Wohnung, Betriebstätte beim Kunden) entsteht. In diesem Fall hat nur die Schweiz das Besteuerungsrecht für die gewerblichen Einkünfte. Eine Betriebstätte in DE würde dazu führen, dass Sie (nur) den in DE generierten Umsatz dort versteuern müssten.
Einkommensteuerlich haben Sie in DE keinen Anknüpfungspunkt, sofern Sie weder einen Wohnsitz noch einen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland haben.

Praktisch zu empfehlen ist in DE: Abmeldung Telefonanschluss, Zeitungen etc, Umzug mit Möbel (Verzollung etc.). Der Zeitpunkt der polizeilichen Abmeldung hat steuerlich nur Indizwirkung. In CH: Einholung Aufenthaltserlaubnis, Anmeldung im Kreisbüro, schriftlicher Mietvertrag, Schweizer Bankverbindung, Telefon etc.

Ob die Kosten in der Schweizer Steuererklärung abziehbar sind, müssen Sie einen schweizer Steuerberater fragen, ein deutscher StB darf und kann das nicht beantworten.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen die nicht ganz unerheblichen und einfachen Folgen eines Wegzugs in das "Steuerparadies" Schweiz verständlich erläutern!

Einen schönen Abend wünscht

Patrick Färber
StB
post@richtig-gegensteuern.de

Patrick Färber
Steuerberater
post@richtig-gegensteuern.de


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