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Frage geschrieben am 25.08.2014 11:49:22

Betreff: steuerliche Verlustvorträge


Rechtsgebiet: Werbungskosten
Einsatz: € 65.00
Status: Beantwortet
Hallo,

ich habe aus dem Jahr 2012 einen bestehenden Verlustvortrag über 30.000 EUR nach §10d Abs 4 EStG. Im Jahr 2013 war ich selbständig freiberuflich tätig, konnte jedoch aus dieser Tätigkeit keine Einnahmen erzielen. Aus diesem Grund habe ich diese Tätigkeit zum Jahresende aufgeben und bin seit dem 01.01.2014 wieder angestellt tätig.

Ich habe im Jahr 2013 einzig Einkünfte aus Kapitalvermögen und Vermietung & Verpachtung erzielt, welche knapp über dem Grundfreibetrag von ca. 8000 EUR lagen.

Nunmehr stellt sich für mich folgende Fragen:

1. Muß ich den Verlustvortrag aus 2012 mit den Einkünften aus 2013 verrechnen lassen oder kann ich diesen komplett auch nach 2014 schieben ?

2. Wenn nein, kann ich die Verrechnung so begrenzen, daß ich trotzdem in den Vorzug des Grundfreibetrages komme oder werden die Einkünfte bis auf 0 reduziert ?

3. Ich habe im Jahr 2013 auch Vorsorgekosten wie Krankenkassenbeiträge und sonstige Werbungskosten (Bewerbungskosten, Seminare, etc.) gehabt. Kann ich diese als weiteren Verlustvortrag anerkennen lassen oder verfallen diese evtl., wegen der möglichen Verlustverrechnung aus 2012 oder wegen meiner selbständigen freiberuflichen Tätigkeit ? Reicht das Kreuz auf dem Mantelogen dafür (Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrages) aus ?

4. Was passiert, wenn man versehentlich nicht angibt, daß ein bestehender Verlustvortrag vorhanden ist ?





Antwort geschrieben am 25.08.2014 13:42:52
Steuerberater/Dipl.Betriebswirt Ulrich Stiller
Schwabstr. 40, 71229 Leonberg, Tel: 07152/23331, Fax: 07152/22709
Steuerberatung
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Sehr geehrter Ratsuchender,

besten Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne auf Grund Ihrer Angaben und vor dem Hintergrund Ihres Einsatzes im Rahmen einer Erstberatung wie folgt beantworten möchte:

Frage 1

Sie müssen den Verlustvortrag aus dem Jahr 2012 mit den Einkünften in 2013 verrechnen. Es ist nicht möglich, das Jahr 2013 zu übergehen und dann auf 2014 vorzutragen.

Frage 2

Es erfolgt auch ein Vortag in solche Veranlagungszeiträume, in denen das Einkommen unter dem Grundfreibetag zur Einkommensteuer liegt. An dieser gesetzlichen Regelung bestehen auch keine verfassungsrechtlichen Zweifel, wie der BH u.a. durch Beschluß vom 09.04.2010 (BFH/NV 2010 S. 1270) festgestellt hat, die Einkünfte werden also auf null reduziert.

Frage 3

Vortragsfähig ist immer der negative Gesamtbetrag der Einkünfte, das ist der Betrag, vor Abzug der Sonderausgaben, wie z.B. die Krankenkassenbeiträge, d.h. Sonderausgaben erhöhen nicht den Verlustabzug. Allerdings können die vorweggenommenen Werbungskosten in 2013 zu negativen Einkünften aus nichtselbst. Arbeit führen. Können Sie z. B. Werbungskosten mit EUR 3.000 aus nicht selbst. Arbeit geltend machen, so können diese mit den positiven Einkünften aus Vermietung und Verpachtung und den Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnet werden, sodaß Sie für den Verlustvortrag in 2014 3.000 Euro mehr zur Verfügung haben. Sie sollten auf jeden Fall in dem Mantelbogen das entsprechende Kreuz zur Feststellungdes verbleibenden Verlustabzugs machen.

Frage 4

Über die Höhe des verbleibenden Verlustvortrags erhalten Sie einen Feststellungsbescheid. Dieser Bescheid ist ein Grundlagenbescheid für den Einkommensteuerbescheid. Ein bestandskräftiger Einkommensteuerbescheid, bei dem ein festgestellter Verlustvortrag nicht berücksichtigt ist, kann im Rahmen der Festsetzungsverjährung nach § 175 Abs. 1 Nr. 1 AO geändert werden.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen behilflich sein.


Mit freundlichen Grüßen



Ulrich Stiller
Steuerberater


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